Die Wieſen, die vielfach zu Wäſſerwieſen angelegt werden könnten, entbehren gleichfalls jeder Pflege und Düngung. Das zufließende Waſſer hat keinen Abfluß, verſumpft die Wieſen und bringt ſo mehr Schaden wie Nutzen, da kein Beſitzer wegen der Kleinheit ſeiner Parcellen ſich für verpflichtet hält für deſſen Abfluß zu ſorgen.
Ein erfreulicheres Bild bietet die Viehhaltung in Rodheim. Es entfallen auf ca. 2 Hectar 1 Stück Großvieh zu 1000 Pfund Lebendgewicht(alle Thiergattungen hierauf reducirt). Die ſtarke Pferdehaltung, die eine Folge der Parcellirung und der weiten Ausdehnung der Gemarkung iſt, würde beſſer in den Wirthſchaften unter 10 Hectar ganz aufgegeben und die Zugarbeit mit Ochſen verrichtet. Bei der Rindviehhaltung iſt durch conſequente Einhaltung der erſtrebten Zuchtrichtung, nämlich Erſetzung des früheren einheimiſchen Viehes durch das Simmenthaler Rind, ein gutes Reſultat erzielt worden. Seit ungefähr 20 Jahren hat die Gemeinde die Faſſel in Pflege und Verwaltung. Sie hat darauf gehalten, daß eine genügende Anzahl und zwar nur reinblütiger Simmenthaler⸗Faſſelochſen zur Verwendung kamen und ſo einen nahezu reinen Beſtand Simmenthaler Viehes in Rodheim erzielt. Hieraus erklärt ſich auch der ſtarke Abſatz von Jungvieh und jungen Faſſelochſen nach auswärts. Es mag zweifelhaft ſein, ob durch die eingehaltenen Züchtungsziele das Futter am höchſten verwerthet wird, ein Fehler würde es aber ſein, durch Aenderung in der Zuchtrichtung das jetzt Erreichte preis zu geben. Da die Viehhaltung im Allgemeinen eine genügend große iſt, ſo wäre darauf hinzu⸗ arbeiten, daß das Milchvieh beſſer gefüttert, daß die Anwendung des Kraftfutters eine allgemeinere würde. Es hat die nicht genügende Ernährung des Milchviehes ihren Grund wohl hauptſächlich darin, daß die Verwerthung der Milch eine zu niedrige iſt. Das Molkereiweſen liegt noch ſehr im Argen; während in Nieder⸗ Wöllſtadt die Milch das Liter zu 12 bis 13 Pf. nach Frankfurt verladen wird, ver⸗ werthet der Rodheimer Milchproducent ſeine Milch durch Verbuttern und Verfüttern der Magermilch an die Schweine das Liter zu höchſtens 7 bis 8 Pf.
Bei der Schweinehaltung wird Maſt und Aufzucht gleichmäßig berückſichtigt und wird dieſelbe auch rationell betrieben. Zur Fütterung werden Milchabfälle, Getreide, Kartoffeln ꝛc. benutzt.
Da der Obſtbau hohe Erträge bringt, ſo müßte demſelben, ſtatt der jetzigen Vernachläſſigung, ein viel größeres Intereſſe zugewendet werden.
Frage II.
a. Wie iſt das Verhältniß der Größe der Gemarkung zur Größe der anſäßigen Landbau treibenden Bevölkerung?
b. In welcher Weiſe vertheilt ſich das landwirthſchaftliche Gelände unter die anweſende Bevölkerung(todte Hand, Großgrundbeſitz, Groß⸗, Mittel⸗, Klein⸗Bauern, Taglöhner und Gewerbtreibende) und ſind in den letzten Jahren weſentliche Aenderungen in der Beſitzvertheilung eingetreten?


