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die Beschälseuche der Pferde, die Lungenseuche der Rinder, die während des Krieges und in der Nachkriegszeit ihr Haupt wieder erhoben haben, sind bald nach ihrem Ausbruche getilgt oder doch erheblich eingedämmt worden.
Der Notz, der noch vor einigen Jahrzehnten eine beständige und sehr gefürchtete Gefahr für unsere Pferdebestände war, ist wesentlich zurückgedrängt worden, und zwar trotz der Angunst der Verhältnisse während des Kriegs und in der Nachkriegszeit. Gegen die Brustseuche der Pferde besitzen wir in dem Neo⸗Salvarsan ein sehr wirksames Heilmittel. Der Schweinerotlauf, eine immer wieder auftauchende und gefährliche Seuche hat dank dem überaus wirkungsvollen Lorenzschen Impfverfahren seinen Schrecken ver⸗ loren. Die Räude der Pferde, die während des Krieges unter den Pferdebeständen des Heeres und auch des Inlandes sehr stark um sich gegriffen hatte, zeigt sich nur noch in vereinzelten Ausbrüchen. Eine Reihe anderer Tierseuchen, wie z. B. der Milzbrand, der NRauschbrand, wird durch zweckentsprechende veterinärpolizeiliche Maßnahmen und mit Hilfe geeigneter Impfverfahren bekämpft und in Schranken gehalten.
Trotz der bisher erzielten Er⸗
Anterdrückung, ist noch viel wissenschaftliche und praktische Arbeit zu leisten. Die Bekämpfung der Tuberkulose hat sich bis 2 2 recht bescheidenen Erfolgen begnügen müssen. Diese Seuche zehrt noch viel zu sehr am Lebensmark unserer Rindviehbestände. Nur ein ausdauernder und verständnisvoller Wille der Landwirte kann, wie Beispiele zeigen, dem von den Tierärzten schon vielerorts auf⸗ genommenen Kampf gegen diese überaus verderbliche Seuche zum Siege verhelfen. ö
Es muß hier besonders betont werden, daß die Probleme der Tierseuchenbekämpfung keineswegs rein wissenschaftlicher Art sind, sondern zum großen Teil wirtschaftlicher. Der mangelnde Erfolg, der bei der Bekämpfung gewisser Tierseuchen noch zu verzeichnen ist, ist häufig nicht der Wissenschaft zur Last zu legen, die die ge⸗ eigneten Waffen liefert, sondern denen, die sie nicht oder nicht richtig anwenden. Der Schwerpunkt bei der Bekämpfung einer Reihe von Tierseuchen liegt in der verständnisvollen Mitarbeit der Tier⸗ besitzer, die die tierärztlichen Maßnahmen wirksam unterstützen soll. Nur mit wenigen Strichen und stizzenhaft konnte innerhalb des verfügbaren engen Rahmens ein Bild von den Tierseuchen gegeben
folge bei der Bekämpfung der TDierseuchen bleibt aber auf diesem Gebiete noch viel zu tun übrig. Nur mit wenigen Worten will ich dies hier andeuten. Die Erreger einer Reihe von Infektionskrank⸗ heiten, wie z. B. der Ninderpest, der Schweinepest, der Brustseuche des Pferdes, der Tollwut, der Staupe der Hunde, der Geflügel⸗ pest u. a., sind trotz eifriger Be⸗ mühungen zahlreicher Forscher noch unbekannt.
Eine überaus gefährliche Seuche, die ansteckende Blutarmut der Pferde, die vor dem Kriege nur herdweise an der Westgrenze Deutschlands aufgetreten war, ist durch zurückkehrende Armeepferde in viele einheimische Pferde⸗ bestände eingeschleppt worden und hat allerorts große wirtschaftliche Werte zerstört. Trotz aller erdenk⸗ lichen Bemühungen der Wissen⸗ schaft und mancher Erfolge gegen⸗ über dieser Seuche ist es noch nicht gelungen, sie niederzuringen.
In Oberhessen ist in der letzten Zeit die seuchenhafte Gehirn- und Rückenmarksentzündung(Bor⸗ nasche Krankheit) bei Pferden in starkem Amfange aufgetreten und hat viele Opfer gefordert. Ihre Arsache ist noch in Dunkel gehüllt.
Die Maul- und Klauenseuche richtet noch immer viel zu viel An⸗ heil an. Die neuesten Forschungen über diese Seuche berechtigen zwar zu der Hoffnung, daß es gelingen
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werden. Aber es dürfte doch zeigen, welch große land⸗ und volkswirtschaftliche sowie sanitäre Bedeutung ihnen zukommt, zu⸗ gleich aber auch, welch dringen⸗ dem Bedürfnis die Errichtung eines Tierseucheninstitutes an der Veterinärmedizinischen Fakultät unserer Landesuniversität ent⸗ sprach. Zur Ausbildung der Stu⸗ dierenden und zur Fortbildung der Tierärzte auf diesem so wichtigen Gebiete tierärztlicher Betätigung, zur wissenschaftlichen Erforschung der Tierseuchen, zur wissenschaft⸗ lich⸗praktischen Mitarbeit bei ihrer Bekämpfung ist dieses Institut bestimmt. In schwerer Zeit, un⸗ mittelbar nach dem Kriege, der mit einer nicht zu verkennenden Deutlichkeit den hohen Wert der veterinärmedizinischen Wissen⸗ schaft gerade auf diesem Gebiete kennen und schätzen lehrte, ist es ins Leben gerufen worden. Eine schon längst und recht empfindlich fühlbar gewordene Lücke wurde da⸗ mit an der Veterinärmedizinischen Fakultät unserer Landesuniversität ausgefüllt. Der Staatsregierung und dem Landtag gebührt für die weitblickende Fürsorge sowie für die opferwillige Bereitstellung der Geldmittel zum Bau und zur Einrichtung des Institutes größter Dank. Eine weithin werbende Kraft und eine segensreiche Wir⸗ kung wird, wie Beispiele in anderen Staaten zeigen, zum Nutzen der
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wird, mit einem wirksamen Schutz⸗ impfverfahren ihr zu begegnen, aber große wissenschaftliche An⸗ strengungen werden noch nötig sein, um zu erreichen, daß die Seuche vor den Grenzen Deutschlands Halt macht.
„Die Schweinepest, die zur Zeit gefährlichste Seuche der Schweine, wird zwar mit Hilfe von Abwehrmaßnahmen und von Impfungen eingedämmt, aber bis zu dem weiteren Ziel, ihrer gänzlichen
Flur im Tierseucheninstitut.
heimischen Landwirtschaft bei ziel⸗ bewußter Mitarbeit der Tierärzte des Landes und der Landwirte von dem Tierseucheninstitut ausgehen. Möge es ihm nie an Freunden und Förderern fehlen, die ihm mit der wohlwollenden Gesinnung auch die zur Erfüllung seiner wichtigen Aufgaben so dringend erforderliche, tatkräftige Anterstützung mit Geldmitteln zuteil werden lassen. 8
Fördern Sie die Bestrebungen der Gießener Hochschulgesellschaft durch Ihren Beitritt.“ Anmeldungen sind schrifflich oder mündlich nach Johannesstraße 17 zu richten
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