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unbedeutendste Sache oft Jahr und Tag hängen bleibt, und wenn endlich der Proceß beendet ist, beide Theile den Bettelstab ergreifen können. Schiedsgerichte, welche in der letzten Zeit an verschiedenen Orten
unsrer Provinz erstrebt wurden, würden, wenn man
auch unsere jetzige kostspielige Gerichtsorganisation bei⸗ behalten wollte, doch vortheilhaft einwirken, haben sich aber bis jetzt nicht sehr der Unterstützung unserer Herrn Bure aukraten zu erfreuen gehabt. Einen an⸗ derern, sehr naheliegenden Beweis für die Uebersetzung vieler Beamtenstellen bieten uns die verehrlichen Hof⸗ gerichtscollegien. In Gießen sind in demselben zwölf Räthe und zwei Direktoren angestellt. Bis Ende 1848 betrug der durchschnittliche Gehalt eines Rathes 1500 und der eines Direktors 2000 fl.,„unser Jaup“ be⸗ willigte aber, wie wir hören, eine Gehaltszulage von 200 fl. für die Räthe, und von 600 fl. für den einen Direktor, so daß jetzt die Räthe ungefähr 1700 und die Direktoren 2400 fl.(Direktor v. Helmold 2650 fl.) Gehalt beziehen. Dies macht eine jähr he Besoldungs⸗ ausgabe von 25,200 f„daß fü
diese starke Besoldung
auch sehr stark der Fall, sonde ine Art S
N 5 5 Ur rn Hofgerichtsräthen e. Dies ist aber nicht chtsstelle scheint mehr als el zu werden. Außer zwei
1(Georgi und Kraft) sollen, wird, die übrigen Räthe kaum unden des Tages beschäftigt adurch bestätigt werden dürfte, Herren einen großen Theil des Gerichtes und in ihrer Wohnung So hat z. B. der Eine durch treifereien in Flur und Wald sich Feldschützen“ erworben, der andere ger, der dritte ist immer im„Gar⸗
n dürfte hervorgehen, daß eine ollegs um die Hälfte, und eine rung von 12—13,000 fl. sehr r für den Dienst bewerkstelligt (Schluß folgt.)
Gießen, 22. Juli Nach dem„Fr. J.“ soll die Main⸗Weser⸗Bahnstrecke von Marburg nach Lollar bei Gießen, am 24. d. M. dem öffentlichen Verkehr de⸗ finitiv eröffnet werden. n
— Starkenburg, 22. Juli. Nach einer Cor⸗ respondenz der„Darmst. Ztg.“, hatten die Constitutio⸗ nellen gestern eine Versammlung in Auerbach, um ihre
Candidaten für die Bezirke Heppenheim, Zwingenberg und Bensheim aufzustellen. Advokat Reh, der Unver⸗ meidliche, war auch dabei. Für Bensheim wollte man den Häuptling der Gut⸗ und Blutmenschen, Heinrich v. Gagern, aufstellen, stand aber wieder davon ab, weil man fürchtete, der imposante Mann werde bei der Wahl keine seiner imposanten Persönlichkeit ent⸗ sprechende imposante Majorität davontragen. Man setzte also den Obereinnehmer Küchler aus Bensheim auf die Liste.„Zum Wahlbezirk Heppenheim überge⸗ gangen(so), erklärte der Steuereinnehmer S chneider, daß die Constitutionellen des Bezirks Heinrich v. Ga⸗ gern für die zweite Kammer in Aussicht hätten.“ An⸗ genommen! Herr Schneider scheint von Hrn. v. Gagern keine Herabsetzung der Steuern resp. der Prozente zu fürchten. Für Gernsheim wurde ein Kaufmann, Zöppritz, für Zwingenberg Landrichter Pistor in Darmstadt in Aussicht genommen. Werden diese Herren, wenn ein Antrag auf Aufhebung des allgemeinen Stimmrechts, nach welchem sie gewählt werden sollen, gestellt wird, gegen oder für einen solchen Antrag stimmen?
n Aus der Residenz, 17. Juli.[Alters- schwäche.] Alles strebt bei uns wieder in den ge⸗ lobten vormärzlichen Zustand zurückzukehren. So soll eine, dem Großherzog sehr nahe stehende Person, welche vor dem März bekanntlich von überwiegendem Einfluß war, sich geäußert haben:„Sie wolle die Zügel wieder in die Hand nehmen.“ Gleichzeitig damit ist in„wohl⸗ unterrichteten Kreisen“ die Meinung verbreitet, daß die jetzige provisorische Besetzung des Ministercollegiums, bald einer definitiven Ernennung„ganz entschie— dener“ Männer weichen werde.— Sogar in den kleinlichsten Förmlichkeiten sucht man die guten alten Gewohnheiten wieder auf. So wird, von unserer ge⸗ fallenen Größe, dem Exminister, und jetziger wirklicher Geheimerathsexcellenz und Vicepräsidenten des Ober⸗ consistoriums, Herrn Jaup, erzählt, daß er in kurzen Hosen mit Borden, weißen seidenen Strümpfen, Schnal⸗ lenschuhen und Chapeau⸗bas, kurz in vollständigem Ge⸗ heimerathswichs seine Abschiedsvisiten abgestattet habe, während er sich früher, selbst bei Conferenzen mit Serenissimo, nur eines simplen schwarzen Frack's be⸗ diente.—
X Homberg a. d. O., 16. Juli. Als Se. kgl. Hoheit neulich hier durchreistte, rief ihm ein Bursche ein:„Vivat Hecker!“ in den Wagen. Natürlich wurde sogleich eine hochnothpeinliche Untersuchung auf Majestätsbeleidigung in Aussicht genommen und die nöthige Einwilligungsanfrage an das Ministerium resp.
sogar viele jener Herren Professoren, welche ehemals zu ihrer und der ganzen Universität unauslöschlichen Schmach die berüchtigte Vertrauensadresse an Linde gegen Credner unterschrieben hatten, einen liberalen Anstrich bekamen, und sogar mit der Bürgergarde exereirteu. Allein mit Schrecken mußte man sehen, wie der von Linde ausgestreute Saamen bei den Studenten die herrlichsten Früchte trug. Fast unberührt, von dem Alles mit sich fortreißendem Geiste der Zeit, setzten sie ihr altes Leben fort, der gröste Theil blieb Zanz indifferent, ein anderer Theil, aus Furcht die Erblichkeit der väterlichen hohen Staatsämter möge verloren gehen, schloß sich der tollsten Reaction an. Als solche von jeder Weltbegeben⸗ heit unberührte Mumien aus der vormärzlichen Zeit stehen die Studenten noch da. Immer noch befangen in den geisttödten⸗ den Spielereien, rutschen sie nach 7—8 fast nutzlos ver⸗ geudeten Semestern mit Ach und Noth durch's Examen in's traurige Candidaten⸗ oder Accessistenstellleben hinüber. Denn was die Leute hier am meisten beschäftigt hat, ist Biertrinken, in den Auditorien gähnen, oder ohne Sinn und Verstand und
Wort für Wort die ausgekramte Weisheit langweiliger Docen⸗ ten nachschreiben. Und für diese Schlampamperei werden all⸗ jährlich viele Hunderttausende ausgegeben.. Fragen wir nun aber nach dem Grund dieser traurigen Er⸗ scheinung, die, wie man denken sollte, mit Verschwinden des Studienzwanges, mit Verschwinden der Bevormundung durch Pedellen und Pedellen ähnliche Professoren, hätte aufhören müs⸗ sen, so können wir die Schuld gewiß nicht auf die Studenten allein schieben, sondern müssen dieses Uebel ganz wo anders suchen. Sehen wir ganz ab vom Mangel aller außerhalb der Universität stehenden Bildungsmittel, vom Mangel an Theater und Concerten, Gesellschaften; sehen wir ferner ab von jener hier herrschenden ekelhaften Kleinstädterei, welche immer sehr nachtheilich wirkt, vom steifen gezwungenen Ton, der den Stu⸗ denten, wenn er nicht im unbequemen Frack erscheint, aus den
Familien verbannt und auf die Wirthshäuser verweist, so sind es vor allen Dingen die Vorbereitungsschulen für die Univer⸗
sität, die Gymnasien, welche uns mit allen ihren Mängeln und Uebelständen in die Augen fallen. Derselbe Einfluß, der


