Ausgabe 
21.3.1852
 
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Und häßliche Mißgunst. Denn neben den künstlichen Reden der Fürsten

Lauschet ihr freundlich

Den einfachen,

Worten des simpelen Hirten; Der austreibt die Heerde All' seiner Wünsch

Vom Gipfel des Berges Um weiden zu gehn auf Den fetten Triften eurer Anmuth. Gar trefflich weiß er zu hüten Aber ich denke ihr selber, Ihr werdet euch hüten. Und tadelt auch einer

Euer Benehmen,

Findet nicht lieblich,

Daß ihr so frei seid

Laßt euch, ihr herrlichen, Solches nicht grämen,

Denn auf den Bergen Wohnt ja die Freiheit.

Ich erlaube mir, ein kunstliebendes Publi kum aufmerksam zu machen, daß ich am 1. Apr. mit dem Vorlesen meines Heldengedichtsdie Holsteiniade beginnen werde Aus galanten Rücksichten für das schönere Geschlecht möchte ich schwachnervigen Damen over solchen die ein zar⸗ tes Interesse für mich hegen, den Besuch der Vorlesungen nicht anrathen da ich mir schmeichle das Kampfgetöse so plastisch und meine eignen Schicksale und Gefahren so ergreifend und trau rig dargestellt zu haben, daß ich einerseits für Nervenzuckungen und anderseits für zu starke Er⸗ regung des Mitleids fürchte, welches dann leicht zum Verräther der heiligsten Gefühle werden könnte.

Orpheus.

Gatt ll! wenn doch nur so'n Chemiker uff merr verlielt wär. Mei Memme hatt emal dem Glick gehabt, awer ich derf mache, waß ich will, alles vor bachinum. Ich gucke nu dem ganze Dag mit's freindlichsten Gesicht, mit die verlieb teste Auge, unn äs will keiner anbeisse. Iwer mei Herz wohl e dicke Wand, awer darum isses auch viel wärmer als den Abenländer ihrsch. Korz ich gaih noch kapores, ich glawe ich hebb den Auszehrung üwer mer. Schmajes, wenn das de Edde wißt!!!

Der eine: Ach Herr Jesses, Sie chemischer Zigeuner Sie, schämen Sie sich denn gar nitt,

mit so dinne Beinercher vor alle Leit erumie⸗ danze? Unn das bische Epoulette auf de Achsel!

Der Andere:Sie haben eben auch keinen Geschmack. Starke Beine sind das Attribut der untern Schichten; durch was sollten wir uns denn vor diesen auszeichnen? Sieht man so nicht viel feiner und ästhetischer aus? Zudem ists so Mode in Gießen. 5

Alle: Ja freilich, wann Sie die Aesthetik an den Beinen suchen!

Sonntag den 21. März wird in hies. Gast⸗ hause zum Zweihorn von einigen Komödianten und Komödiantinnen das Lustspiel:

Benediet: Einer muß heirathen, aufgeführt werden. Wir können das Stück dem Publikum empfehlen und versprechen unsern Le⸗ sern nach den Feiertagen eine getreue Schilde rung des Spieles zu liefern.

D er Zigeunerbub im Westen.

Fern im Ost das kühle Böhmen, Böhmen ist mein Heimathland,

Wo die bärtigen Zigönen

Lauschen hinter Feisenwand.

Wo die bittern Hopfen grünen,

Wo der Hanf so duftig lacht,

Und man Barchent trägt und Linnen Und man Wasserstiefel macht.

Lang zigeuner' ich mit Lorgnette

Auf und ab vor ihrem Haus;

Ach wenn sie nur einmal hätte

Hold geblickt au mich heraus!

Doch sie will mich, scheint's nicht haben, Nicht mit mir zum Vater geh'n Ach, mich a men, bärt'sen Knaben Will sie nimmermehr versteh'n!!

Und so hab' ich ohne Lohnen Mich vom Farbeutopf entfernt, Meine chem'schen Reactionen Hab' ich all' umsonst verlernt. Mein, mein westlich Herz es regt sich Laut mahnt mich mein Arbeitssinn, Meine Seel, fühl ich, bewegt sich Wieder nach dem Farbtopf hin.

Des Gewissens mahnend Schlagen Länger halt ichs nicht zurück: Will ja jeder Lieb entfagen Laßt mir nur des Färbers Glück. Fort nach Osten, fort nach Böhmen! Ja o Land wo Tuch und Len'n; Nur im Lande der Zigönen Will ich einst begraben sein!

Condolenz Visitten

wegen meines Durchfalls nehme ich bis zum 20. März noch täglich an. g a 5 Leorhart.

Verantwortlicher Redakteur: C. Schild.

Druck und Verlag von C. Schild.

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