Ausgabe 
15.10.1850
 
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werden. Doch schließen wir; 1185 Worte wären Ver⸗ f ung an solche Thorheit! er e 1 Nach Rheinhessen, der frei⸗ sinnigsten Provinz, scheint die Reaction ihre dienstfer⸗ tigsten Diener geschickt zu haben. Das Verfahren, welches die dortigen Behörden gegen die Mainz. Ztg. einhalten, wird man selbst in Darmstadt nicht begreifen können. Gestern nämlich wurde die ganze Auflage jener Zeitung, welche noch theilweise unter der Presse war, von polizeiwegen confiscirt. Dieses Verfahren, welches selbst der Verordnung vom 4. October zuwi⸗ derläuft,) wird hoffentlich einer nachhaltigen Strafe nicht entgehen. a

Der Staatsanwalt, welcher der Mainz. Ztg.

wegen eines Artikels:die Steuerfrage im Großher

ogthum Hessen den Prozeß machen wollte, ist letzten Wiawoch a der Rathskammer mit seiner Anklage abgewiesen worden. Der Herr Anwalt will gegen dieses Erkenntniß dieOpposition ergreifen.

Frankfurt, 10. Oct. Lord Cowley, der eng⸗ lische Gesandte, soll gestern eine Protestation in der kurhessischen Angelegenheit bei dem sog. Bundestag ein⸗ gereicht haben. 5 ü f

Kassel, 11. Oct. Unsere Zustände sind bejam⸗ mernswerth. Man wartet von Tag auf die Entschei⸗ dungen unserer Vergewaltiger in Berlin, Wien und Frankfurt. Die Entwickelung im Inland scheint auf diese Beschlüsse zu lauern. Auf die Abschiedsgesuche der Offiziere hat weder Hr. Haynau noch Hr. Hassen⸗ pflug von Wilhelmsbad aus bis jetzt eine Antwort ertheilt. Inzwischen fällt ein Getreuer nach dem an⸗ dern von dem Militärdiktator ab, der trotz alledem sein Spiel noch noch nicht ganz aufgegeben zu haben scheint. Das muß man wenigstens nach dem Hin⸗ und Herrennen seiner Ordonnanzen annehmen, das namentlich stets gegen Abend an Eilfertigkeit und Ge⸗ schäftigkeit zunimmt. Im Ganzen mögen jetzt etwa 10 Offiziere der hiesigen Garnison nicht um ihren Abschied eingekommen sein. Darunter Hr. v. Cornberg, der Schwiegersohn Haynau's, zwei v. Baumbachs, von den Kurfürsthusaren, außerdem der Artillerielieutenant Bauer, und unter den Infanterieoffizieren die Lieute⸗ nants Schmidt, Reinhardt ꝛe. Selbst von den Or⸗ donnanzoffizieren Haynau's haben sich die meisten den Schritten ihrer Kameraden angeschlossen, so die Haupt⸗ leute Zinke und Meierfeld. Es hat den Anschein, als suche Hr. Hahnau unter den Unteroffizieren und Ge⸗

meinen sich einen sichern Anhang zu werben, ehe die

weiteren Schritte folgen. Solche Werbungen werden sicher einen äußerst schwachen Erfolg haben.

Kassel, 11. Oct. DieDeut. Ztg. veröffent- licht jetzt die Haynau ertheilte Vollmacht, nach welcher derselbe ermächtigt ist, allen Offizieren den verlangten Abschied zu ertheilen, oder die seinen Befehlen Wider⸗ spenstigen sofort zu entsetzen. Durch die Vorlesung dieses Befehls hoffte Hahnau die Offiziere einzuschüch⸗ tern, was aber nicht den geringsten Erfolg hatte. Es war dies jedoch vorderhand nur ein Schreckschuß, denn bis jetzt ist die Entlassung noch nicht angenommen worden, da die massenhaften Entlassungsgesuche der Offiziere, der Regierung in Wilhelmsbad großen Schrecken verursachten(siehe Wilhelmsbad). Aus neburg

Die Verordnung vom 6. Oet. gestattet nur die Beschlag⸗

nahme richterlich verurtheilter oder solcher Schriften, welche,

ohne eine Angabe des Druckorts zu enthalten, öffentlich

feilgeboten werden.

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ist an das kurhessische Volk eine Zustimmungsadresse gelangt. Hayngu hat sich in Anbetracht der be⸗ drohlichen Umstände durch den Garnisonspfarrer Martin das Abendmahl reichen lassen.

Fulda, 11. Oct. Auch das hiesige Offizier⸗ corps ist dem Beispiel ihrer ehrerwerthen Collegen in Kassel nachgefolgt, und hat einstimmig seine Entlassung gefordert. Die Offiziere der in Bockenheim und Wilhelmsbad liegenden Truppen sind ebenfalls zur Berathung desselbeu Entschlusses zusammengetreten.

Wilhelmsbad, 13. Oct. Nach derKass. Z. ist dem Herrn Hassenpflug, dem man die Aufsicht über die Staatsgelder nur nothgedrungen überließ, das seit⸗ her versehene Amt eines Finanzministers abgenommen worden, da sich endlich ein Subject, in der Person des Regierungs⸗Directors Volmar von Eschwege, zu dieser Stelle fand. Nach derDeutsch. 3. soll es zwischen Hassenpflug und den Ministern Haynau und Baumbach zu ernstlichem Zerwürfnisse wegen der Entlassungsge⸗ suche der Offiziere gekommen sein. Ersterer will den seit⸗ her betretenen Weg weitergehen, während Letztere end⸗ lich einsehen, daß Hassenpflug, als österreichische Crea⸗ tur, auf die vollständige Auflösung des kurhessischen Staates hinarbeitet. a

Wilhelmsbad, 10. Oct. Die Minister sind fröh⸗ lich und guter Laune. Vilmar macht den Tischprediger und Hofnarren. Vom Kurfürsten sieht und hört man nichts. Uebrigens richten sich die Herren ein, als ob. sie ewig hier blieben. Thurn und Taxis hat eine Postexpedition hier anlegen müssen, um die Stand⸗ rechtsukase portofrei schleunigst ins Land zu schleu⸗ dern, und ebenso die Lieferungen der Kasseler Küche und des Hofkellers zu beziehen. Diese Herren wissen jedes Vortheilchen bestens zu benutzen.

Wetter, 10. Oct. Gestern ist von hier eine Adresse an denpermanenten Ausschuß nach Kassel abgegan⸗ gen, welche dessen Schritte gegen dieVernichtung der heiligsten Rechte eines Volksstammes durch den letzten Sprößling seiner Fürstenfamilie, für deren Einführung, Existenz und Bereicherung dieser deutsche Volks⸗ stamm seit dem 13. JahrhunderteGut und Blut opferte, billigt und zu weiterem, energischen Wi⸗ derstande auffordert, die Sympathien und den Beistand des Volkes versprechend. Die Adresse ist von dem größten Theile der Bürger Wetters unterzeichnet.

Marburg, 10. Oct. Gestern war der Oberstand⸗ rechtspfaffe Vilmar hier und hat Hrn. Uloth, Ober⸗ bürgermeister, zum Staatsanwalt gemacht, sodann zum Staatsprokurator und endlich zum Geueralstaatsproku⸗ rator. Obergerichtsrath Scheffer hat das General⸗ auditoriat angenommen.(Horn.)

Von der Nahe, 11. Oct. Unter den in den preußischen Ortschaften und bis den Hundsrück hinauf zusammengezogenen preußischen Truppen, aus allen Waffengattungen bestehend und im Ganzen ungefähr 10 14,000 Mann, gewinnt in letzter Zeit das oft wiederholte Gerücht, daß das Corps für Rheinhessen bestimmt sei, immer mehr an Consistenz. Die Offtziere versichern auf das Bestimmteste, daß man jeden Augen⸗ blick die Befehle zum Einmarsch in die schönste und reichste Provinz eines ehedem zur Union, jetzt wieder zum Bundestag übergetretenen Staates erwarte.

d. Ztg.)

Aus Thüringen, 10. Oct. Im Großherzogthum Weimar, wo gleichfalls ein starkes Budget bevorsteht, werden jetzt Petitionen um Herabsetzung des fast um

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