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Tagesneuigkeiten.
* Gießen, 23. Juli. Die Constitutionellen nehmen es den Demokraten weidlich übel, daß sie nicht steuern wollen für Schleswig⸗Holstein, und beschuldigen sie der „Parteiverbissenheit“ und„Inconsequenz.“ Auch den Herausgebern des Zuschauers ist dieser Vorwurf ge⸗ macht worden. Was uns betrifft, so können wir diese Vorwürfe ruhig zurückweisen. Wir hielten nie was Rechts auf diesen meerumschlungenen Spektakel. Wollten doch diese Schleswiger schon zur Zeit des deutschen Bundes deutsch werden, zu einer Zeit also, wo es eine Schande und ein Unglück war, zum politischen Deutsch⸗ lande zu gehören. Und was thaten sie später? Sie schickten den Beseler, Waitz und andere jammervolle Menschen in die Nationalversammlung, Menschen, die sich zur Zeit nicht schämten, den Malmber Schand⸗ vertrag gutzuheißen. Und dieser Beseler sitzt noch heute in der holsteinischen Regierung, und die Genossen seiner Armseligkeit sind auch diesmal wieder in großer Anzahl in die holsteinische Landesvertretung gewählt worden. Wie aber kann sich ein Demokrat für eine Sache be⸗ geistern, die von so kläglichen Passagieren geleitet wird und deren nächstes Resultat im glücklichen Fall am Ende sein wird, daß statt des lustigen Matrosenkönigs von Dänemark, der unbedeutende Augustenburg, regierender Herzog von Schleswig⸗Holstein werden wird. Wir waren immer der Meinung, daß man erst das übrige nichtschleswig⸗holtsteinische Deutschland frei und stark machen möge, ehe man sich in einen Krieg mit Dänemark oder gar Rußland einlasse. Gestalten sich die Verhältnisse im Norden so, daß etwas Ersprieß⸗ liches für die deutsche Freiheit von dort zu erwarten steht, dann werden die Demokraten nicht zurückbleiben. Hr. Willisen hat sich den Eintritt von freiwiligen Nichtmilitärs in die schleswig⸗holsteinische Armee ver⸗ beten, offenbar weil er das demokratische Element aus seinem Heere fern halten will; Geld aber ver⸗ schmäht er nicht, eben weil man's dem nicht an⸗ riecht, ob's von Demokraten oder Augustenburgern gesteuert worden ist. Dieser Offenheit des Hrn. Willisen gegenüber, dürfen auch die Demokraten schon offen sein
und sagen, daß und warum sie vor der Hand nichts
geben.
9 Aus Oberhessen, 23. Juli. Der von unserer Partei zum Abgeordneten für die erste Kammer in Aus⸗ sicht genommene Conrector Steinberger zu Butzbach, ist verhindert, diesmal eine Wahl anzunehmen, weil er sich für verpflichtet hält, den Schulen seiner Vaterstadt gerade jetzt seine ganze Zeit und volle Kraft zu widmen.
Nach einer kürzlich getroffenen Einrichtung sind nämlich
gegen 400 Schüler in 6 Klassen vertheilt, während
nur 4 Lehrer den ganzen Unterricht zu besorgen haben. Auf dem zeitigen ersten Lehrer, dem Conrector, liegt unter diesen Umständen eine besondere Verantworlichkeit und es würde eine nachtheilige Störung entstehen, sollte derselbe auch nur für kurze Zeit seiner amtlichen Thä⸗ tigkeit entzogen werden. Er hat deßhalb an einen be⸗ freundeten Verein eine Erklärung eingesandt, woraus sich die Gründe ergeben, welche ihn zu der Bitte ver⸗ anlassen, statt seiner, einen anderen Candidaten auf⸗ zustellen.
So sehr wir es bedauern, daß der erwähnte Mann am nächsten Landtage nicht erscheinen kann, so müssen wir doch auch es anerkennen, daß er bei dem Zweifel, ob er einem an ihn ergehenden Rufe folgen solle, durch seine Berufstreue, durch die Rücksicht auf das Wohl seiner Vaterstadt, sich leiten ließ.
ak Offenbach, 23. Juli.[Gehen Sie nach Hause, arbeiten Sie Etwas!] Seit einigen Tagen finden die Durchzüge der badischen Dragoner und Artillerie nach ihren preußischen Bestimmungsorten statt.— Letztere wird von dem sich immer zahlreich versammelnden Publikum mit, Lebehoch“ Rufen begleitet, wozu die Offiziere immer schiefe Gesichter schneiden. Gestern hatte sogar ein Polizist die Frechheit, einem Bürger, der auch sein„Lebehoch“ rief, zuzuschreien: „Gehen Sie nach Haus und arbeiten Sie Etwas“, worauf dieser jedoch gleich diente:„Wenn Sie nicht so faul wären, wären Sie nicht Polizeidiener.“ Heute ist nun das„Gehen Sie nach Haus und arbeiten Sie Etwas“, sprüchwörtlich und die Empfangsdemonstra⸗ tionen wiederholten sich bei Ankunft der Artillerie in „Hurrah's“ und mit Blumenwerfen auf's Lebhafteste. Es ist hier noch zu bemerken, daß obiger Bürger durch die dienstfertige Dazwischenkunft des hier so sehr be⸗ liebten(21) Adjutanten Aßmus auf einige Stunden eingesteckt wurde! f 5
(0 Darmstadt, 22. Juli.[Hallwachs.] Sie wollen etwas von mir über den neuen Ministerpräsi⸗ denten wissen. Was kann ich Ihnen sagen? Redet man von den Blumen, die im Verborgenen blühen? Hallwachs! Wer ist Hallwachs? Noch nie dage⸗ wesen— und doch Ministerpräsident! Wie erklärst du, Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur? Obgleich der Name ein gewisses Wach sthum anzudeuten scheint, möchte doch dieser Stern nicht zum Wachsen bestimmt sein. Vielleicht bedeudet der Name auch nur, daß sein Inhaber mit der Klebrigkeit des Wachses am Alten festhängen wird.— Sie lachen über meine Bemühungen,
im öffentlichen Leben. Von den Rationalisten für orthodox ge⸗ halten, von den Orthodoxen als unentschieden verstoßen, kann er eigentlich keine Partei finden, die ihn haben möchte, und gerade diesem Umstande müssen wir jenes beständige Umsichbeißen zu⸗ schreiben, das uns oft auf dem Katheder an ihm ergötzt hat, und ihn auch im öffentlichen Leben charakterisirt. Was sollen wir weiter von ihm sagen? Als wissenschaftliche Autorität ohne
5 Namen und Bedeutung sucht er sich als Hauptredner des Vater⸗
ländischen Vereins einen Namen zu erwerben; er zieht auf dem Lande herum und predigt auf allen Gassen als ein zweiter Peter von Amiens das Kreuz gegen die Demokraten, wird aber trotz seinen Wühlereien so wenig in den Landtag gewählt, als nach Erfurt, und bekommt mit jedem Semester weniger Zuhörer, was auch wohl das Motiv einiger Artikel der Darmstädter Zei⸗ tung gegen die Studienfreiheit sein mag, in denen wir die Feder des allerdings unter der Studienfreiheit leidenden Prof. Köllner zu erkennen glauben. Bei Gelegenheit der theologischen Facultät können wir jedoch nicht unerwähnt lassen, daß fich
gerade die ihr angehörenden Studenten nicht durch den besten Geist auszeichnen, indem bei ihnen mitunter die übelste An⸗ bringerei zu Hause ist, was jedenfalls die Herren Professoren am leichtesten ausrotten könnten.
Unter den juristischen Professoren, von denen sich Löhr, Renaud und Birnbaum durch Kenntnisse und Gelehrsamkeit auszeichnen,(letzterer jedoch nicht sehr rühmlich als Mitglied des erfurter Staatenhauses) verdient besonders Professor Weiß, der Repräsentant der Mittelmäßigkeit auf unserer Universität be⸗ sondere Erwähnung. Dieser Mann würde sehr wohl gethan haben, wenn er sich schon längst um eine andere Stelle im Staate, wie sie sich ja besonders eben an der Eisenbahn darbieten, beworben hätte. Nicht im Stande auch nur die kleinste Be⸗ merkung frei vorzutragen, dietirt er, wozu man doch ebensogut jeden Stiefelputzer brauchen kann, ein ganzes Semester hindurch das ledernste, geistloseste Zeug, weiß sich aber, wie wir hören, durch die Art seines Examinirens so in Furcht zu setzen, daß seine Vorlesungen doch besucht sind, was er wahrscheinlich dem


