Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
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Tannen, Eichen, Buchen, Haſſeln ꝛc. bewachſen iſt. Ebenſo zieht ſich nach Nord⸗ Weſten zu neben dem Bächlein ein kleiner Wieſengrund, der jedoch häufig durch Gehölz unterbrochen und ſumpfig iſt, daher kaum einen Ertrag gewährt.

Das Klima iſt, da alle Windrichtungen über die Hochebene ſtreichen können, im Früh⸗ und Spätjahr kühl, im Winter kalt und im Sommer, wo gewöhnlich ein ſanfter Luftzug weht, ein ſehr angenehmes.

Die Fruchtbarkeit der Ländereien iſt hiernach im allgemeinen als eine mittlere zu bezeichnen. Da aber in der Gemeinde viel Futter gebaut und hierdurch viel Dung producirt wird, ſo daß alle Felder reichlich gedüngt werden können, ſo iſt der Boden⸗ unterſchied für den zufällig kommenden Fremden nicht auffällig und es muß ein Fremder ſchon längere Zeit in der Gemeinde anſäſſig ſein, wenn er bei dem Ankauf von Grundſtücken den richtigen Werth dafür bezahlt.

b. Es gibt in der Gemarkung von Ober⸗Hilbersheim nur ein eigentliches Cultur⸗ land, das Ackerland, da von dem Ertrage des kleinen Wäldchens und der verſumpften wenigen Wieſen keine Rede ſein kann. Gartenland wird nur ſo viel cultivirt, als für den eignen häuslichen Bedarf nöthig iſt. Wir haben es alſo in Ober⸗Hilbersheim mit einer rein ackerbautreibenden Bevölkerung zu thun.

Weinbau wird wohl getrieben, die Weinberge liegen jedoch außer der eignen Gemarkung.

c. Die hauptſächlichſten Bodenproducte der Landwirthſchaft ſind Kleeheu, Getreide und etwas Wein.

Vom Getreide wird in erſter Linie Roggen, Gerſte, Hafer und Weizen gebaut.

Der Obſtbau iſt ein geringer zu nennen und könnte beſſer betrieben werden. Normale Erträge finden nur in geſchützten Lagen ſtatt, während die Straßenbäume und die Bäume auf den Höhen nur ſelten einen Ertrag liefern, nur in außergewöhnlich reichen Obſtjahren. Da beſſere Sorten nicht gedeihen, ſo muß faſt nur ſaures Obſt gepflanzt werden, welches keinen großen Werth hat und auch wegen zu weiter Ent⸗ fernung von der Eiſenbahn durch die hohen Transportkoſten im Preiſe zurückgehalten wird.

Der Ertrag aus den thieriſchen Producten dürfte auch beſſer ſein. Die Milch wird verbuttert und von Aufkäufern nach Mainz, Bingen, Wiesbaden ꝛc. verbracht. Die Sauermilch wird ausgepreßt und zu Handkäſe verarbeitet, oder die gepreßte Milch wird von Aufkäufern zur Käſefabrikation nach Mainz verbracht.

Viele Sauermilch wird zur Fütterung und Mäſtung der Schweine verwendet.

Von dem Rindvieh wird viel gemäſtet und an die Metzger verkauft.

Häufig findet auch der Tauſch zwiſchen Geltvieh und tragbaren Rindern, oder friſchmelkendem Vieh ſtatt.

Die Viehzucht muß man immer noch als eine mangelhafte bezeichnen, da man alle Viehraſſen in der Gemeinde antreffen kann.