Tausende und Abertausende von

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Der Kreisdirektor des Kreises Schotten, Herr Geheimrat Boeckmann:

Eine innigere Gestaltung der Beziehungen der Bevölkerung unsres Kreises im allgemeinen und der schaffenden Erwerbsstände, vor allem der Landwirtschaft, im besonderen zur Gießener Hochschule, ihren Lehrkräften und Instituten

wird zweifellos von großer Bedeutung sein. Bisher schon haben das Landwirtschaftliche und das Veterinärwissenschaftliche

Institut eine überaus segensreiche Tätigkeit für die Förderung der Viehzucht und Erkennung und Bekämpfung von Vieh krankheiten im Kreise entfaltet. Sodann ist bei unserer Bevölkerung das Bedürfnis nach belehrenden wissenschaftlichen Vorträgen lebendig. Sie werden in den Landstädtchen sicher auf erhebliches Interesse rechnen dürfen, vorausgesetzt, daß die Vortragenden verstehen, sich dem Verständnis weiterer Kreise einigermaßen anzupassen. Es ist damit ganz ähnlich

wie bei dem Bedürfnis nach guter Musik.

Ich werde gerne mithelfen, die hohen Ziele der Gießener Hochschulgesellschaft, deren Mitglied unser Kreis ja ist,

zum Segen des Vogelsberges und seiner Bevölkerung zu verwirklichen.

Schotten, den 1. September 1924.

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Ueber Tierseuchen.

Von Professor Dr. W. Zwick.

Die durch kleinste Lebewesen(Mikroorganismen) verursachten Seuchen der Haustiere verbreiten sich wie die des Menschen auf dem Wege der Ansteckung, entweder unmittelbar von einem kranken Tier auf ein gesundes oder mittelbar, durch Zwischenträger, an denen die Krankheitserreger haften. Einige Seuchen, wie z. B. der Milzbrand, die Tollwut, die Tuberkulose, können fast sämtliche Haustiere, ja sogar wilde Tiere a ergreifen. Andere beschränken sich auf eine oder wenige Tierarten, so die Ninderpest und die Lungen⸗ 8 seuche auf das Rind, der Rotz,,ñ⸗Æk0 die Druse und die Brustseuche auf das Pferdegeschlecht, der Rot⸗ lauf, die Schweineseuche und die Schweinepest auf das Schwein, die Geflügelcholera und Hühnerpest auf das Geflügel. Gewisse Tier seuchen, darunter einige recht ge⸗ fährliche, wie der Milzbrand, der Notz, die Tollwut, die Maul⸗ und Klauenseuche, die Tuberkulose, der Schweinerotlauf, sind auch auf den Menschen übertragbar.

Bei dem hohen national⸗ ökonomischen Wert der Haustiere ist es ohne weiteres verständlich,

daß den Tierseuchen eine erhebliche N volkswirtschaftliche Bedeutung zu⸗ N

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kommt. So hat z. B. die so überaus gefährliche Ninderpest in früherer Zeit in Deutschland

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Nindern in kurzer Zeit dahin⸗

gerafft und dem Volksvermögen einen ungeheuren Schaden zu gefügt. And heute noch seufzt die Landwirtschaft schwer unter den großen Opfern, die die Maul- und Klauenseuche fast alljährlich fordert. Berücksichtigt man ihre rasche Ausbreitung über die Vieh⸗ bestände eines Landes, wobei eine große Zahl von Rindern, Schafen, Ziegen, Schweinen erkrankt, zieht man den nicht geringen wirtschaft⸗ lichen Schaden in Betracht, den die zur Bekämpfung der Seuche not⸗ wendige veterinärpolizeiliche Beschränkung des Verkehrs und Handels mit sich bringt, stellt man in Rechnung die großen Verluste an Milch und Milchprodukten, an Nachzucht, nicht selten auch an Tieren infolge von Todesfällen, sodann den nicht geringen Ausfall an Fleisch, an Arbeit, auch nach der Wiedergenesung der Tiere, so dürfte es ohne weiteres einleuchten, daß diese Seuche mit Recht zu den ver derblichsten gezählt wird. Dieser von den Landwirten so gefürchtete Gast hat sich in den Jahren 1920 und 1921 in einem in der neueren Geschichte der Maul- und Klauenseuche noch nie gekannten Amfange in Deutschland verbreitet. Viele Tausende von Vindern, Schafen, Ziegen, Schweinen, namentlich in Süd- und Mitteldeutschland, wurden von der Seuche dahingerafft. In nicht wenigen Gehöften Württembergs ist ihr sämtliches Vieh erlegen.

Neben der Maul- und Klauenseuche ist die Tuberkulose die schlimmste Geißel der Nindviehzucht. Allerdings wird die wirt schaftliche Bedeutung dieser Seuche häufig nicht richtig erkannt und sehr unterschätzt, weil sie schleichend auftritt, den seuchenhaften Charakter für das Laienauge nicht ohne weiteres und nicht so deutlich erkennen läßt wie die Maul- und Klauenseuche. Der Amfang der Tuberkuloseverseuchung unserer Nindviehbestände ist aber ein beträchtlicher, er wechselt allerdings in den verschiedenen Gegenden und Gehöften. Man kann im allgemeinen sagen, daß die Tuberkulose

da am stärksten verbreitet ist, wo eine Mehrzahl von Rindern in gemeinsamem Stallraum untergebracht ist, während sie in dem

Maße abnimmt, als die Tiere im Freien sich aufhalten. In ganz

Deutschland beträgt die Zahl der tuberkulösen Rinder etwa 20%.

Neues Tierseucheninstitut.

In den Jahren 1904 bis 1918 schwankte sie auf Grund der Statistik zwischen 17,89% und 23,47%. Gewiß erschreckende Zahlen!

Noch viel weniger als die Gefährlichkeit und volkswirtschaftliche Bedeutung der Tuberkulose ist die desansteckenden Verwerfens unserer Haustiere bekannt, im besonderen die des Verkalbens der Rinder und des Verfohlens der Pferde. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn betont wird, daß die über⸗ wiegende Mehrzahl der Fälle von Verwerfen(Verkalben, Ver⸗ fohlen, Verlammen, Verferkeln), das zur Ausstoßung einer nicht lebensfähigen Frucht vor Ablauf der normalen Trächtigkeitsdauer führt, auf Ansteckung beruht. Diese Seuche schädigt die Viehzucht in ihren Wurzeln, unterbindet den Lebensfaden der sich entwickelnden Frucht im Mutterleibe und ver⸗ hindert die erfolgreiche Be fruchtung der Muttertiere. Der durch das ansteckende Verwerfen hervorgerufene Schaden erwächst nicht nur aus dem Verluste des Kalbes, des Fohlens, des Lammes oder Ferkels und aus dem mit ihm untergegangenen Zuchtwert. Er tritt noch mehr vor Augen angesichts der Tat⸗ sachen, daß durch das ansteckende Verwerfen in land wirtschaftlichen Betrieben die Zucht völlig lahm⸗ gelegt werden kann, die Milch⸗ produktion eine schwere Beein⸗ trächtigung erfährt, die Muttertiere in ihrer Gesundheit und Zuchttauglichkeit notleiden, ja sogar häufig von der Zucht völlig ausgeschlossen werden müssen. Zieht man noch den ansteckenden und schleichenden Charakter der Krankheit und ihre fortwährende Zunahme in Betracht, so wird über ihre land- und volkswirtschaft⸗ liche Bedeutung ein Zweifel nicht mehr bestehen.

Erhebliche Werte gehen ferner der Landwirtschaft verloren durch die ansteckenden Krankheiten der Jungtiere(der Fohlen, der Kälber, der Lämmer, der Ferkel). Diese Infektionskrankheiten bedrohen das Leben der Säuglinge schon in den ersten Lebenstagen. Es ist keine seltene Erscheinung, daß in einem Gehöfte unter ihrem Einflusse fast alle Jungtiere, z. B. Kälber, verenden.

Diese wenigen aufgeführten Beispiele dürften genügend zeigen, welch große Rolle der Tierseuchenbekämpfung und der Tierseuchen⸗ forschung, die jener als Grundlage und Wegweiser dient, zukommt.

Aufgabe der Seuchenforschung ist es, die Krankheitserreger zu finden, ihre Eigenschaften kennen zu lernen, die Art und Weise ihres Eindringens in den Körper der Haustiere aufzudecken, den Verbreitungswegen des Krankheitserregers nachzuspüren, die Be⸗ dingungen des Zustandekommens einer Ansteckung zu untersuchen, die Reaktionserscheinungen und die Krankheitssymptome des infi⸗ zierten Organismus zu verfolgen. Die genaue Kenntnis der Krank⸗ heitserreger, ihrer Eigenschaften, ihrer Lebensweise und Lebens⸗ bedingungen, ihrer Wirkung in dem von ihnen ergriffenen Tierkörper, eröffnet und vertieft das Verständnis für die Natur, die Ausbreitung und den Verlauf der Seuchen, gibt Fingerzeige für die sichere und zuverlässige Erkennung der Infektionskrankheiten, ist die Voraus- setzung für die Herstellung wirksamer Impfstoffe sowie die Verwen⸗ dung geeigneter Desinfektionsmittel und bildet überhaupt die Anterlage für zweckmäßige Maßnahmen zur Abwehr und zur Ver hütung der Weiterverbreitung der Tierseuchen.

Schon mancher Erfolg ist im Kampfe gegen diese verderblichen Feinde der Tierzucht erzielt worden. Seuchen wie die Minderpest,

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