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vorlesung über Experimentalphysik werden spezielle Einführungen in die Teilgebiete gegeben und die Studierenden nehmen, je nach dem Zwecke ihrer Ausbildung, an verschiedenen Abungspraktiken teil, die sie von der Erwerbung der wichtigsten für den Forscher und Lehrer nötigen Handfertigkeit in der Herstellung von Apparaten bis zur Anleitung zu selbständiger physikalischer Forschung führen. Auch die Erweiterung der Lehrtätigkeit in der Richtung der tech⸗ nischen und der medizinischen Anwendungen der Physik ist in Angriff genommen und wird noch weiter auszubauen sein. Hand in Hand damit sind nicht nur die Lehr- und Forschungsmittel erweitert worden, sondern auch die Werkstätten und Maschinenräume des Institutes haben einen großen Ausbau erfahren müssen, den nicht

20 nur die hessische Regierung weitsichtig gefördert hat, dem auch

Freunde und Gönner aus den Kreisen der uns benachbarten Industrie ihre Anterstützung gewährt haben.

So ist gerade in der Physik immer eine erfreuliche Zusammen⸗ arbeit zwischen der Allgemeinheit, die sich der Fortschritte der Wissenschaft erfreut, und noch spezieller zwischen der Industrie, die des Forschers Entdeckungen und Erfahrungen dem Volke zuführt und verwendbar macht, einerseits und dem Forschungs⸗ und Lehr⸗ institute andererseits bemerkbar gewesen. Möge das auch so bleiben in den kommenden Jahren wirtschaftlicher Bedrängnis. Wenn Allgemeinheit und Wissenschaft zusammengehen, so geben sie sich immer ihr Bestes.*

Das Physikalisch⸗chemische Institut.

Von K. Schaum.

Gleichzeitig mit dem Physikalischen Institut, und zwar unter dem gleichen Dache, wurde ein Heim für die Physikalische Chemie errichtet. Die Gießener Aniversität darf stolz darauf sein, daß sie als eine der ersten Hochschulen einen selbständigen Lehrstuhl für dieses bedeutungsvolle Fach geschaffen hat, den eine Zeitlang Ernst Beckmann innehatte(zuletzt als Leiter des Kaiser⸗Wilhelm⸗ Instituts für Chemie in Berlin-Dahlem tätig). Jahrelang mußte sich der Fachvertreter mit knappen Räumen und Hilfsmitteln im Chemischen Institut, später im alten Liebigschen Laboratorium, behelfen, bis unter Karl Elbs der Neubau errichtet wurde. In diesem Institut werden die Grenzgebiete zwischen Physik und Chemie sowie die Anwendungen physikalischer Meß- und Arbeits-

methoden auf chemische Probleme in Forschung und Anterricht gepflegt. Das Entgegenkommen der Regierung hat eine vortreffliche Anlage für elektrochemische Arbeiten, die Freigebigkeit der Firma E. Leitz eine glänzende Ausrüstung für mikrofkopische Anter⸗ suchungen, besonders auf dem Gebiet der Kristallchemie und der Kolloidlehre ermöglicht; wertvolle Anterstützung wurde dem Institut ferner von seiten der Gießener Hochschulgesellschaft, von privaten Gönnern und besonders auch von seiten der Firma Arthur Pfeiffer in Wetzlar zu teil; der letztgenannten Firma ist die Beschaffung ausgezeichneter Hilfsmittel für physikochemische Forschungen mit Hilfe der modernen Nönkgenverfahren zu verdanken.

Die Universitäts⸗Frauenklinik.. Von Professor Dr. von Jaschke.

Der in den Jahren 18871890 erstellte Bau wies eine Reihe von schwerwiegenden Mängeln auf, die aber durch einen unter Pfannenstiel 1905/07 angefügten Flügel und vor allem durch einen in den Jahren 1921-1923 unter dem gegenwärtigen Direktor (v. Jaschke) vollendeten größeren Erweiterungsbau so vollständig behoben werden konnten, daß die Klinik heute eine der schönsten und besteingerichteten Frauenkliniken Deutschlands darstellt. Die Voranstellung dieser Tatsache rechtfertigt sich dadurch, daß die Er⸗ füllung der vielverzweigten Aufgaben einer Aniversitäts⸗Klinik an gewisse bauliche und räumliche Voraussetzungen gebunden ist. Nicht allein der Anterrichtsbetrieb, sondern ebenso die modernen Behandlungsmethoden und die einwandfreie Anterbringung der Kranken stellen Anforderungen, die in dem alten Bau schlechterdings nicht mehr erfüllt werden konnten.

Neben dem Anterricht von Studenten der Medizin, der Ausbildung von Hebammen, Wochenbett⸗ und Neugeborenen⸗ pflegerinnen, der Heranbildung einer tüchtigen Generation von Frauenärzten und neben den wissenschaftlichen Aufgaben eines Aniversitäts⸗Institutes steht die Frauenklinik vor allem im Dienste der sozialen Fürsorge und Kranken behandlung. Da ver⸗ mutlich gerade dieser letztere Teil unserer Tätigkeit für ein größeres Publikum mehr Interesse bietet, mag es erlaubt sein, hier ein paar Einzelheiten aufzuführen.

Geburtshilfliche und operative Tätigkeit sind an die Voraus⸗ setzung modernster Asepsis gebunden. Deren Durchführung erfordert eine räumliche Trennung der verschiedenen Gruppen von Kranken ebenso wie des zugehörigen Pflege- und Arztepersonals. Schwangere dürfen nicht mit Wöchnerinnen zusammenliegen, diese nicht mit anderen Anterleibskranken, die irgendeinen infektiösen Ausfluß oder einen Eiterherd haben, ebensowenig mit operierten Frauen. Auch die Neugeborenen dürfen nicht dauernd in den Wöchnerinnen⸗ zimmern liegen, sondern sollen zur Vermeidung von Infektion des Nabels, der Luftwege und ähnlichem möglichst nur zu den Still⸗ zeiten zu den Müttern gebracht werden. Frischoperierte verlangen eine besondere Ruhe und Pflege; operativ zu behandelnde und relativ rasch zur Heilung kommende Fälle sollen nicht mit chronisch Kranken zusammengebracht werden; besonders verlangen alle an eitrigen oder infektiösen Prozessen leidenden Kranken eine besondere, von den übrigen Insassen der Klinik streng isolierte Anterbringung. Daraus wird die Einteilung der Klinik in verschiedene Stationen verständlich.

1. Die Geburts hilfliche Station umfaßt einen besonderen, in einem ganz anderen Stockwerk gelegenen Schwangerentrakt, in dessen hellen lichten Räumen die ihrer Niederkunft Entgegen⸗ sehenden untergebracht sind und einer regelmäßigen Kontrolle ihres Gesundheitszustandes unterliegen. Nach der Entbindung, die in besonderen Geburtszimmern stattfindet, kommen die Frauen in

Wöchnerinnenzimmer von 468 Betten, die nach jeder Belegung frisch gereinigt und nötigenfalls desinfiziert werden. Fiebernde Wöchnerinnen müssen scharf von den übrigen getrennt werden. Die Neugeborenen werden in besonderen Näumen untergebracht, einem großen Hauptsaal für völlig normale und ge⸗ sunde Kinder, einem kleineren für irgendwie auf Erkrankung ver⸗ dächtige und schließlich in einem Zimmer für an infektiösen Prozessen leidende Kinder. Das Pflegepersonal für Mütter und Kinder ist wieder aus Gründen der Asepsis völlig getrennt.

2. Die Operative Station umfaßt neben modernen Ope⸗ rations⸗ und Sterilisationsräumen und einem besonders ruhig gelegenen Naum für Frischoperierte eine Reihe heller, luftiger Krankenräume von im allgemeinen nur 46 Betten. Außerdem stehen Liegeterrassen zur Verfügung, um in günstiger Jahreszeit die Freiluftbehandlung möglichst durchführen zu können.

3. Die Konservative Station dient der Aufnahme aller nicht operationsbedürftigen, an akuten und besonders chronischen Frauenleiden Erkrankten. Da diese Kategorie von Erkrankungen oft einen langen Kliniksaufenthalt erforderlich macht, ist auf eine

der Beruhigung oder Hebung der Stimmung dieser Kranken förder⸗

liche Farbgebung und sonstige Ausstattung der Krankenräume denk⸗ bare Rücksicht genommen. Im engen Verband mit dieser Station steht die Abteilung für Licht-,Elektro- und Wasserbehandlung, die über die modernsten Einrichtungen verfügt und durch ihre räum⸗ liche gesonderte Anordnung auch für ambulant zu behandelnde Kranke zugänglich ist.

4. Die Septische Station nimmt alle an Wochenbettfieber, eitrigen Prozessen u. dgl. leidenden Frauen auf und ist räumlich von der übrigen Klinik völlig getrennt in einer zweckmäßig aus⸗ gestatteten Döker⸗-Baracke untergebracht.

5. Die Röntgenabteilung verfügt neben einem Diagnostik⸗ apparat neuester Konstruktion über Z modernste Apparate für Tiefentherapie und besitzt außerdem genügende Mengen Radium. Ihre Abtrennung von dem übrigen Betrieb ergibt sich vor allem daraus, daß diese Behandlungsart eine spezialtechnische Ausbildung erfordert und wegen ihrer starken Inanspruchnahme durch stationäre und ambulante Kranke bei einer durchschnittlichen täglichen Behand⸗ lungszeit von 1012 Stunden das dort tätige ärztliche und technische Personal vollauf beschäftigt.

Neben 170 Betten, die für die Kranken der III. Klasse, Schwange⸗ ren und Neugeborenen in den beschriebenen Abteilungen zur Ver⸗ fügung stehen, sind noch 30 Betten in einfachen bis auch verwöhntesten Ansprüchen genügenden Räumen für Kranke der II. und J. Klasse vor⸗ handen. Ss ist die Aniversitäts⸗Frauenklinik imstande, allen An⸗ sprüchen und Wünschen der kranken oder für ihre Entbindung Hilfe suchenden Frauenwelt in vollkommenster Weise gerecht zu werden.

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