Ausgabe 
21.3.1852
 
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31 Der heil'gen Musika Leiden.

Darauf zog Mozart auch in andere deutsche Städt' une Länder und sah, wir dort die Musik betrieben wurde. Als die Göttin ihn auf dem Rückwe, sah, verief sie schuell ei⸗

schlagen hatte, so wurde ich bestürmt, doch auch eiwas zu spielen.Ich will, da mir schon so hohe Genüsse sind geboten worden, das schönste bringen, was ich habe eine Phantasie von Dal⸗ berg. Herrlich, riefs in der Gesellschaft. Ich setzte mich zum Flügel, alle waren entzückt, schie⸗ nen es wenigstens zu sein, und machten mir und der Dahlbergschen Phantasie die größten Lobes erhebungen. Es wurde mir auch erzahlt, daß man recht gern, zur Hebung der Genüsse, auch mehre Professoren, wenn ich nicht irre Eisen, Lichel und den Hrn. Ziegen würde eingeladen haben, wenn nicht diese Leute au alier, langweiliger Musik Gefallen fänden, die man doch gar nicht mehr hören könne; sie hätten auch an mir und dem, was ich vorgetragen, den Kunstwerth neuer Mu⸗ sik wiederholt schätzen lernen. Mit Staunen reimte ich mir zusammen, daß jene Nubtgelade⸗ nen dieselben waren, rie ich bei meiner ersten Wandrung durch Gießen als Oasen in der Wüste hatte betrachten müssen, und die Wüste erschien mir nun noch viel öder, dürrer, unerträglicher; die Pfützen schlammiger, der Himmel trüber. Ich dankte Gott, als ich die Thürschlenke erfas⸗ sen konnte, mich zu empfehlen.Als Dank!, so so sprach ich, für die Genüsse, die ich Ihren mu⸗ sikalischen Bestrebungen danke, sey Ihnen zum Schlusse nur noch die Eröffnung gemacht, daß das Musikstück, das ich Ihnen vorspielte, doch eigentlich nicht von Dalberg, sondern von dem ukindischen Mozart war. Ich ging, mit dem traurigen Bewußtsein, daß ich hier in Gies⸗ sen nicht lange aushalten würde. Ich hatte schon oft die Erfahrung gemacht, daß man den Zustand einer Stadt gut beurtheilen könne nach der Mu⸗ sik, die in ihr getrieben werde. Ich fand dies in Gießen bestätigt. Wehe, wehe, wo der Sinn für das Edle, Einfache, Natürliche geschwunden ist und der Sinnlichkeit, Frivolität und Unnatur Platz machen müssen! Wehe der Stadt, wo die einfache, himmlische Kunst nicht ein lieber Gast ist, sondern die höllische Kunst die Seelen ver⸗ derbt hat! Siadt bedenke das Ende!

Schon seit längerer Zeit lagen diese Zeilen unter meinen Papieren. Da schickte mir ohn längst mein Freund aus Gießen eine Nummer desLaternemännche, worinder heiligen Mu⸗ stka Leiden zu scildern begonnen waren. Gleich gedachte ich meiner Gießener Erlebnisse und will nun diese Zeilen unverändert dem Laternemännche zusenden, denn dies scheint mir der Wahrheit und Offenheit ein Wort zu gönnen.

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Der Mann hat Recht.

Werften us! W Laterne che.

nen Rath. V.

Mie die Räthe zusammenkamen.

Derweil nun so auf Erden Der Mozart inspieirt, Zur Großrathsitzung werden Im Himmel invitirt Der Musika Herren Aus alt und neuer Zeit Zur Königin. der hohen, Da nah'n im Feierkleid Die Räth und Senatoren, Homer selbst fehlte nicht, Die Beistand, Assessoren Beim Lied- und Ton- Gericht. Anakreon erscheinet Mit Kränzen bunt eschmückt. Der gute Alte mainet, Es würde gefrühstückt. Der Orpheus, Cherubini, Der Haydn und Beetho⸗ Ven, Weber, auch Rossini, Caecilia, Sappho. Wer kann sie alle zählen, Die Meister im Gesang, Nit Einer thät da fehlen, Es gab ein groß Gedrang. Die Herren Sekretäre, Die saßen in der Mitt'. Gluck selber, große Ehre, Ein Hundert Federn schnitt. Zehn ehrbare Cantoren Der Ordnung war'n bedacht,. 1 Zehn standen an den Thoren a* 0 Als wachre Ehrenwacht, N 8 Als Alles war bereitet,. 85 Die Göttin selbst erscheint In tiefes Schwarz gekleidet, Sie spricht:der Schmerz thut heut, Zu sehr mich affizir'n. David, komm mir zur Seite, Du sollst heut' präsidirn! Wie der erhebt die Schelle Erscheint im Reisek. eid Der Mozart au, der Schwelle David ihm's Wort verleih't.

VI.

Was der Mozart vor dem hohen Rath ge⸗

sprochen hat.

Du hehre Göttin, weise Räth und Schöffen, a David, gestrenger und gerechter Richter! 5 Ich Kläger, Mozart, selbst ein Richter sonst, Ich klage an der Majestälsve letzung,

Des Aufruhrs und der Sittenlosigkeit,

Grober Beleid'gung dieses hohen Ra' hes,

Wie frecher Schändung dieses Heiligthums, Das Volk, dem eben jetzt mein Fuß entrann O Harmonie, gigantische Macht der Töue, Was hat mein Ohr gehört, mein Aug geseh'n! Wie Bänkelsänger, losgelass'ne Bären,

Wie Kälber blöckend, krächzend wie die Raben, Wie abgestochne Schweine kläglich schreiend. In Seiten wühlend, wie im Forst der Keiler, Auf Pfeifen blasend, daß wie ein Tornado

Es um mich brauste, trillernd und rulirend, Auf Pauken rasend, Cymbele, Becken schlagend Mit Feuerschlünden krachend, so wird drunten Die hein ge Kunst dem Volke produeirt. Süßlich Geleier in den Soireen,

In den Concerten Hottentottenklänge, Selbsimörderische Kunst⸗ und Solo Stücke,