89
mit) dem Erübrigten manchem Nothleidenden wohlgethan zu haben.— Welch süßes Be⸗ wußtseyn ist für sie das Bewußtseyn, sich wech⸗ selsweise durch innige Anhänglichkeit, hinge⸗ bende Liebe und Treue die verflossene Lebenszeit verschönt, die zurückgelegte Bahn mit seligen Freuden geschmückt zu haben. Wie werden ihre Wonnegefühle gesteigert, überzeugt sie der Hin⸗ blick auf ihr bisheriges Wirken, daß ihre Wirk⸗ samkeit nicht vergebens gewesen, sondern durch dieselbe mancher segensreiche Erfolg herbeige— führt worden sei.— Ihre Hände falten sich zu stillem Dankgebete, ihre Blicke wenden sich ge⸗ rührt nach Oben, von wo allein der Segen kommt, das Gedeihen wird, und einmüthig ge⸗ loben sie, auch fernerhin der Wahrheit treu zu bleiben, auszuharren in redlichem Streben, auch unter Noth und Tod rastlos für Menschenwohl zu wirken, bis der Vater sie zur stillen Ruhe aus dem lärmenden Getümmel des Erdenlebens abruft, auf ihr Erwachen aus dem Todesschlum⸗ mer eine schöne Zukunft folgen zu lassen. Haben sie dieser ersten Pflicht, der Pflicht des Dankes gegen den Allgütigen, Genüge geleistet, dann verschlingen sich zu enger Verkettung ihre Arme; — fernerhin bis in den Tod einander in Liebe und Freundschaft zu leben, sich gegenseitig des Lebens Lasten tragen zu helfen; auf's Innigste verbunden zu der Verherrlichung ihres Schöpfers auf Erden beizutragen, durch ihre anspruchlose Frömmigkeit und Tugend Vielen ein Beispiel zu werden;— dieß sind die Gelöbnisse, welche sie einander wechselseitig ablegen;— daß sie in freudige Thatkraft übergehen, Heil und Se⸗ gen über ihre Mitmenschen verbreiten mögen, die Glück⸗ und Segenswünsche, welche ihren reinen Herzen entströmen.—
Feierlich klingen die von der sorgsamen Haus⸗ mutter mit erquickendem Tranke gefüllten Glä⸗
wandten nah und fern wird bei ihrem Klange gedacht; ihrem, aller Edelen Wohle sind sie geweiht;— da hebt die Thurmuhr aus; der ernste Glockenschlag verkündet: das Zeitenrad sei abgelaufen, ein Lebensjahr dahingeschwun⸗ den; Freudenstimmen werden laut„den neuen Zeitenlauf begrüßend, und Alt und Jung um⸗ armt sich, fleht Heil und Segen auf seine Lieben, Heil und Segen auf die Verschwisterten herab.
Von der Gestalt des Erdkoͤrpers.
Stehen wir auf der Oberfläche des Erdkör⸗ pers an einem Orte, welcher uns eine nach allen Richtungen hin freie, durch keine hervor— ragenden Gegenstände gehinderte Aussicht ge— währt, so stellt sich derselbe unserer Sinnenan⸗ schauung dar als eine platte, kreisförmige Scheibe, auf welcher die bläuliche Wölbung des Himmels, wie eine gleichmäßig ausgehöhlte Kugel ruht.— Bei dieser auf bloße Sinnen⸗ anschauung gegründeten Ansicht von der Gestalt des Erdkörpers blieben sehr viele Forscher des Alterthums stehen, ja einige verbanden mit solcher noch gar wundersame Vorstellungen. So dachten sich die Chaldäer die Erde als einen fla— chen, ausgehöhlten schwimmenden Kahn, und auch unter den griechischen Weltweisen hingen einige, z. B, Demokrit von Abdera, dieser An— sicht an. In dem Zeitalter Homers, jenes aus⸗ gezeichneten Sängers der Griechen, ungefähr 1000 Jahre v. Chr. Geb., betrachteten diesel—⸗ ben die Erde als einen vom Strome Okeanos umflossenen flachen Länderkreis, in welchen aus dem Okeanos am westlichen Ende das Mittel—⸗ meer, am östlichen der Phasis einströmten. Zwischen diesen beiden einander entgegengesetz ten Einströmungen dachten sie sich eine die Erd⸗ scheibe in zwei Hälften, in die südliche und
ser; der lieben Hausgenossen„der theuren Ver⸗
nördliche Hälfte theilende Linie. Ueber die süd—


