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dem Prädicat„Excellenz“ und zum zweiten Präsidenten des Oberconsistoriums gnädigst entlassen worden. Das hieße ich fein gemacht!„Auf sein Nachsuchen!“ Schön! Im Augenblick, wo das Erfurter Unionsschiff, welches seither in's Blaue hinein umhergetrieben war, zwischen die hofcamarillischen Klippen geräth, kommt der Steuermann Jaup um seine Entlassung ein. Sehr tapfer!„Gesundheitsrücksichten halber!!“ Als ob ein braver Steuermann im Augenblick der Gefahr Zeit haben dürfte, auf seine Gesundheit Rücksicht zu nehmen. Konnte Jaup, wenn er auf seinem Posten, wie es Pflicht war, nicht sterben wollte, das Steuer nicht dem Un⸗ tersteuermann Eigenbrodt übergeben und von Bad Schwalbach aus seine Befehle erlassen? Aber fortzu⸗ gehen und einem unionsfeindlichen Gegner das Steuer zu überlassen: wahrhaftig, das war eines Go⸗ thaers würdig. Freilich werden unsere Leser an die Wahrheit der Gründe, welche der Hofmoniteur dem Ausscheiden des Herrn Jaup unterlegt, nicht glauben. Sie werden glauben, Jaup sei fortgeschickt worden, und man habe ihm nur so an die Hand gegeben, seine Entlassung zu verlangen, und ihm in diesem Fall die Excellenz, den wirklichen Geheimenrath ꝛc. zugesagt. Dem sei, wie ihm wolle: das Ende vom Lied ist, daß Herr Jaup von den sog. Constitutionellen und die sog. Constitutionellen von Jaup, und daß alle beide von der Camarilla angeführt worden sind. Später wird sich's herausstellen, daß sich die Camarilla selbst angeführt hat. Sela!
Mainz, 1. Juli. So eben empfangen wir die freudige Nachricht, daß die rheinhessischen Gefangenen in Zweibrücken gestern freigelassen worden sind und wahr⸗ scheinlich noch heute bei uns eintreffen werden. Sie wurden per Omnibus bis Homburg, von da bis Lud wigshafen per Eisenbahn transportirt und kamen gestern bis Frankenthal.(M. Z.)
— Den 1. Juli. Bei der gestrigen, bis Nachts 12½ Uhr währenden, Assisensitzung, wurde Friedrich Krebs, Schreiner aus Niederweinheim, vertheidigt durch Anwalt Schmitt, des Mords für schuldig erklärt und zu einer Zuchthausstrafe von 12 Jahren verurtheilt.
Frankfurt, 30. Juni. Zu dem Friedenscongreß, welcher demnächst in Frankfurt abgehalten werden wird, wird sich auch ein(rother) indianischer Häuptling aus Canada einfinden.
Kassel, 1. Juli. Die Gothaer werden tapfer. In der Hoffnung bei dem demnächst zu erwartenden Austritt Hassenpflugs einen ihrer Leute ins Ministerium schmuggeln zu können, schlagen sie furchtbar auf den schon halbtodten Ministerfälscher los. So schreibt die „Neue Hess. Ztg.“: Der verurtheilte Fälscher darf zwar nach den Gesetzen unseres Landes als bescholten in keinem kurhessischen Geschworenengerichte sitzen, steht aber dennoch als Chef an der Spitze der kurhessischen Justiz. Mit dem an seiner Ehre beschädigten Manne darf nach den Gesetzen der Ehre Niemand dienen, ohne selbst an seiner Ehre Schaden zu nehmen. Nur dem kurhessischen Staate ist es vorbehalten geblieben, der Welt zu zeigen, wie nicht bloß mit, sondern sogar unter einem wegen Fälschung verurtheilteu Verbrecher ein Dienstverhältniß bestehen kann. Wir halten die Thatsache dieses Verhältnisses für ein freches Attentat gegen Staat und Gesellschaft, wie es bisher noch nie⸗ mals, weder vom Despotismus, noch von der Anarchie, weder von der Revolution, noch von der Contrerevo⸗ lution versucht worden ist. Wir haben ein Attentat
vor uns, welches unmittelbar die Grundlagen des Staats aufhebt, ein Attentat wodurch die Ehre und die Sitt⸗ lichkeit der Staatsgesellschaft, wodurch die Würde und das Ansehen, der Werth und die Geltung alles Dessen, was der Würde und der Geltung im Staate bedarf, verhöhnt, an den Pranger gestellt, ins Gesicht gespuckt und mit Knüppeln todtgeschlagen werden. In diesen Tagen stand ein Mann vor Gericht, angeklagt der Be⸗ leidigung der Gerichte. Sein Vertheidiger fragte die Richter, ob von Beleidigung der Gerichte in einem Lande noch die Rede sein könne, wo ein wegen Fälschung an der Ehre gestrafter Mann Chef des Gerichtswesens sei? Der Angeklagte ward freigesprochen... Wenn Etwas faul im Staate ist, und wenn die Fäulniß schon bis zum Sitze des Lebens vorgedrungen, wenn Alles verloren und entehrt sein soll, nun dann ist es we⸗ nigstens die Pflicht der Presse, im Namen der höheren Güter, welche nicht mit Schiffbruch leiden dürfen, und im Namen des kommenden Geschlechtes, welches aus diesem Gräuel gerettet werden muß, im Namen der Zukunft, im Namen des Volkes, im Namen der Nation, im Namen der Ehre und des Rechtes einzustehen. Möge geschehen, was geschehe, mögen Andere thun oder lassen, was sie wollen, die Presse ist sich ihrer Aufgabe bewußt, und so lange uns eine Zeile zu drucken noch vergönnt ist, werden wir laut und nachdrücklich dagegen protestiren, daß ein wegen Fälschung verurtheilter Mann unser Land regieren darf.
Narlsruhe, 28. Juni. Die noch nicht vollständig wiederhergestellte„Ruhe und Ordnung“ ist durch das abermalige Verlängern des Kriegszustandes auf weitere vier Wochen gesichert worden.
Stuttgart, 1. Juli. Das Gesammtministerium soll seine Entlassung genommen haben und ein noch reactionäreres im Anzuge sein. Bereits werden die Namen der neuen Minister genannt. Bestätigt sich dieses Gerücht, so dürfte die Auflösung der Kammer nicht lange auf sich warten lassen. Was unter diesen Umständen aus der bereits eingeleiteten Anklage der Minister werden wird, wissen die Götter.
München, 27. Juni. Die Nr. 150 des„Volks⸗ boten“ ist heute von der Polizei mit Beschlag belegt worden. Es ist dies die zweite Confiscation dieses Blattes, und insofern bemerkenswerth, als der con⸗ stitutionell⸗religiöse Verein, dessen Organ der Volksbote ist, sehr thätig für Herbeiführung des Preßgesetzes wirkte.— Ein Erlaß der Regierung fordert die Behörden auf, die Gesinnungen der Beamten genau zu überwachen, und dem Ministerium darüber Berichte zu erstatten.
Berlin, 29. Juni.„Gazetten dürfen nicht genirt werden, wenn sie interessant sein sollen!“ So sprach der patrimoniale Absolutismus in der Person Friedrichs des Großen; so kann er sprechen, so lange in ihm des Volks gesellschaftliches Leben sich zusammendrängt und verkörpert. Der goldene Thron auf der Spitze der eisernen Piramide des Militärstaates, was haben mit ihm ein Paar Papierfetzen zu thun, die ein Lüftchen um den Fuß dieser Pyramide umherweht? Selbst wenn Schmähungen darauf gedruckt stehen, die sich an ihn wagen, so sind sie eben nur interessant um des Thrones willen, an den sie sich wagen. Oben lächelt man darüber, wie über ein naseweises Kind; unten schaut man mit bloser Neugier zu, was der Starke mit dem Schwachen beginnen wird, der sich's heraus⸗ nimmt, so naseweis zu sein. Da des Starken Arm


