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Gleiberg und Vetzberg.
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Da stehst du ernst und blickst in's Thal hernieder,
Das wie ein holdes Kind sich dir zu Füssen schmiegt!
Die Freude sendet dir den Schall der schönsten Lieder;— Er scheucht dir wohl das dunkle Raubgefieder,
Doch nicht den Trotz, der auf dir liegt!
Was sinnst du denn, du greiser Bergeswächter? Vergang'ner Herrlichkeit? Und schmerzt es dich so tief, Dass du noch stehen musst in alter ungeschwächter Urkraft, da längst gewaltige Geschlechter Die Mutter Erde zu sich rief?
Ein treuer Knecht sahst du vom edlen Stamme
Den Letzten in die Gruft mit Schild und Helm versenkt. Wähnst du, du wehrtest ab, gleich einem Felsendamme, Die neue Zeit, die herwogt, Strom und Flamme Zugleich, und tödtend Leben schenkt?
Du wardst nicht müd', bist, Riese, nur verdrossen Und denkst im alten Stolz:»Wie klein die Gegenwart! Wo kriegerisches Volk einzog auf starken Rossen, Jetzt wird das Thor dem Bürger nicht verschlossen, Vor dem er einst umsonst geharrt!-
Ja frei und froh, so heben wir die Becher,
Und ebenbürtig zieh'n wir in das Schloss hinein; Wir klingen wacker an mit goldnem Sorgenbrecher; Es gilt der alten Zeit, ihr todten Zecher,
Wir bringen's ihr in altem Wein.


