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doppelt hat, und daß die einfältigen Stadt- und Dorf⸗
alle fortwährend nur da vorkommen, wo konserva⸗ Bürgermeister das Scepter führen, kümmert diese wenig. Die demokratischen Bürgermeister sollen eden Preis fatal gemacht werden,— der Hund, man an ihn will, muß Leder gefressen haben. Ein Beispiel, wie man den demokratischen Bürger⸗ er entspielen möchte, liefert unser wackerer Bür⸗ eister Kraus. Sie haben die Artikel in der mstädter Zeitung gelesen, die über Kraus und seine eblichen Verbrechen bei der neulichen Durchreise Hroßherzogs von Baden, erschienen sind. Um Ihre in den Stand zu setzen, die ganze Jämmerlichkeit ceactionären Intriken gegen Kraus zu durchschauen, werde ich mir erlauben, Ihnen demnächst eine wahr⸗ heitsgetreue Beschreibung der gegen Kraus mit mehr oder weniger Geschick ausgeführten Manöver mit⸗ zutheilen. 2700 27 Aus der Wetterau. Es ist äußerst charakteristisch für unsre sog. Constitutionellen, mit welcher Theil⸗ nahmlosigkeit allenthalben von ihnen der Abtritt des Ministers Jaup hingenommen wurde. Es ist diesem Manne endlich geworden, was wir immer vorausgesagt haben und was er längst verdient hatte. Wer, wie Jaup, seine ganze Vergangenheit in so crasser Weise Lügen gestraft hat, wer nun die Gunst der Machthaber zu erwerben und ein Portefeuille festzuhalten, die Rechte des Volkes in dieser Art preis gibt, der verdient nichts rs, als daß ihn die, denen er gedient hat, ver⸗ ich bei Seite werfen, sobald sie ihn entbehren en. Wie das Ministerium Eberhard, ging er zu ide durch den Anschluß an die Union; er hat den für seinen dadurch begangenen Verfassungsbruch det, und zwar in der demüthigensten Weise, denn glauben kaum, daß sich irgend eine Stimme zur heidigung oder Anerkennung des gefallenen Mini⸗ erheben wird. Hr. Jaup wird jetzt Gelegenheit a, den„gutgesinnten“ Theil des Volkes, den er amer hinter sich stehen zu haben vorgab, zu wür⸗ z er wird finden, daß er niemals eine Partei im für sich gehabt hatte, denn die Partei, welche ihn seither beadressirte und als den constitutionellen Messias prieß, wird dieselbe ekelhafte, speichelleckende Unterthä⸗ nigkeit dem neuen, und jedem andern Ministerium er⸗ weisen. Hr. Jaup hätte aus eigener Erfahrung und während seiner Märtyrerjahre die hessische Bureaukratie besser kennen lernen müssen, als daß er von ihr Ge⸗ sinnung, Anhänglichkeit oder Dankbarkeit erwarten konnte, er hätte sich, statt in ihr, seinen Stützpunkt wo an⸗ ders suchen sollen. Die Demokratie hat dem Minister Jaup gegenüber niemcees geheuchelt, sie hat ihn jederzeit offen bekämpft und ihr ist sein Abgang auch vollkommen gleichgültig, da sie weiß, daß ein anderes Ministerium der Reaktion, vielleicht offener, aber gewiß nicht eifriger dienen kann. Sie hat keine Schadenfreude, sondern stens Mitleid mit einem Manne, der, obgleich er agt, aufgelöst, verordnet, ortroyirt, die Verfassung etzt, die freisinnigen Männer des Landes gemaß⸗ elt, abgesetzt und eingekerkert hat,— trotz alledem alledem,— von seiner eigenen„Partei“ verlassen von Niemand bedauert,— zum Dank, als abgenützt altersschwach bei Seite geworfen wird.— Aus der Wetterau.[Gleichheit vor dem setz.] Von den Soldaten, die neulich das Haus Wirthes Schmidt mit Steinen bombardirten, den nacher Reitz mißhandelten und überhaupt die gröbsten
Excesse begingen, wurde kein einziger in Verhaft ge⸗ nommen, während von den Ilbenstädter Bürgern, die wegen dem ganz unbedeutenden Auflauf vor dem Haus des Pfarrers in Ilbenstadt am 14. Mai, arretirt wurden, jetzt,„nach sieben Wochen“, noch immer einige
im Untersuchungsarrest sich befinden.
Aus dem Wahlbezirk Friedberg. Obwohl unsre Regierung die Neuwahl zur Ständekammer in die Zeit der stärksten Feldarbeit ju verlegen verstanden hat, so sind wir doch überzeugt, daß unsre wackern demokrati⸗ schen Landleute dadurch nicht im mindesten sich abhalten lassen, daß sie vielmehr in uoch stärkerer Masse, als das vorigemal ihre Stimmen abgeben, und daß unser Deputirter diesmal mit einer glänzenden Majorität aus der Wahlurne hervorgehen wird. Hillebrand hat durch sein Auftreten in der Kammer auch einen großen Theil derjenigen für sich gewonnen, die das vorigemal aus Verblendung oder persönlichen Rücksichten gegen die Demokraten gestimmt haben; es hat überhaupt in den wenigen dunklen Orten unsers Wahlbezirks seitdem getagt, ja sogar in Friedberg selbst, diesem Ursitz der politischen Indifferenz und des Spießbürgerthums, wird sich aller Ansicht nach das Stimmverhältniß ganz anders gestalten, als bei der letzten Wahl.“ Die sogenannte constitutionelle Partei gibt in ihrem würdigen Organ, der„Feierabendszeitung“, auch bereits ihre Niederlage zu, und verhöhnt sogar ihren vorigen Candidaten, den Pfarrer Thudichum, indem sie ironisch meint, es würde sich wohl Jemand finden, der auch eine dritte Nieder⸗ lage nicht scheute. Von der Gewißheit der Niederlage der reaktionären Partei ausgehend, will dieses saubere Blättchen gar nicht gewählt haben; es soll jedoch ein Theil der Friedberger Constitutionellen andrer Ansicht sein und einen Candidaten aufstellen wollen, wen? ist noch unbekannt, schwerlich aber den Thudigum, denn dieser soll sich bei verschiedenen Gelegenheiten gegen die Union ansgesprochen haben.(Es wäre zwar die Gesinnungstüchtigkeit unsrer Unisten entsprechend, wenn sie nach dem Wechsel unsers Ministeriums ebenfalls großdeutsch würden.) Die Wahl Holzmanns in die erste Kammer ist ebenfalls als ganz gesichert zu be⸗ trachten, und so wird unser Bezirk, wie das vorigemal auch in der bevorstehenden Kammer durch würdige, der Sache des Volkes treu ergebene Männer, vertreten sein.
a Darmstadt, 1. Juli. Was von der bekannten Gesinnungs⸗ und Charakterlosigkeit unserer Hru. Con⸗ stitutionellen, der„wahren Demokraten“, wie sie sich neuerdings nennen, seitdem sie als„beste Männer“ allen Credit verloren haben, zu erwarten stand, ist ge⸗ schehen. Eine vorgestern abgehaltene Versammlung, hat, in Berücksichtigung der Verhältnisse, daß ihr jetziger Herr und Meister schwarzgelb ist, schon den ersten Schritt gethan, um mit Anstand in das andere Lager übergehen zu können. Sie erklärte:„daß, obgleich die Verwirklichung des wünschenswerthen deutschen Bun⸗ desstaates in die Ferne gerückt sei,(wie zart!) doch fortgesetzt die Idee der Einheit für Deutschland zur Verwirklichung angestrebt werden müsse.“— Man sieht, von„Union“, von„Anschluß an den preußi⸗ schen Vundesstaat, in dem allein das Heil des engeren und weiteren Vaterlandes erblickt werden kann“ ꝛc., ist schon nicht mehr die Rede, der deutsche(preusifthe) Bundesstaat ist schon„in die Ferne gerückt“, er kann nur noch in der Idee„angestrebt“ werden. Nächstens wird er dem patriotischen Auge unserer„wahren De⸗
mokraten“ vollständig entschwinden.


