Teil eines Werkes 
Band 2, Erster Theil (1886)
Entstehung
Seite
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ausgeſprochene Anſicht, daß die kleineren Güter fortgeſetzt der Zahl nach zunehmen und zwar auf Koſten der größeren.

Wenn auch die Betriebscapitalien im Allgemeinen für die richtige Bewirth⸗ ſchaftung der Güter zu niedrig ſind, ſo entſprechen ſie doch bei den gegenwärtigen Ver⸗ hältniſſen dem Bedarf und iſt dies ja auch aus den Anlagen erſichtlich.

II. Natural⸗Rechnung, beſtehend aus den Nachweiſen über Natural⸗Ertrag und Natural⸗Bedarf nebſt Schlußfolgerungen.

Das hervorragendſte Reſultat der Natural⸗Rechnungen der betreffenden drei Güter dürfte wohl darin beſtehen, daß die Viehzucht derjenige Wirthſchaftszweig iſt, welcher den Gutsbetrieb in Rodheim z. Z. unrentabel macht. So widerſprechend dieſe Thatſache mit den herrſchenden Anſichten ſteht, ſo wird ſie doch in Rodheim in faſt allen Wirthſchaften beſtätigt. Es berechnet ſich nämlich der Selbſtkoſtenpreis des Stallmiſtes pro Centner auf 70 bis 80 Pf. in den betreffenden drei Wirth⸗ ſchaften. Da man den Stallmiſt, ſelbſt unter Berückſichtigung ſeiner verbeſſernden Wirkung auf die phyſikaliſchen Eigenſchaften des Bodens, doch höchſtens auf 45 bis 50 Pf. pro Centner veranſchlagen kann, ſo kommt derſelbe den Landwirthen um ca. 50 pCt. zu theuer zu ſtehen. Könnten dieſelben unter den jetzigen Verhältniſſen ihre Viehhaltung ganz oder theilweiſe aufgeben, die in den Viehſtand verfütterten Producte verkaufen und Stalldünger zukaufen oder denſelben durch andere Dünge⸗ mittel erſetzen, ſo müßte ſich die Rentabilität der dortigen Güter weſentlich erhöhen. Der Grund für dieſe ſchlechte Rentabilität der Viehzucht liegt einestheils darin, daß die geringe Wieſen⸗ und Feldheu⸗Production, neben einer ſtarken Fütterung von Stroh, Kartoffeln und Rüben, eine ſtarke Kraftfutterzugabe nöthig macht, daß eine ſolche Fütterung aber theuer iſt; anderntheils, daß die erzielten Producte: Jungvieh und Milch, nicht genügend hoch verwerthet werden. Hauptſächlich die geringe Ver⸗ werthung der Milch zu nur 7 bis 8 Pf. pro Liter trägt die Hauptſchuld. So lange daher die erzielten Producte nicht beſſer verwerthet werden können, dürfte es für die Rodheimer Landwirthe rathſam erſcheinen, die Viehzucht möglichſt einzuſchränken, die Fütterung mit dem ſelbſt producirten Wieſen⸗ und Feldheu zu verſuchen und Kartoffeln eventuell auch Stroh zu verkaufen, wofür dann theilweiſe künſtliche Dünge⸗ mittel anzukaufen wären.

Was den Natural⸗Bedarf der Familien anbetrifft, ſo geht aus den Berechnungen hervor, daß die Familie des größeren Gutes am beſten, des kleineren Gutes am ſchlechteſten lebt. Es koſtet die Ernährung im größeren Gute pro Tag und erwachſene Perſon 57 Pf., im mittleren 48 Pf. und im kleineren 41 Pf. Es dürfte dies in ſo fern den thatſächlichen Verhältniſſen entſprechen, als im Allgemeinen die Ernährung in größeren Wirthſchaften eine beſſere iſt wie in kleineren. Für die zwei kleineren Güter kann die Ernährung als eine noch genügende, für das größere Gut als eine faſt reichliche bezeichnet werden.

III. Geld⸗Rechnungen, beſtehend aus den Nachweiſen über Geldeinnahme und Ausgabe.