institut för landwirtschaftliche Beitiebslohre det.. — 25— Justus Liebig- 9h ⸗ 50 ee
wie der Beſitzer des in der Anlage II beſchriebenen mittleren Gutes, annähernd nor⸗ male Grundrenten erzielen; von einem eigentlichen Unternehmergewinn dürfte wohl bei keinem Beſitzer die Rede ſein.
Die Urſachen dieſer unbefriedigenden Rentabilität dürften im Weſentlichen zu⸗ rückzuführen ſein auf:
1. die Fruchtbarkeitsverhältniſſe der Gemarkung,
2. die mangelhafte Melioration und die Zerſplitterung der Grundſtücke,
3. die im Verhältniß zur Ausnutzungsfähigkeit zu hohen Preiſe des Bodens, 4. einen mangelhaften landwirthſchaftlichen Betrieb.
Dieſe 4 Punkte ſollen hier gemeinſchaftlich erörtert werden.
Die mittleren Kaufwerthe der Grundſtücke ſind in Meſſel in den letzten Jahren wiederholt herunter revidirt worden. Welche Gründe haben hierzu Veranlaſſung gegeben? Zunächſt muß die Thatſache conſtatirt werden, daß nach Anſicht verſchiedener Meſſeler Landwirthe in den Roherträgen des Ackerlandes in den letzten 10 Jahren und vielleicht ſchon früher im Allgemeinen ein gewiſſes Zurückgehen bemerklich geworden ſein ſoll, eine Thatſache, welche freilich nicht gerade animirend zum Kaufe wirken kann und welche, ſo weit ſie auf Wirklichkeit beruht, zweifellos auf eine allmälige Ausraubung des Bodens an Mineralbeſtandtheilen zurückzuführen iſt. Weiter hat offenbar das Arrondirungsbedürfniß in Meſſel in den letzten Jahren nicht zugenom⸗ men; im Gegentheil hat die Kaufluſt bei den allgemeinen wirthſchaftlichen Conjunkturen abgenommen. Den ſchwindelhaften Neigungen der 70er Jahre, unter deren Einfluß die Bodenpreiſe vielfach plötzlich ganz unmotivirt coloſſal ſtiegen, iſt eine ruhigere Auf⸗ faſſung über den wahren Werth der Dinge gefolgt. Deshalb zieht man es auch gegen⸗ wärtig wieder häufiger vor, ſein Arbeitsbedürfniß und das der Familie durch Lohn⸗ arbeit zu ſtillen, als durch Ankauf neuer Grundſtücke.— Wenn nun auch in einem Lande, deſſen Volk in der Cultur regelmäßig vorſchreitet, die mittleren Kauf⸗ werthe des Grund und Bodens im Laufe längerer Zeiträume naturnothwendig fortgeſetzt ſteigen müſſen, ſo ſind doch die mittleren Bodenpreiſe innnerhalb dieſer Zeit oft größeren Schwankungen ausgeſetzt, je nachdem die Umſtände für Angebot und Nachfrage wechſeln. Dies iſt auch hier der Fall geweſen und einer ungeſunden Hauſſe iſt eine rectificirende Baiſſe gefolgt.
Man erſieht aus alledem, daß man die mittleren Kaufwerthe der Grundſtücke, welche einen effectiven, länger dauernden Werth ausdrücken ſollen, nicht nach den zeitigen, mittleren Kaufpreiſen, wie ſie ſich in einer Gemeinde periodiſch geltend machen, feſtſtellen kann; denn Beide beruhen auf verſchiedenen Unterlagen. Die mittleren Kau f⸗ werthe der Grundſtücke können nur auf deren wirkliche Ertrags⸗ bezw. Ausnutzungs⸗ fähigkeit zurückgeführt werden und hierzu iſt eine eingehende Schätzung mit Rentabili⸗ tätsberechnung erforderlich, wenn dies auch ſummariſch für die verſchiedenen Klaſſen einer Gemarkung ausgeführt werden kann. Die mittleren Kaufpreiſe ſind das Produkt des augenblicklich herrſchenden Arrondirungs⸗ und Arbeitsbedürfniſſes oder auch des Ueberfluſſes bezw. Mangels an Geldcapital u. ſ. w.; ſie ſind daher hauptſächlich Speculationspreiſe, oft genug auch reine Affectionspreiſe. Würde man ſich dieſe Ver⸗


