Ausgabe 
28.7.1850
 
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Ales verloren, wäre ein Mann ein Wort. Er ist ein Fürst unter uns Gothaern, denn auch er ver⸗ spricht und hält es nicht. O in Hessen blüht noch Treue und! Sittlichkeit, und so lange noch, Ihr Lan ger! Reh lebt, so lange ist uicht nur Langen, sondern auch Polen noch verloren. Ja, Theodor ist der Größte unter den keinen Deutschen, und der Kleinste unter den deutschen Größen; er ist ein Ad⸗ vokat der alten Schule, der nur der Anwalt seines eigenen Ich's ist, und der neben seinem Ich, außer den König von Preußen, der octroyirten Union, Gagern und wenn es nicht anders möglich dem auferstan⸗ denen Bundestag ꝛc. nichts Anderes anerkennt. Er ist ein Weltmann, der allen Verhältnissen Rechnung trägt und den Mantel nach allen Winden dreht. Nicht wahr, Ihr Lang'ner, solch eine Wetterfahne thut noth in unserer nächsten Ständekammer und sei's auch nur der Unterhaltung wegen? Ihr wißt, was Ihr an Eurem Reh habt, er ist auf allen Sätteln zugeritten, und macht sich aus keinem Unglück nicht viel. Ja, ja Theodor hat ein dickes Fell, er kann viel vertra⸗ gen doch Ihr lang'ner müßt noch handfester sein, denn ihn als Abgeordneten zu ertragen, geht fast unter alle menschliche Kraft. Doch Heil Starken⸗ burg, Heil Langen was sonstwo nicht möglich wäre Euch war es. f gc!

Und nun, Ihr unbekannten Männer, wie nennt sich der Bezirk, der Euch in seinen Grenzen duldet, Ihr Männer, die Ihr Kastar-Gagerns Pollux, den uusterblichen Niersteiner wählen wollt? O dreimal glücklich der Erdwinkel, der vom blassen Mondesstrahl matt beschienen, Eures Daseins Spuren trägt.Die höhere menschli che Geschichte wird mit Flammen⸗ schrift in Erz. und Stein Euere Namen eingraben. Ihr gleichet den königlichen Adlern, die in dem Purpur der Alpgletscher ihrer Augen Götter⸗Strahlen weiden, und zu ihrem Piestal den säuselnden Zephyr sich aus⸗ erwählen.(Homerisches Gelächter.) Ihr wollet un⸗

sern Wernherr, den urdeutschen Jüngling, küren,

dessen erfinderifcher Geist aus dem jetzt hohlen Kopfe feines Gagerns wie Minerva aus dem Haupte Ju⸗ piters voll erhabenem Pathos in reichstelegraphischer Bewewegung ich in Nierstein niedergelassen hat. Ja, ohne Kreuzestod kein Christenthum, ohne Gagern kein Wernherr, ohne Monsheim kein Nierstein und ohne Friedberg kein Abgeordneter Hofmann.. 5 5 a Ha! Friedberg, du⸗ stilles, idyllisches, Usa⸗ um⸗ schlängeltes Plätzchen, du traute Heimath der gesin⸗

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nungstüchtigen Wohlgesinnten, du lieblicher Bazar germanischer Reichszöpfe, du holdes Utopien spießbür⸗ gerlicherlichen Stolzes und kindischen Cantönli⸗Geistes! Was wäre Hofmann ohne dich, was würde er ohne dich sein! Wohl nur ein gewissenhafter, humaner Richter, ein treugeliebter Familienvater, der in stillem häus⸗ lichen Kreise beim braunen Methglase und beim Rauchringlein entsteigen lassenden Meerschaumkopf ruhig seinen Kohl pflanzte. Denn erst Friedberg und wir schleuderten ihn hinaus auf das sturmbewegte Meer politischer Meinungen und Parteien, erst Fried⸗ berg und wir zogen solch ein in politischer Beziehung verkanntes Genie aus seiner tuscullarischen Ruhe und christlich⸗germanischen Gemüthlichkeit. Und auch jetzt wollt Ihr Männer von den Gestaden der Usa das größte Licht Eueres Städtchens leuchten lassen, auch jetzt wollt Ihr ihn entsenden gen Darmstadt, damit er den Honig seiner Lippen in begeisternden Reden von der zum Kampf bereiten Tribüne fließen läßt. O habt Dank, Ihr Männer, die Ihr den einzigen Posten in Oberhessen für unsere edle Sache besetzt haltet. Ihr gleichet den treuen Zionswächtern an der heiligen Bun⸗ deslade. Seid wach, damit die Demokraten nicht aus Mulhwillen Euer schaukelndes Kähuchen umstürzen, wo⸗ rauf dann Deutschland auch ohne Friedberg kleindeutsch werden muß. O wir vermissen schon manch patrioti sches deutsches Teltow, wo Ochsen, Menschen und Esel an gleicher Krippe ihr Futter verzehren, aber Friedberg, so lange es noch von solch trauten Genossen unferes herben Glaubens bevölkert ist, ja Friedberg möchten wir um keinen Preis der Hölle außerhalb unseres kleinen deutschen Vaterländchens wissen. Wahrlich, wir könnten nicht ohne Friedberg sein, wie der edle Demokrit nicht ohne sein Abdera leben konnte. Wer sollte, wenn Ihr es nicht wäret, die deutsche Reichssturmfahne tragen, wer sollte, wenn Ihr es nicht wäret, dem wilden Ur auf dem grünen Teppich der Natur den Kampf anzubieten wagen? Seid darum

klug wie die Tauben und ohne Falsch wie die Schlangen,

verheimlicht Euren Feldzugsplan und lasset erst in der zwölften Stunde Euren schweigsamen Hofmann als Wahlcandidaten das Licht der Welt erblicken.

Ha! wie werden die nahen Ortschaften Eurer klugen Führung vertrauen, wie werden sie sich mit den Herrn Beamten, den Herrn Offizieren, den Herrn Geistlichen, den Herrn Taubstummenlehrern, den Be amtenwirthen, den Beamtenmiethsleuten, den Beamten⸗ handwerkern, den Beamtendienern und sonstigem Anhänsel verbinden, um einem Mann der R uhe und des stillen

und der Trost der Universität, sie machen Gießen in Bezug auf die Naturwissenschaften immer noch zur ersten Universität Deutsch⸗ lands. Aber wecht geschähe es diesen Jüngern schoͤn, wenn ihr Meister noch einmal von den Muckern als Hexenmeister öffentlich verbrannt würde. Denn was thun sie, dem hereinbrechenden Köhlerglauben zu stenern? Wann ist es ihnen eingefallen, dem armen Volk, das im Finstern wandelt, etwas mitzutheilen von den wissenschaftlichen Schätzen, die sie im geheimnißvollen Schoß der Natur entdeckt haben? Wahrhaftig, diese jungen Herren Chemiker, Geologen, Technologen u. s. w., scheinen, wie die Engländer, zu glauben, die Naturwissenschaften seien nur für die Fabrikanten, Gutsbesitzer und Professoren da, um Geld zu machen. Ihrem ⸗Altmeister Liebig selbst scheint während seines häufigen Aufenthalts unter den steifstolzen, stockköpfigen, muckerischen Geldmachern. Altenglands der rechte Begriff von dem erhabenen Beruf seiner Wissenschaft abhanden gekommen zu sein,, denn sonst würde er ein socialer Demokrat sein, wovon wir bis jetzt nichts verspürt haben.

Um zu einem Schluß zu kommen: Es fehlt unseren Pro⸗ fessoren weniger an Gelehhrsamkeit und Kenntnissen, als an

Charakter. Wem's an Chaeakter fehlt, der ist langweilig, denn ihm mangelt der Muth der Begeisterung. Die Langweile aber wirkt ansteckend. Ein Professor, der nicht mit der Zeit und dem Volke lebt, der statt des lebendigen Wortes der Zeit und der Wahrheit, die langweiligen Doctrinen einer veralteten Wissenschaft vorträgt, wird sich an langweiligen Zuhörergesichtern langweilen müssen. Wo soll der wissenschaftliche Sinn, wo soll die Anregung herkommen, wenn es die Studenten den Profes⸗

soren anhören, daß sie nur um des Geldes Willen lesen. Daß

Männer von Geist und Charakter, die den Muth einer red⸗ lichen Ueberzengung haben, anregend auf die Studenten wirken können, beweisen die gefüllten Hörsäle des Professors Hillebrand. Die Geschichte der Nationalliteratur ist ein Lehrzweig, in welchem

die Studenten nicht examinirt werden. Dennoch werden diese Vorlesungen besucht! Woher kommt das? O, die Herren Pro⸗

fessoren, welche mit derDeutschen und Darmstädter Zeitung correspondiren, sollten sich an der eignen Nase zupfen, ehe sie sich über die abgestumpften. Gesichter der Studenten mokiren.