den Großherzog gestellt. Wir hören zu unserem Ver⸗ guügen, daß dem pflichteifrigen Landgericht von Homberg hierauf die Weisung zugekommen ist, diese Geschichte auf sich beruhen zu lassen. 5
Aus dem Großherzogthum Hessen, 19. Juli. [Reorganisation der Verwaltungsbehörden.] Personen, welche gut unterrichtet sein können, behaupten, daß die Reorganisation der höheren Verwaltungsbe⸗ hörden noch keineswegs geschlossen sei, sondern daß der Neactivirung der Ministerialräthe Bechtold und Brei⸗ denbach in kurzem das Ausscheiden der Ministerial⸗ räthe Maurer, Emmerling und Wernher folgen werde. Es würden damit ganz eigentlich die Freunde Gagerns aus dem Ministerio scheiden, und vielleicht wenigstens die Richtung klar angedeutet sein, in welcher man nicht weiter vorgehen wolle.(M. T.)
Frankfurt, 22. Juli. Hier verbreitet sich so eben das Gerücht, der(demokratische) Bürgermeister Rühl von Hanau, weiland Mitglied der Nationalver⸗ sammlung, sei in Arolsen in Folge eines Sturzes vom Pferde gestorben. 5 Bas
Karlsruhe, 20. Juli. Ihre königlichen Hoheiten von Hessen⸗Darmstadt und Hessen⸗Cassel scheinen neuer⸗ dings wieder stark in Politik zu machen. Nachdem Ersterer vor einigen Tagen wieder einmal hier gewesen, traf auch der Letztere gestern hier ein, und reiste daun, nachdem er den Abend„im Kreise der. großh. Familie“ zugebracht, heute nach Baden-Baden. Die„Deutsche Ztg.“ macht hierzu die malitiöse Bemerkung:„Also in der Nähe und zur Hand.“
München, 20. Juli. Die bayrische Kammer hat sich heute in ihrer letzten Sitzung für Schleswig⸗ Holstein von ihren Sitzen erhoben,„um das Gewicht der Volkserhebung in die Wagschaale der Ehrenent⸗ scheidung Deutschlands zu legen.“ Wieder einmal ein Aufstand, also! Schon seit länger als 6 Jahren ma⸗ növeriren die deutschen Kammern in dieser Weise mit dem Allerwerthesten zu Gunsten Schleswig⸗Holsteins, und wenn es damit zu thun wäre, wäre nicht nur der meerumschlungene Bruderstamm längst vom Dänenjoch befreit, sondern die Freiheit und Einheit wäre läugst fir und fertig. Diese Aufstände von den Sitzen werden nachgerade sehr unappetittlich.
Verlin, 20. Juli. Wem der Ekel vor der deutschen Wirthschaft noch nicht bis zum Hals gestiegen ist, kann sie jetzt noch satt kriegen zum——. Preußen hat den Frieden mit Dänemark gemacht und ratificirt. Diese Schlechtigkeit benutzen nun drei andere saubere „Mächte der Erbärmlichkeit“(Oesterreich, Bayern und Würtemberg) zur Ausführung anderer Schlechtigkeiten.
die sonst gute Sache der Herzogth scheint eintreten zu wollen. A
vor dem März 1848 die Universitäten verdummte, hatte sich natürlich und zunächst auch in ihnen geltend gemacht, und diese„Pflanzstätten des Wahren, Guten und Schönen“ zu An⸗ stalten degradirt, wo die jungen Leute in jeder Beziehung sitt⸗ lich ruinirt wurden und dabei gar nichts lernten. Bei theilweise total unfähigen Lehrern, einem ganz miserablen zopfmäßigen Lehrplan, bei gänzlichem Mangel an aller geistigen Anregung, konnten von diesen Anstalten keine gebildeten Leute kommen, und zudem mußte der schnelle Wechsel soldatischer Disciplin mit der geademischen Zuchtlosigkeit, die man aus guten Gründen nicht nur nicht verhinderte sondern zu vergrößern suchte, vor⸗ treffliche Früchte tragen. Auch die Gymnasien sind trotz dem Sturze des alten System's dieselben geblieben, haben sich sogar noch verschlechtert, und es soll uns wundern, ob man demuächst nicht invalid gewordene Corporäle zu Directoren und Lehrern anstellen wird. Gar nicht gebildeter, sondern im Gegentheil noch uncultivirter, sind diejenigen, welche von Realschulen und selbst von der gepriesenen polptechnischen Schule zu Darmstadt kommen. (Fortsetz. folgt.)
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Sie erklären sich nicht für berechtigt, den Frieden zir ratificiren, weil dieses Recht nur dem deutschen Bun⸗ desplenum zustehe, welches demnach sofort einberufen werden müsse. Hannover gibt Preußen eine Antwort, aus der kein Mensch klug werden kann. Sachsen will vermitteln, es will das Plenum nur für diesen einen Fall berufen. Unter dieser Zeit werden die armen Schleswig⸗Holsteiner der Perfidie ihrer Feinde und den Intriqen des Auslandes preisgegeben. Den Verkauf eines„Bruderstammes“ in dieser Weise auszubenten! O, es ist zum toll werden.
Stettin, 17. Juli. Nach gestern hier eingetrof⸗ fenen Dampfschiffnachrichten aus Petersburg, ist eine zweite Abtheilung der russischen Ostseeflotte, mit 10,000 Mann Landungstruppen an Bord, im Absegeln begriffen.
Nachrichten aus Schleswig⸗Holstein.
Was wir längst geahnt, was uns bewog, vor dem unbedingten und frühzeitigen Enthusiasmus für
ümer, zu warnen, 355 ahrscheinlichkeit on Jahre lang ssoren, Doktri⸗ von Anfang
nach wird Schleswig Holstein, das zum Spielzeug von Diplomaten, Pre närs und Zungendreschern diente, seiner Erhebung an bis jetzt, von Nich und Heuchelei umgarnt war, auch jetzt, im letzten und entscheidenden Momente, aber diesmal nicht von der fremden, sondern von seiner eigenen Diplomatie schmählich verrathen werden. Anstatt rasches, entschie⸗ denes Handeln, nichts als Zögern, Nachgeben und halbe Maßregeln, wodurch nur Gut und Blut unnütz vergeudet wird, ohne daß das Geringste bezweckt wird. Einen deutlichen Beweis hierfür liefert der(schon er⸗ wähnte) zweite Armeebericht General Willisen's, in dem, mit einer in den Annalen der Militärgeschichte fast unerhörten Naivität gesagt wird:„dürften nur militärische Rücksichten über das entscheiden, was zu⸗ nächst zu thun ist, so wäre nichts vortheilhafter, als die Bewegung schnell bis Bau fortzusetzen, und so dem Feinde seinen wahrscheinlichen stra⸗ tegischen Aufmarsch zu stören. Es scheint aber angemessen(2111) diesen großen militäri⸗ schen Vortheil zu opfern, und die Aufrichtigkeit der Gesinnung, welche eine friedliche Lösung stets ge⸗ wollt und noch will, auf das Uuwiderleglichste darzu⸗ legen.“ Während die Dänen an allen günstigen Punkten Position fassen, die holstein'schen Schiffe capern, und eine russische Flotte mit 10,000 Mann Lan⸗ dungstruppen zur Unterstützung der Dänen herbei eilt,„opfert“ der deutsche(7 General, diesen großen militärischen. Vortheil“, um einem Feinde, der auf das Klarste und Deutlichste gezeigt hat, daß er nur die Entscheidung durch das Schwert wolle,„die Aufrichtigkeit der Gesinnung, die friedliche Lösung stets gewollt, auf das Unwiderleglichste darzulegen.“ Ob entsetzliche Dummheit oder schmähliger Ver⸗ rath hier im Spiele ist, wird die Folge lehren. Für Letzteres spricht eine Stelle der ministeriellen„Deutsch. Reform“ in Berlin, welche ohne Scheu sagt: Willisen habe mit den Operationen eingehalten, weil—„die Statthalterschaft des Enthusiasmus, der Demokraten sich nicht zu erwehren weiß.“ Freilich Enthusiasmus, Begeisterung, wahre Hingebung für eine Sache können diese Gothaer Diplomaten nicht brauchen zu dem schmälichen Werke, das sie mit dem edlen Volke der Herzogthümer vorhaben.—
ils Verrath.


