Bericht
über die
landwirthſchaftlichen Verhältniſſe
Gemeinde Nieder⸗Ohmen, Kreis Alsfeld,
erſtattet von
F. Gros in Gießen.
Allgemeines.
Nieder⸗Ohmen liegt an der von Gießen nach Fulda führenden Strecke der Oberheſſiſchen Eiſenbahnen, 32 Kilometer von Gießen, 28 Kilometer von Alsfeld entfernt. Der Bahnhof liegt 256,75 Meter über dem Spiegel der Nordſee; die das Dorf umgebenden Felder liegen jedoch 10— 20 Meter höher, da erſteres in dem Thal der Ohm liegt. Die Höhen über dem Feld ſind mit Wald bewachſen. Letzterer iſt größtentheils fiscaliſch, nur etwa 300 Morgen 60jähriger Kiefernwald gehört der Gemeinde. Der Wald liefert nach Abzug der Culturkoſten nur einen ſehr geringen Reinertrag.
Die Gemeinde Nieder⸗Ohmen zählt zur Zeit 1130 Einwohner in 208 Häuſern
und 225 Haushaltungen. Die weit überwiegende Mehrzahl der Bewohner iſt evan⸗
geliſch, neben wenigen Katholiken wohnen dort noch 72 Juden.
Von den Einwohnern gehen ſehr viele nach Paris um Arbeit zu ſuchen und halten ſich gegenwärtig dort etwa 75 Bewohner Nieder⸗Ohmens auf. Der Zug nach Paris war vor dem Krieg von 1870/71 noch weit bedeutender als heute und wurden
bei Ausbruch des Kriegs 170 Bewohner Nieder⸗Ohmens von dort ausgewieſen. Man kann nicht ſagen, daß das„auf Arbeit gehen“ nach Paris der Heimathgemeinde zum Segen gereiche, da die„Parisgänger“ ihre Befähigung und guten Willen zu land⸗ wirthſchaftlichen Arbeiten verlieren und ſehr oft auch in ihrem Alter der Heimath⸗ gemeinde zur Laſt fallen.
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