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(vom siebenten Jahrhundert an) allmählig der Namen Hessen hell hervor. Ein grosses Frankenreich hat sich aufgethan, von Königen beherrscht. Die deutschen Lande sind in Gaue getheilt, denen Grafen vorstehen, die Unterabtheilungen der Gaue heissen Centen und Marken. Die hiesige Gegend wird theils dem Nie- derlahngau, theils der Wetterau zugerechnet und christliche Glaubensboten durchziehen sie. Welch ein verändertes Bild der Landschaft! Das Christenthum hat sie gelichtet; es hat die uralten heiligen Eichen, unter denen die Väter ihren ein- fachen Naturgottesdienst hielten, gefällt. Auf der Höhe, die sich zur Fuhrt der Lahn herniederneigt, steht jetzt ein Dörf- lein, genannt Selters und ein Kirchlein, St. Peter zu Ehren geweiht, am jenseitigen rechten Ufer ein anderes Dörflein Croppach. Die Herren der Gegend sind aus dem Konradi- nisch-salischen Geschlecht; in kirchlicher Hinsicht gehört sie zur Trierschen Diözese, und zwar zum Archidiakonat Diet- kirchen, zum Dekanat Wetzlar. Mittlerweile hat sich das Lehenswesen entwickelt, und mächtige Geschlechter breiten sich aus, und stattliche Burgen erheben sich auf den Bergesgipfeln zu Schutz und Trutz. Schon wächst dort auf dem Gleiberg aus Basaltquadern der Thurm heran. Von seinen Zinnen über- schauen zwei Grafen aus Lothringen das schöne Land, das ihr Eigen ist; eine Erbiochter des fränkischen Hleræogshauses brachte es an jenes Geschlecht. Und herrlich ist dieser Stamm der Grafen von Gleiberg; stolz stehen sie unter den Gros- sen des Reiches. Eine Tochter des Geschlechts, die Gräfin Klemenzia, stiftet in der Nähe das Kloster Schiffenberg, und nun schwindet immer mehr das Dunkel der Wälder und statt ihrer kommt immer mehr neuangerodetes Land hell an's Licht der Sonne. Noch heisst die Gegend blos das„Wiesecker Thal«, vom Wieseckflüsschen, das es durchrinnt. Da erbauet Graf Wilhelm von Gleiberg(gegen Ende des 12ten Jahr- hunderts) diesseits der Lahn eine Burg zur Vorhut für die neuangelegten Dörfer und die Burg heisst fortan»zu den Giessen«. Seine Erbtochter Salome nennt sich(1197)»Gräfin von Giessen.“ Durch ihre Vermälung mit Hugo von Eberstein erbt ihre Tochter Mathilde die Herrschaft Giessen als einen Theil der Graſschaft Gleiberg, und Mathildens Sohn von dem 2*


