Erscheint fünfmal wöchentlich, wenn es nöthig ist mit Beilagen (Sonntag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mit Aus⸗ nahme der hohen Festtage).
Hessischer
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Nr. 142.
Zur Finanzfrage. 1
Wir haben kürzlich in Nr. 129— 131 unseres Blattes das Budjet unseres Staates einer kurzen Prüfung unterworfen, und die officiellen Angaben in der Hand, durch Zahlen gezeigt, daß unsere s. g. con⸗ stitutionelle Monarchie, wie sie bisher war, ein ziem⸗ lich kostspieliges Stück Möbel ist, und daß es dringend nothwendig ist, daß einmal ächt volksthümliche, nur von dem Interesse des Landes beseelte Ständekammern, die Finanzverhältnisse unseres Staates in die Hände nehmen, und im Geiste der Neuzeit umändern. Es freut uns hierbei bemerken zu können, daß selbst bis in die regierenden Regionen hinein, unsere gegebene Darlegung sehr überzeugend eingewirkt zu haben scheint, da die Darmstädter Zeitung vor einigen Tagen in einein ihrer Leitartikel das Gefkändniß ablegen mußte, daß unsere Zustände„unerquicklich seien, daß dure tüchtige Gesetze, durch„Vereinfachung des kostspieli⸗ gen Kriegswesens“ und„manches Andere“ ge⸗ holfen werden könne. Diese schmeichelhafte Aufmunte⸗ rung, welche unsere Ansichten in so hohen, und sonst nicht leicht zu überzeugenden Kreisen gefunden, muntert uns auf, nachdem wir die Civilliste und das Kriegs⸗ wesen besprochen haben, nun zu einem dritten Punkte, zu
den Civil- und Militärpensionen überzugehen.
Dieselben waren, wie wir in Nr. 129 sahen, vor dem März 1848 bis zu der enormen Höhe von 420,000 fl. jährlich angewachsen, welche entsetzliche Summe sich seit den letzten zwei Jahren noch um 55,000 fl. vermehrte, so daß jetzt unser kleines Länd⸗ chen von circa 850,000 Einwohnern, jährlich 475,000 fl.,
Erster Jahrgang.
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Gießen, Mittwoch den
ist daher g
Preis vierteljährlich mit Post⸗ aufschlag im Thurn⸗ und Taxis'schen Postbezirk 1 fl. 20 kr., in Gießen mit Bringerlohn 1 A e Einzelne Numern 22k. Anzeigen kosten die Drittelzeile 2 kr. Für ce e 25 Zeilen die Hälft
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er.
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1830.
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24. Juli
also circa 6 ½ pCt. der Staatseinkünfte für Ernährung der Pensionäre erschwingen muß, während für das Schul⸗ und Kirchenwesen in Allem nur 310,222 fl. verwendet werden, und die Unterhaltung des Heeres
0 mah er Einkünfte verschlingt. Es nachzusehen, ob diese so unbedingt noth⸗ e Antwort muß
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5 d schauderhafte Menge wendig ausgegeben wer entschieden verneinend Denn einmal brauche fast mit jedem Tage sich Ein großer Theil desselben ist
Verhältnissen, durchaus entbeh
wegfallen können, wenn man on dem beliebten starr bureaukratischen und Federfuchserregiment abstehen, da n in den
verschiedenen Verwaltungs- und fachen und mehr die Selbstregier führen wollte. So besteht, um anzuführen, in vielen Kantonen Bezirksgericht aus Männern, verf durch die Wahl ihrer Mitbürge berufen sind. Alle 14 Tag nachdem streitige Rechtsfälle e dieselben in dem Hauptort
sammen, wofür
zeigen verein⸗ Volkes ein⸗
u diesem Posten drei Wochen, je gelaufen sind, treten des Bezirkes zum Bezirks⸗ während der Gerichtstage Nechtsstreitigkeiten werden
Diäten beko
f Die durch diese Gerichte schnell und äußerst billig und von Männern abgehandelt, die das allgemeine Vertrauen
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ihrer Mitbürger besitzen, und zugleich so viel Lebens⸗ erfahrung und Volkskenntniß haben, daß fast immer zur Zufriedenheit beider Parteien der Spruch gefällt wird. Wir haben hierüber mit vielen Schweizern gesprochen, aber keinen gehört, der sich nach unseren bureaukratischen Gerichtsformen gesehnt hätte, wo die
Gießener Universitätsverhältnisse.
Schon mehrmals hat es die„Darmstädter“ und neuerdings wieder die„Deutsche Zeitung“ versucht, in Artikeln, die nur gar zu sehr ihre Verfasser verrathen, auf die Studenten der hiesigen Universität zu schmähen, und den unter ihnen herrschenden Geist im übelen Lichte darzustellen. Wir sind durchaus nicht Willens diesen Vorwurf von der Mehrzahl der hiesigen Studenten abzu⸗ wenden, halten es aber für eine unentschuldbare Oberflächlichkeit und Parteilichkeit so einseitig immer auf den Studenten zu schelten, während doch, wenn von dem jammervollen Geiste auf hiesiger Hochschule die Rede ist, Jeder, der ihre Verhältnisse kennt, diesen Vorwurf auf einen großen Theil der Professoren mitbeziehen muß. Der Verfasser jener Artikel gehört aber wahr⸗ scheinlich selbst zu jenen Widersachern der Studienfreiheit, die jetzt mit Recht leere Auditorien haben und sich zurücksehnen nach der, wenigstens für die Geldbeutel der Professoren, goldenen Zeit der Zwangscollegien und des Studienzwangs. Daher können wir von ihnen nicht verlangen, daß sie neben den Studenten
auch den Theil der Professoren, der es wirklich verdient, dem gebührenden Tadel unterwerfen, und überhaupt die Wurzel des Uebels suchen, wie wir es beabsichtigen.
Gehen wir zurück auf die vormärzlichen Zeiten, so finden wir die Universität in einem Zustande, wie man ihn haben mußte, um willenlose, feige Regierungsbedienten, geist⸗ und herz⸗ lose Bureaukraten, zu erziehen. Die Universität unter dem Scepter des berüchtigten Linde war eine vollkommene Verdum⸗ mungsanstalt. Ein, aller Wissenschaftlichkeit und allem freien geistigen Leben hohnsprechender Studienplan, eine vorgeschriebene Studienzeit, dabei ein wahrhaft terroristischer Collegienzwang de. mußte jede freie Geistesrichtung unterdrücken, und den Studen ten, wenn er sich nicht durch Opposition gegen dieses Knechtungs system bei den mit Linde harmonirenden Professoren mißliebig machen wollte, eben zu dem machen, was die Mehrzahl der Studenten war, zu Leuten, die mechanisch ihre dictirten Lectio⸗ nen machten und in Saufereien und nichtssagenden Corpsge schichten die Erholung suchten, die man ihnen auf ganz andere Weise hätten bieten müssen. Da kam die Märzrevolution, wo


