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liche Schatz Anno 1830 über 20 Millionen Thaler ent⸗ hielt, Das abgerechnet, was in der Geschwindigkeit daraus entfernt wurde, und daß sämmtliche unzählige Maitressen und Bastarde der Landgrafen und Kurfürsten mit Millionen bereichert worden sind.—
Nachrichten aus Schleswig⸗Holstein.
Schleswig, 21. Juni. Nachdem Willisen den Dänen ihre vortheilhaften Stellungen um des lieben Friedens willen hat einnehmen lassen, erläßt er jetzt eine Proklamation an die Soldaten, worin es heißt, „der Tag der Entscheidung sei da. Auf die vom König von Dänemark verlangte Unterwerfung und gebotenen Versprechungen sei nun nicht mehr ein⸗ zugehen, er werde jedenfalls bei ihnen ausharren.“ Eiin komischer Heiliger, dieser Willisen, der wirk⸗ lich ausharren, also nicht ausreißen will. Während andere Feldherrn zuerst die guten Stellungen für sich nehmen, und dann dem Feind den Frieden dictiren, hat Herr Willisen um des„Friedens willen“ den Feind die guten Stellungen beziehen lassen und nachher um Frieden gebeten. Nun, wenn die Schleswig⸗Holsteiner geschlagen werden, so mögen sie sich damit trösten, daß sie um des„lieben Friedens willen“ geschlagen worden sind.— Der Parlamenteur, von dem neulich die Rede war, ist nicht von den Dä⸗ nen, sondern von Willisen abgeschickt worden.
Die Dänen sind von Flensburg aus vorgerückt, man erwartet ihr Hauptquartier am 21. in Grossolt, zwei Stunden südlich von Flensburg.— Am 19. Abends
war nach der„Nordd. fr. Presse“ in Schleswig die Nachricht von einem Gefechte bei Ständerupholz ange⸗ langt, wahrscheinlich war dies jedoch nur ein Geptänkel der recognoscirenden Vorposten.
Von der russischen Grenze. Die an der polnisch⸗ preußischen Grenze aufgestellten russischen Truppen haben plötzlich Befehl erhalten, nach dem nördlichen Rußland aufzubrechen.— Diese Nachricht wird durch Depeschen der französischen Gesandtschaft in Petersburg bestätigt. Nach denselben soll sogar das Heer bedeutend(80,000 Mann) verringert, und alle Truppen, bis auf 10,000 Mann, aus den Donaufürstenthümern gezogen werden. Ein Hauptgrund dieser friedlichen Maßregeln sei die Finanznoth, da die Staatsschuld sich in den letzten 3 Jahren um 500 Millionen vermehrt habe.
Volksversammlung.
Die auf Sonntag den 21. Juli nach Utpha ausgeschriebene Volksversammlung konnte nicht abge⸗ halten werden, weil die Anzeige davon nicht 24 Stun⸗ den vorher, wie dies das Gesetz vorschreibt, bei der betreffenden Regierungscommission gemacht worden war. Es wurde daher heute an Ort und Stelle beschlossen, die für heute beabsichtigte Volksversammlung
Sonntag den 28 Jul d J. abzuhalten, was hiermit zur Kenntniß der Wähler gebracht wird.
Utpha, 21. Juli.
Die Veranstalter der Volksversammlung.
Anzeigen.
Antwerpen und New-⸗YPork.
Regelmäßige Poftschifffahrt zwischen
Gesuch.
Ein Abgeordneter, der in der hessischen Ständekammer, im Parlament und in Erfurt seine Brauchbarkeit hinläng⸗ lich bewiesen hat, sucht auch bei den nächsten
Abfahrt von Antwerpen am 1. und 15. jeden Monats.
Die Schiffe dieser Linie, wie Luconia, Capt. Hamilton; Edwina, Capt. Parmelee; Cotton Planter, Capt. Pratt; Roscoe, Capt. Thompson u. s. w., sind alle als vorzügliche amerikanische, gekupferte Dreimaster erster Classe bekannt, und werden von erfahrenen menschenfreundlichen Capitainen geführt.
Denjenigen Auswanderern, welche in der nächsten Zeit ihre Reise antreten wol⸗ len, diene zur Anzeige, daß die
Enbleme, Capitain Cammett, am 15. Juli und
Seath Sprague,„ Wadsworth,„ 1. August expedirt werden, und daß sie zur Sicherung ihrer Plätze sich frühzeitig an die Unter⸗ zeichneten und deren Agenten wenden müssen.“) 8
Außer obigen Schiffen expediren wir auch schöne amerikanische Dreimaster nach New⸗ Orleans.
Nähere Auskunft über Preise und Bedingungen ertheilen:
Dr. G. Strecker A. J. Klein Joseph Stök in Mainz. in Bingen. in Creuznach. Strecker, Alein& Stöchk in Antwerpen. In Frankfurt a. M. bei Herren W. Eckert& Comp. und Ch. Fr. Strauch Sohn.
In Oberhessen:
Vilbel bei Hrn. Gemeindeeinnehmer Jacob. Grünberg bei Hrn. Gemeindeeinnehmer
Butzbach bei Hrn. M. Kuhl. Schäfer.
Ehringshausen bei Hrn. Postexpeditor Wüst. Laubach bei Hru. Louis Walther. en bei Hrn. Wm. Fertsch. Lauterbach bei Hru. B. Bernhard List. Gießen bei Hrn. G. Schmidtborn.
*) Unser Schiff Cotton Planter ist in 22 Tagen, die Edwina in 27 Tagen nach New-Pork gesegelt 1
Wahlen Vertreter des Volks zu werden. Er verspricht es allen Parteien, so viel als es möglich ist, recht zu machen, und allen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Mit unglaublicher Unverdrossen⸗ heit wird er trotz eintreffenden Miß⸗ trauensvoten seinen Posten so lange keine Gefahr vorhanden, besetzt halten, und mit unerhörter Anspruchslosigkeit auf die Gunst seiner Wähler keine Rücksicht nehmen. Er besitzt eine staunenswerthe Zungengeläu⸗ figkeit, ohne daß es ihm dabei jedoch ernst ist, das Gesagte jemals auf sich selbst an⸗ zuwenden. So declamirt er unter Anderem mit großem Pathos die Uhland'schen Strophen:
Jetzt wahret Männer, eure Würde, Seht auf zum männlichen Entscheid! Damit ihr nicht dem Land zur Bürde, Dem Ausland zum Gelächter seid.
Es ist gesprochen fort und fort, Es ist geschrieben und gehandelt,— So sprecht denn euer letztes Wort.
Und kann es nicht sein Ziel erstreben, So tretet in das Volk zurück:
Daß ihr vom Rechte nichts vergeben, Sei euch ein lohnend stolzes Glück: Verharret ruhig und bedenket:
Der 1 Morgen steigt herauf,
Ein Gott ist's, der die Sonne lenket.
Und unaufhaltsam ist ihr Lauf.
Verantw. Herausgeber: A. Becker und F. O. Schenck.— Verleger: C. Sartorius. Druck von M. Merck in Gießen.


