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Herr Fabrikbesitzer Ludwig Meyer, Mainz:

Für jeden einsichtigen Wirtschaftler kann es nicht zweifelhaft sein, daß die hohe Blüte unserer Wirtschaft und deren großes Ansehen in der ganzen Welt nur dadurch erreicht wurden, daß Wissenschaft und Praxis innig zusammen⸗ arbeiteten. Daraus ergibt sich die bedeutende Volle, die unsere Aniversitäten und Hochschulen beim Wiederaufbau des

Zerstörten zu spielen berufen sind.

Sie versorgen nicht nur die Industrie mit glänzend ausgebildeten Mitarbeitern, sondern

wir verdanken auch dem rastlosen Forschen der Hochschullehrer die wissenschaftliche Befruchtung, die die Voraussetzung

dazu ist, uns in der Welt wieder durchzusetzen.

Für uns Hessen ist es daher Pflicht der Selbsterhaltung, daß wir alles in unserer Macht liegende tun, zur Förderung unserer Landesuniversität, der Professoren und deren Studenten.

Hessische Volkskunde.

Von Hugo Hepding.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Volkskunde zu einer selbständigen Disziplin innerhalb der Universitas literarum entwickelt und sich immer klarer gegenüber den nächstverwandten Wissenschaften

einwanderndes Kulturgut unterworfen wird, z. B. das Zersingen von Kunstliedern zu Volksliedern, das Eindeutschen fremder Er

zählungsstoffe im Volksmärchen und ⸗schwank, das Amgestalten und Erstarren städtischer Mode zur

abgegrenzt. Die Ethnologie und

Völkerpsychologie erforschen( das Geistesleben der geschichts losen Naturvölker, bei denen das Individuum noch ganz in der Masse aufgeht, deren Leben durch⸗ aus Gemeinschaftsleben ist und deren Denken viel mehr asso⸗ ziativ⸗mythologisch als logisch ist. Philologie und Geschichts wissenschaft dagegen haben es zu tun mit den Kulturvölkern in ihrer geschichtlichen Entwicklung, in der die großen schöpferischen Persönlichkeiten den entscheiden⸗ den Einfluß bei jeglichem Fort⸗ schreiten haben, mit den Erzeug⸗ nissen des reflektierenden Ver⸗ standes, mit den Leistungen der Dichter und Denker, der Künst⸗ ler, Forscher, Staatsmänner. Dazwischen steht die Volks-

kunde, die wie die Ethnologie nicht der Individualseele, sondern der Kollektiv-Psyche, derVolks seele, wie Herder zuerst gesagt

Volkstracht, die Amstilisierung fremder Kunstformen zu volks⸗ tümlicher Ornamentik.

Alle Volksgenossen sind im volkskundlichen Sinn gewissermaßen Zersetzungsprodukte: nur der Grad, in dem ihr Geistesleben der primitiven Gemeinschaftskultur auf der einen, dem Individualismus auf der anderen Seite nähersteht, ist bei dem Einzelmenschen ver⸗ schieden, und in derselben Weise gilt dies für die einzelnen Lebens⸗ alter, Stände und Bevölkerungs⸗ schichten. Beim Kinde überwiegt noch das assoziative Denken, das Leben und Treiben der Kinder steht den primitiven Lebensformen sehr nahe und nimmt daher mit Recht einen großen Raum in der volkskundlichen Forschung ein. Ansere bäuerliche Bevölkerung in ihrem konservativen Festhalten an dem von den Vätern Leberkom⸗ menen und in der starken sozialen

hat, sich widmet, aber nicht bei 5 den primitiven, sondern bei den Kulturvölkern.

Volk be⸗ deutet hier die große Anterschicht der Bevölkerung, deren Denk⸗ weise noch überwiegend assoziativ ist und primitiver Gemeinschafts⸗ kultur um so näher steht, je weniger sie noch von der modernen indi⸗

vidualistischen Bildung zersetzt ist. Volksglaube, Volksdichtung, Sitte und Brauch, Volkskunst sind so die Hauptgebiete der volks⸗ kundlichen Forschung. Besonders reizvoll ist dabei die Antersuchung des eigenartigen Assimilisationsprozesses, dem aus der Bildungs⸗ schicht in das Volk eindringendes oder aus fremden Kulturkreisen

Gebundenheit ihres ganzen Lebens, die der bewußten schöpferischen Betätigung individueller Eigenart engste Grenzen zieht, ist es vor allem, bei der die Volkskunde das kollektive Geistesleben in seinen Aeußerungen am besten be⸗ obachten kann.Auf hohen Bergen, in geschlossenen Tälern lebt noch am reinsten ein unveralteter Sinn, in den engen Dörfern, dahin wenig Wege führen, und keine Straßen, wo keine falsche Aufklärung eingegangen oder ihr Werk ausgerichtet hat, da ruht noch an vaterländischer Gewohnheit, Sage und Gläubig⸗ keit ein Schatz im Verborgenen(J. Grimm). Die Schätze dieser