Ausgabe 
28.7.1850
 
Einzelbild herunterladen

lichen Verlegenheiten in dieser Weise

579

Bürgerglücks ihr Mandat zu ertheilen. Dann Männer! gedenken auch wir Euerer, wenn wir wie⸗ derum in unser Reich gelangen werden.

Ach, welch erquickendes Gefühl durchschauert uns bei dem süßen Gedanken, daß bei solchen Aus sichten unsere Ansichten bald zum Durchbruche kom⸗ men werden.

Tagesneuigkeiten.

* Oießen, 23. Juli. Ist es wahr, daß Staats⸗ rath, Kanzler und Professor v. Linde noch fortwährend 4000 fl. Pension aus dem Beutel der großherzoglich⸗ hessischen Unterhanen bezieht, während er bekannter⸗ maßen in Lichtenstein⸗Vaduz'sche Dienste getreten ist? Kann ein Beamter oder Pensionär in fremde Staats- dienste treten und dabei seine Besoldung fortbeziehen? Warum hat man Herrn Linde nicht längst Ordre ge⸗ schickt, seine Vorlesungen in Gießen wieder anzufangen? . Gießen, 26. Juli.[Eisenbahn.] Seitdem wir durch Eröffnung des Eisenbahnkurses zwischen Lollar und Marburg dieser letzteren Stadt um 3 Stunden näher gerückt sind, erhalten wir die Zeitungen, welche die Frankfurter Post bringt, um 14 Stunden später. Woher das? Gehen die Bahnzüge alle von Frankfurt ab, ehe die dortigen Zeitungen zur Post gegeben sind, oder gehen die Zeitungen erst nach Lollar oder Mar⸗ burg? Möglich, daß das Letztere geschieht, denn die hier ankommenden Postwagen und Omnibusse dürfen sich gar nicht aufhalten, sondern müssen gleich weiter. Ist das auch recht? Ist es nicht den Reisenden, welche 6 Stunden weit in einem Omnibus oder einem Postwagen geradbrecht worden sind, zu gönnen, daß sie sich hier in Gießen einen Augenblick ausschnaufen und erfrischen? Oder ist vielleicht in Lollar für das Nöthige gesorgt? Die Förderung der Reisenden von Lollar nach Gießen, ist dem Postmeister von Marburg gegen eine sehr hübsche Vergütung übertragen worden, da der hiesige Posthalter den Transport derselben nicht hatte übernehmen wollen. Nun aber hatten sich auch die hiesigen Hauderer erboten, die Eisenbahnreisenden zu fördern. Früher, als man in Bezug auf die Wei⸗ terbeförderung dieser Reisenden von hier nach Friedberg in Verlegenheit war, nahmen die betreffenden Behörden keinen Anstand, mit den hiesigen Hauderern in Accord zu treten, und jetzt übertragen sie die Förderung der Neisenden einem Kurhessen, der im Großherzogthume

Hessen keine Gewerbsteuer zahlt und zum Vau der hessen⸗

darmstädtischen Wege und Eifenbahnstrecken keinen Heller beigetragen hat. Ist das auch recht?(Wie wir hören, sind die betreffenden Unterhandlungen mit den Herrn Hauderern deßhalb abgebrochen worden, weil

die Forderungen derselben zu übertrieben waren. Jun diesem Falle, wäre ihnen schon recht geschehen. Es

ist gar gewöhnlich, aber doch Zar nicht edel, die öffent⸗ zum eignen Pri⸗ vatvortheil auszubeuten. D. Red.)

e Oberhessen, 26. Juli. Ihr geschätztes Blatt erwähnte schon mehrmals der großen Willkür, welche bei Pensionixungen geübt wird. Das erinnert uns an die große Härte, welche in der Versetzung nrißliebiger Beamten sich offenbart. Art. 16 des Edicts dom 12. April 1820 betr. die öffentlichen Dienstver⸗ hältnisse der Civil⸗Staats⸗Beamten besagt:Jeder Staatsbeamter kann aus Gründen der Verwaltung von Uns versetzt werden. Dieses Recht muß der Regie⸗

Allein was sind denn nun Gründe der Verwaltung? Wir denken so, nach diefen Gründen thut man auf die beschwerlicheren Stellen junge, kräf tige Männer und läßt die leichteren Posten durch ältere 5 Beamten beziehen, man besetzt überhaupt die Stellen stets so, daß für eine jede der brauchbarste Mann her⸗ ausgesucht wird.

rung verbleiben.

Das wären Gründe der Verwaltung. Allein es gibt noch eine andere Auslegung des Gesetzes. Wenn ein nach Oben mißliebiger Beamter in seinem Bezirke besonders geachtet und eiuflußreich ist, husch! wird er versetzt. So war der Assessor Gustav Lich teuberg in Starkenburg sehr beliebt. Er wagte es aber vorigen Herbst bei den Landtagswahlen als Gegenkan⸗ didat von Gagern aufzutreten, und auf einmal wurde er nach Homberg a. d. O. versetzt, in einen ihm völlig unbekannten Bezirk. ö

Das härteste Beispiel jedoch dieser Willkür bietet die Versetzung des Steuereinnehmers Ludwig Bern⸗ beck. Dieser Mann war seit vielen Jahren in dem Bezirke Rodheim bei Gießen angestellt und er gedachte hier seine Tage zu beschließen. Zwar gehörte seine Besoldung zu den geringeren, er schlug aber das hoch an, daß er eine wohleingerichtete Oekonomie betreiben und auf diese Art eine sorgenfreie Existenz sich ver⸗ schaffen konnte. Der Bezirk selbst war außerdem sehr angenehm, da nur 7 nahe gelegene Ortschaften dazu gehörten. Endlich war Bernbeck in jener Gegend all⸗ gemein beliebt, was schon daraus hervorgeht, daß er im Jahr 1848 in den Bezirksrath gewählt und 1849 ohne sein Zuthun viele Stimmen bei den Landtags- wahlen erhielt. Plötzlich erhält dieser Mann um Pfingsten d. J. ein Deeret, das ihm befiehlt, den Er⸗ hebungsbezirk Oberohmen zu übernehmen, mit der Ver⸗ pflichtung in Grünberg zu wohnen. Dieser Bezirk ist offenbar der beschwerlichste im ganzen Lande. Es ge⸗ hören dazu 19 Dörfer, von denen einige im Winter nur mit größter Mühe und selbst mit Lebensgefahr zu erreichen sind. Während andere Steuererheber in 23 Tagen mit den auswärtigen Geschäften fertig sein können, sind hier 1012 Tage darauf zu ver⸗ wenden. Dazu kommt der Umstand, daß Bernbeck in Grünberg ungleich größere Ausgaben hat, als in Rod⸗ heim, während sein Gehalt derselbe geblieben ist. Ge⸗ nug, Jedermann mußte sagen, ein härteres Verfahren könne gegen einen mißliebigen Mann nicht geübt werden. Bernbeck selbst, ein Mann von unbeugsamer Willens⸗ kraft, hat sich auch hier ehrenwerth benommen; er ist nach seiner neuen Stelle gegangen, ohne nur mit einem Wort um die Zurücknahme der wider ihn beschlossenen Maßregel zu bitten. In seinem neuen Bezirk wird er bald beliebt sein, da er einen großen Theil seiner Ju⸗ gend in der Gegend von Grünberg verlebt hat. Das Auftreten Bernbecks am Bezirksrath war jederzeit männlich, entschieden und consequent und mit Rücksicht darauf sind ihm bei den bevorstehenden Landtagswahlen im Bezirk Grünberg, viele Stimmen zugedacht, da der Aufangs in Aussicht genommene Candidat, Assessor Emmerich, durch wichtige Gründe verhindert ist, eine Wahl anzunehmen. 5

Nachrichten aus Schleswig⸗Bolstein. Rensburg, 25. Juli.[Telegraphsche D epe⸗

schen desFrkf. J. Gestern fand von Uhr Morgens bis 8 ¼ Uhr Abends ein Gefecht bei Lus⸗

busch und Hollibruck statt, das bei Gus beck endete.

Die Holsteiner verloren 150 Mann, worunter wenig