Erscheint fünfmal wöchentlich, wenn es nöthig ist mit Beilagen (Sountag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, mit Aus- nahme der hohen Festtage).
Hessischer
Erster Jahrgang.
Preis viertelsährlich mit Post⸗ aufschlag im Thurn⸗ und Taxis'schen Postbezirk 1 fl. 20 kr., in Gießen mit Bringerlohn 1 fl. 20 kr.— Einzelne Numern 2 kr.
Anzeigen kosten die Drittelzeile 2 kr. Für Abonnenten bis 25 Zeilen die Hälfte.
Zuschauer.
Nr. 234.
* Gießen, 28. Nov. Soeben geht uns die Nach⸗ richt zu, daß der wackere Pfarrer Kredel zu Wilsbach mit andern Freunden des Volks, die das Unglück hatten, Beamte zu sein, gleiches Schicksal theilt. Er soll nämlich von seiner Stelle mit 100 fl. Sustentations⸗ gehalt entlassen sein. Kredel gehörte bekanntlich zu den Steuerverweigerern des letzten aufgelösten Land⸗ tages.
1 Gießen, 28. Nov. Zur Vervollständigung un⸗ serer gestrigen Mittheilung über Hrn. C. Schild und Dr. Bork können wir unsern Lesern mittheilen, daß beide gestern Abend spät noch verhaftet worden sind.
Alsfeld, 27. Nov. Am heutigen Tage ging nach⸗
stehende Addresse an Seine Königliche Hoheit den Groß⸗ herzog, von 250 Alsfelder Bürgern unterzeichnet, ab.
Alsfeld, am 25. Nov. 1850.
Allerdurchlauchtigster Großherzog!
Alergnädigster Fürst und Herr!
Oeffentliche Blätter melden, daß die großh. hess. Truppen nach den Befehlen des Bundestages sich mit solchen Armeekorps vereinigen sollen, welche dem preußischen Heere feindlich gegenüber stehen. Diese Nachricht hat unter den Bewohnern der Provinz Ober⸗ hessen die tiefste Betrübniß und eine allgemeine Be⸗ stürzung hervorgerufen, weil sie für unmöglich hielten, daß das Großherzogthum jemals wieder zum Bundes⸗ tag zurückkehren werde.—
Ew. Königliche Hoheit erließen bei Höchstihrer Thronbesteigung das Edict vom 6. März 1848.
Die darin enthaltenen Verheißungen wurden von dem Volke freudig begrüßt und jene Proclamation drang bis in die kleinste Hütte des einsamsten Gebirgsdorfes. Dieses Edict ist der neue Rechtsboden geworden, auf den gegründet, die Entwickelung des hessischen Staates fortan erfolgen soll. Das Volk hat erwartet, daß jene fürstlichen Zusagen vollständig erfüllt werden würden und diese Zuversicht hielt bisher einen jeden Ausbruch.
der Aufregung darnieder. Das Edict vom 6. März
erklärt vor dem hessischen und dem deutschen Volke, die Bundesverfassung habe die gerechten Erwartungen und Ansprüche Deutschlands nicht erfüllt und dies Wort wurde zum Blitzstrahl, der die Macht des Bun⸗ destages in ihren Grundfesten erschütterte. Kann nun aber Hessen vor dem Richterstuhl der Geschichte, vor Mit⸗ und Nachwelt es verantworten, daß seine Söhne streiten und bluten sollen für die Wiederherstellung eines Instituts, das von dem gerechten Zorne der Völker und ihrer Fürsten im Jahre 1848 zertrümmert
Gießen, Freitag den 29. November
1850.
worden ist? Ew. Königliche Hoheit haben, in Ueber⸗ einstimmung mit dem ganzen Volke, wiederholt es aus⸗ gesprochen, daß Hessen dem preußischen Staate befreundet sein und bleiben müsse. Und es liegen keine Gründe vor, warum die Söhne unsres hessischen Vaterlandes gegen ihre bisherigen Kampf⸗ und Waffengenossen das Schwert ziehen müßten.
Wir denken auch an die Folgen, die unsere Pro⸗ vinz treffen würden, wenn preußische Heere dieselbe als Feindesland betrachten müßten. Die Bewohner unserer Provinz vermögen nur durch anhaltenden Fleiß und die größte Sparsamkeit sich ihre Existenz zu sichern. Von allen Seiten ist Oberhessen von preußischen Trup⸗ pen umgeben, und wenige Tage würden hinreichen, auch die entlegensten Theile desselben zu besetzen. Wir haben seit vielen Jahren die durchziehenden preußischen Krieger als Gäste und Freunde bereitwillig aufgenom⸗ men, und mit zuvorkommender Liebe um so mehr be⸗ handelt, als ihr musterhaftes Benehmen ihnen die allgemeinste Achtung sichern mußte.
Sollten aber diese Truppen als Feinde zu uns kommen, dann würde der ohnedies so sehr verkümmerte Wohlstand Oberhessens gänzlich untergehen und ein großer Theil seiner Bewohner der Verzweiflung preis⸗ gegeben werden.
Wir richten daher an Ew. Königliche Hoheit die unterthänigste Bitte:
„Allerhöchstdieselben möchten nicht zugeben, daß die „hessischen Krieger für die Wiederherstellung des „Bunbestags kämpfen und namentlich nicht gestatten, „daß die Söhne des hessischen Vaterlandes gegen „ihre preußischen Waffenbrüder das Schwert ziehen.“
Alsfeld, am 15. November 1850.
(W. a. d. S.)
Co Schlitz, 26. Nov. Bei der gestern und heute dahier stattgefundenen Wahl der Wahlmänner hat die Volkspartei entschieden gesiegt und wurden gewählt in der dritten Abtheilung die fünf von derselben aufge⸗ stellten Candidaten, in der zweiten vier der unsrigen gegen einen der Gegner, während in der ersten drei der von uns Bestimmten und zwei ebenso volksthüm⸗ lich gesinnte Bürger der Stadt aus der Urne hervor⸗ gingen.— Ehestens Näheres über die Wahlen des Landes, auf welches die unmittelbare Berührung mit dem unter der Last der einquartierten Bundestruppen seufzenden Bruderstamme jedenfalls einen ungünstigen Einflluß üben wird.
n Homberg a. d. Ohm, 26. Nov. Auch bei uns wendet die Regierung Alles an, um bei den be⸗


