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Der Staatspräsident und Minister des Aeußern Herr Alrich: Die Gießener Hochschulgesellschaft ist ein Produkt ihrer Zeit und damit ihre Gründung für die Landes⸗Aniversität
als Notwendigkeit festgestellt.
Ich kann nur wünschen, daß es ihrer Hilfe gelingen möge, das Interesse aller Freunde und
Förderer der Landes⸗Aniversität Gießen derart zu wecken und zu erhalten, daß sie den steigenden Ansprüchen der Wissen⸗
schaft gerecht werde und vollauf genügen kann.
Die Aufgabe der Hochschulgesellschaft.
Von O. Behaghel.
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Im Jahre 1918 haben sich
0 e Männer des tätigen Lebens
f ad Laa und Lehrer der Gießener Ani⸗
J., versität zusammengefunden und 5— die Gießener Hochschulgesell⸗ schaft(„Gesellschaft von Freunden und Förderern der Aniversität Gießen“) begründet. Vertreter des Staates und der Stadt, wie Mitglieder des Landtages haben der Gründungsversammlung bei⸗ gewohnt und ihrem lebhaften Anteil an der neuen Gründung Aus⸗ druck verliehen; der Großherzog hat sie lebhaft begrüßt. Der Gedanke, solche Gesellschaften zur Förderung der Aniversitäten zu schaffen, ist an sich nicht neu. Insbesondere hat die akademische Gesellschaft in Basel in vorbildlicher Weise seit vielen Jahr⸗ zehnten sehr geholfen, die dortige Aniversität zu stützen und aus⸗ zugestalten; ganze Aniversitätsinstitute sind mit ihren Mitteln gebaut worden.
Ansere Gießener Gesellschaft ist wie die Schwestergesellschaften etwa in Darmstadt, Bonn, Tübingen aus der Not der Zeit geboren, aus der Notwendigkeit, der Aniversität zu Hilfe zu kommen, ihrem Lehrbetrieb, ihrer gelehrten Forschung, der Weitergabe dieser Forschung an die Offentlichkeit. Denn gar vieles hat der Krieg gewandelt. Bei aller Hilfsbereitschaft, die volle Anerkennung verdient, ist heute der Staat in seinen Mitteln aufs Außerste be⸗ schränkt. Mancher Gelehrte hat früher aus eigenem Vermögen,
aus beträchtlichen Einnahmen an Vorlesungsgebühren, an Schrift⸗
steller⸗Vergütungen Summen für die eigene Arbeit, für die Arbeit in seinem Institut zur Verfügung stellen können, er hat vielleicht sogar Zeitschriften auf eigene Kosten gehalten, die unentbehrliches Handwerkszeug des Instituts selber waren: von allem dem kann heute keine Nede mehr sein. Der Verlag ist spröde geworden in der Annahme wissenschaftlicher Werke, soweit sie nicht Handbücher sind; viele Zeitschriften sind eingegangen, die gebliebenen auf Jahre hinaus mit Stoff versehen. And in manchen Fällen hat die Hilfe des Staates überhaupt von jeher versagen müssen, nämlich dann,
wenn es sich um plötzlich auftretende Bedürfnisse handelte, etwa
um den Erwerb einer wertvollen Bibliothek, die nach dem Tode des Besitzers auf den Markt gekommen war, um einen Schüttel⸗ apparat für bakteriologische Antersuchungen, um ein Saitengalvano⸗
meter für Herzforschung. In derartigen Fällen war die Hochschul— gesellschaft die Stelle, an die man sich vertrauensvoll mit der Vitte
um Hilfe wandte, die berufen war, einzugreifen, und auch vielfach eingreifen konnte. Sie hat wertvolle Bibliotheken angekauft und Aniversitätsinstituten zugeeignet, den Instituten Apparate be⸗ schaffen helfen, Seminare unterstützt, z. B. dem englischen und romanischen Seminar Mittel für die Beschaffung ausländischei Literatur zur Verfügung gestellt, sie hat zugunsten des geologischen Instituts die Ausgrabungen in wichtigen vorgeschichtlichen Fund stätten des Lumdatales gefördert, sie hat Druckunterstützungen gegeben, in eigenen Veröffentlichungen bedeutsame Abhandlungen veröffentlicht, steht den Vorbereitungen eines wichtigen archäologi— schen Werkes hilfreich zur Seite, ja sie hat eine eigene Professur, die A für Bank⸗ und Börsenwesen, ins Leben gerufen.
Diese letztere Leistung ist besonders bedeutsam; sie legt Zeugnis davon ab, daß unsere Gesellschaft von vornherein nicht bloß auf die Anterstützung der bedrängten Aniversität, der in Bedrängnis geratenen Wissenschaft eingestellt ist. Wir legen das größte Gewicht darauf, die Beziehungen zum tätigen Leben, die ja immer schon bestanden haben, zu vertiefen und weiter auszugestalten. Hervor⸗ ragende Männer der Industrie gehören unserem Vorstande an und geben wertvolle Anregungen. Wir haben uns eine Zeitlang mit dem Gedanken getragen, in Gießen, das ja von Bergbau und Bergbauindustrie umrahmt ist, dem bergbaulichen Anterricht eine Stätte zu bereiten; die Mittel unserer Gesellschaft waren jedoch einer so weitgreifenden Aufgabe nicht gewachsen. Welche Be⸗ deutung den verschiedenen Zweigen der an der Aniversität gepflegten Wissenschaften für das Leben unserer Volksgenossen ganz unmittelbar zukommt, werden die Vertreter dieser Fächer im einzelnen darlegen. Für mein eigenes Fach sei nur auf eine kleine Besonderheit hin⸗ gewiesen, auf den Anterricht im schriftlichen und mündlichen Gebrauch der deutschen Sprache: der Vortrag macht des Redners Glück, dies Wort, es gilt von jedem, der durch Sprechen oder Schreiben wirken will.
Wir haben uns aber noch eine dritte Aufgabe gestellt. Was der Gelehrte in harter Arbeit erschürft und ergründet, es darf nicht allein den Mitforschern zugänglich bleiben; es muß umgesetzt werden in klingende Münze, die auch der Allgemeinheit Werte zuführt. Der Hunger nach geistiger Nahrung ist nie größer gewesen als heute. Zu seiner Befriedigung haben wir beitragen wollen durch die Ver⸗ anstaltung von Vorträgen und Vortragsreihen; wir haben drei Jahre nacheinander in Mainz eine Hochschulwoche abgehalten;


