Einzelbild herunterladen

gen 3000 bei der Provinzialtagswahl. Auf Grund der amtlichen Wahlergebnisse fallen

drgan der Evans

Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.

Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert.

Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)

R

1. Jahrgang.

1 1 0

Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck⸗ und Ausgabestelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.

Verlag: Evangelische Vollsgemeinschaft.

am Ort 15 Pfg., die 90mm breite Kleinzeile im Text 120 Pfg.,

Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei

Vergünstigung.

Wiederholungen

Sonnabend, den

ieee eee eee, ö.*

dovember 1925.

Mus lehren uns die oberhessijchen Wahlen am 15. November 19252

Von Pfarrer Weidner-⸗Ober⸗Lais.

Die Evangelische Volksgemeinschaft hatte für die Kreis⸗ und Provinzialtagswahlen am 15. November in der Provinz Oberhessen zum ersten Mal eigene Wahlvorschläge eingereicht. Mit Ausnahme vom Kreis Alsfeld, wo unser Wahlvorschlagbeanstandet wurde, standen unsere Listen zur Wahl. Die Wahler⸗ gebnisse waren folgende:

a) Provinzialtagswahl.

1. Kreis Alsfeld 375 Stimmen 2. Kreis Büdingen 576 Stimmen 3. Kreis Friedberg 566 Stimmen 4. Kreis Gießen Stimmen 5. Kreis Lauterbach Stimmen 6. Kreis Schotten 5 Stimmen

Stimmen 1. Kreis Büdingen 742 Stimmen 2. Kreis 8 650 Stimmen 3. Kreis Gießen 762 Stimmen 4. Kreis Lauterbach 528 Stimmen 5. Kreis Schotten 702 Stimmen

3 384 Stimmen Hier fehlt Alsfeld. Da in den hauptsächlich länd⸗ lichen Kreisen Schotten, Lauterbach und Büdingen, wie aus obigen Zahlen deutlich ersichtlich ist, bei den Kreiswahlen in jedem Kreis 200 Stimmen mehr für unsere Listen abgegeben wurden, als bei der Wahl für die Provinz, scheinbar hat man der Provinzwahl

weniger Beachtung geschenkt! so dürfen wir an⸗ nehmen, daß auch in dem vornehmlich ländlichen Kreis

Alsfeld noch 200 Stimmen, also 575 bis 600, bei einer Kreiswahl bekommen hätten. Wir hätten dann bei den 6 Kreiswahlen rund 4000 Stimmen gehabt ge⸗

2

der Ev. Volksgemeinschaft zu: 2 Sitze im Kreis Schot⸗

ten, je 1 Sitz im Kreis Lauterbach und Büdingen, so⸗

wie 1 Sitz im Provinzialtag. Gewählt sind: 1. Im Kreis Schotten: Bürgermeister Knodt⸗Eichelsdorf und Landwirt Kneipp⸗Burkhards. 2. Im Kreis Büdingen: Bürgermeister Hensel⸗ Hirzenhain. 3. Im Kreis Lauterbach: Bürgermeister und Landwirt Stock⸗Blitzenrod. Für den Provinzialtag: Bürgermeister Völker⸗Lich.

Zwei⸗ Die Evangelische Volksgemeinschaft

Was lehren uns diese Wahlergebnisse? fellos doch dies:

Auftreten mit eignen Listen recht viele Anhänger ge⸗ funden. Unsere Erwartungen sind nicht enttäuscht wor⸗ den, im Gegenteil in manchen Kreisen sind sie übertrof fen worden. Anser schöner Anfangserfolg wird von je⸗ dem Unbefangenen um so höher bewertet werden, wenn bedacht wird, daß die Provinz evangelisch ist, daß also der natürliche Boden für un⸗ sere Bewegung hier fehlt. Mit dem Wahlergebnis dürfte der Beweis erbracht sein; daß große Teile der evangelischen Bevölkerung auf die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft gewartet haben, daß unsere Bewegung also notwendig ist, daß Ev. Volksgem. das Gebot der Stun⸗ de ist, daß der Ev. Volksgem. großes Interesse entgegen⸗ gebracht wird. Einer unserer Kandidaten ler ist ge⸗ wählt) schrieb:Die Sache der Ev. Volksgem. erweckt in unserem Kreise viel mehr Interesse als je gedacht wurde. Von allen Seiten, besonders auch aus Beam⸗ tenkreisen, erhalte ich zustimmende Erklärungen, werde gebeten, die Sache mehr zu veröffentlichen und auch wenn möglich noch vor der Wahl eine Versammlung in unserer Kreisstadt abzuhalten. Auch auf den Dör⸗ fern wurde der Wunsch nach Versammlungen laut. Hätten die Wünsche nach Versammlungen erfüllt werden können, wir hätten einen noch viel größeren Wahlerfolg erzielt. Nur 9 neun Persammlungen wurden abgehalten(die Provinz hat über 400 Orte!) und zwar 2 im Kreis Büdingen, 1 im Kreis Friedberg,

1 im Kreis Gießen, 2 im Kreis Lauterbach und 3 im

Kreis Schotten; an diesen wenigen Orten, wo wir in zum Teil stark besuchten Versammlungen die Ziele der Ev. Volksgem. darlegen konnten, ist für uns durchweg sehr gut gewählt worden. Dabei ist und das ist be⸗ sonders erfreulich nachweisbar, daß die Stimmen aus allen Ständen des schaffenden Volkes, aus Arbeiter-, Bauern⸗ und Beamtenkreisen sowie aus dem Mittel⸗ stand gekommen sind trotz der Warnung derOberhessi⸗ schen Volkszeitung und der gelinde gesagt un⸗ wahrhaftigen Kampfweise des Hessischen Landbundes gegen uns.(Wir kommen ausführlich in einer der näch⸗ sten Nummern unserer Zeitung hierauf zurück). Nehmen wir dazu, daß auch an vielen Orten, an denen Wesen und Ziele der Ev. Volksgem. nicht näher bekannt waren, beträchtliche Stimmen für unsere Sache abgegeben worden sind, so dürfen wir sagen:

Die Wahlen vom 15. November in der Pro⸗ vinz Oberkessen lehren uns, daß die Evangelische Volksgemeinschaft von einem beträchtlichen Teil der evangelischen Bevölkerung Oberhessens als selbständige evangelische Partei im öffentlichen Leben nach den Vorkammnissen der letzten Jahre, gewünscht wird quod erat demonstrandum!

g Hg*

Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. unser Mund voll Lachens, und unsere Zunge voll Rüh⸗ mens sein. Da wird man sagen unter den Heiden: Der Hert hat Großes an ihnen getan. Der Herr hat Großes an uns getan; des sind wird fröhlich.

Psalm 126, 1 3.

Ein neues Kirchenjahr beginnt heute wieder. Haben wir eigentlich viel auf das Kirchenjahr geachtet? War das Kalenderjahr nicht uns viel wichtiger? Das Kalenderjahr ist das weltliche Jahr. Das Kirchenjahr ist das Jahr unseres Glaubenslebens. Nach dem Ka⸗ senderjahr feiern wir unsere weltliche Feste, nach dem

Kirchenjahr begehen wir unsere kirchlichen Feste. Nach

dem Kalenderjahr säen und ernten wir für unseren

Leib. Nach dem Kirchenjahr säen und ernten wir für unsere Seele.

Gewiß ist das Kalenderjahr von großer Bedeutung in unserem Leben, aber das Kirchenjahr hat eine noch viel größere Wichtigkeit. Das können wir aus der Geschichte des jüdischen Volkes lernen.

An den Wassern zu Babylon saßen sie und wein⸗ ten. Ihre Saitenspiele hingen sie an die Weiden und konnten keine Psalmen singen im fremden Lande. Unter die Verzweifelten aber trat der Prophet Gottes: Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott! Das Leid und der Streit soll ein Ende haben, die Schuld ist abgetragen. Da horchten sie alle auf. Jesaja hatte ihnen wieder Hoffnung verkündigt. Da nahmen sie wieder das Saitenspiel und sangen von der Erlösung durch ihren Gott. Dann wollen sie sein wie die Träu⸗ nenden. Dann soll ihr Mund voll Lachens sein, ihre

Dann wird

alle Welt hinein rufen: getan.

Welch einen gewaltigen Glauben hatten doch diese Juden in ihrer Gefangenschaft! Vor ihren Augen hat⸗ ten sie doch die Ketten, die ihnen die Weltmacht Baby⸗ lons geschmiedet hatte. Was hatten sie als kleines Völkchen zu hoffen gegenüber ihrer Bedrücker? Und dennoch übersprangen sie im Geiste die schwere Gegen⸗ wart und klammerten sich mit ihren geplagten Seelen an die Verheißungen ihres Gottes für die Zukunft. Vielleicht haben die Babylonier gelacht über dieses tö⸗ richte Volk und das aussichtslose Geschwätz seiner Pro⸗ pheten. Es fürchtete deshalb auch niemand in Babylon jene Erlösungssehnsucht der Juden. Sie war ja viel zu harmlos, als daß sie hätte gefährlich werden können!

Aber gerade solchen Glauben an das scheinbar Un⸗ mögliche segnet Gott. Das stolze Babel fiel. Das Perserreich trat an seine Stelle. Das Judenvolk durfte den Tag seiner Erlösung erleben. Es zog durch die Wüste in die Heimat. Da war ihr Mund voll Lachens. Der Herr hatte Großes an ihnen getan. Aber hatten sie damit schon den ganzen Frieden, die ganze Seelig⸗ keit, die ganze Erlösung erfahren? Nein. Neue Nöte und Sorgen fanden sie in der wiedergewonnenen Hei⸗ mat. Ihr Glaube und ihr Hoffen war gewiß nicht um⸗ sonst gewesen. Aber auch das mußten sie lernen, daß kein Erdenhoffen sich restlos erfüllt. Dafür ist alles Irdische zu unvollkommen. Da wurde ganz von selbst das Hoffen Judas vom Irdischen ab auf das Ewige gelenkt. Jesus Christus trat unter sein Volk. Alles Hoffen, alle Erlösungssehnsucht mußte jetzt auf ihn be⸗ zogen werden. Auf dem Boden dieses vorbereitenden Glaubens konnte Jesus sein Wort verkünden:Trach⸗

Der Herr hat Großes an uns

hat fast ohne jede Agitation gleich bei ihrem ersten

Oberhessen fast durchweg

ö

Nun heißt es allerorts wacker und tapfer für die Ev. Volksgem. arbeiten, wirken und werben! Zu die⸗ sem Zweck muß dieEvangelische Warte nun unver⸗ glich bestellt werden. Anser Ziel ist klar! Unsere Aufgabe ist, unsere Reihen zu stärken! Der bevor⸗ stehende Winter muß unsere Bewegung überall ein gut Stück vorwärts bringen! Es ist heilige Pflicht je⸗ des Freundes der Evangelischen Volksgemeinschaft hier das Seine zu tun!

**

Berechtigt das Ergebnis der oberhessischen Wahlen die Evangelische Volksgemeinschaft zu weiterer Betätigung?

Die Wahlen sind nun wieder einmal vorüber. Ruhige Zeit tritt ein und gibt uns Gelegenheit einen Rückblick zu werfen auf die Vergangenheit. In Ober⸗ hessen haben wir zum ersten Male den Versuch ge⸗ macht, eigne Listen zu Kreis⸗ und Provinzialtagswah⸗ len durchzubringen. In den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen haben viele auf das Ergebnis dieses Versuches gespannt gewartet. Da sind wir heute allen unseren Freunden und auch den lauen Zögerern schul⸗ dig, einen Ueberblick zu geben über unsere Tätigkeit bis zu den Wahlen, damit man von da aus die rechte Würdigung des Wahlergebnisses hat.

Es war ungefähr vor einem Jahre, da zunächst in kleinem Kreise die Notwendigkeit der politischen Samm⸗ lung erkannt wurde. Manches war bereits voraus⸗ gegangen. In Sachsen war eine politische Partei der evangelischen Bevölkerung ins Leben gerufen worden. Allerdings hatte diese bis jetzt noch keine Gelegenheit, zu zeigen, daß sie die evangelische Bepölkerung hinter sich hat. In Wanne hatte unser Freund Lic. Naunin bei den Stadtratswahlen auf den ersten Versuch hin ei⸗ nen nennenswerten Erfolg errungen. In Hessen er⸗ lebten wir, wie die anderen Parteien evangelische Be⸗ lange als Objekte von Kuhhändel benutzten, bei denen wir Evangelische natürlich die Geschorenen waren. Erinnern wir uns nur immer wieder an das Kloster Ilbenstadt in der evangelischen Wetterau. Im nach⸗ folgenden Winter wurden dann durch Kreisversamm⸗ lungen mehr Leute interessiert. Am 2. Juni dieses Jahres hatte sich der Gedanke einer Evangelischen Volksgemeinschaft soweit ausgebreitet, daß wir zur Gründung für ganz Deutschland schreiten konnten. Man hatte klar erkannt, daß eine Vertretung der evan⸗ gelisch⸗christlichen Weltanschauung bei den gesetzgeben⸗ den Körperschaften notwendig sei.

.. ccTTTTTTTTTTTTTT Zunge voll Rühmens. Dann wollen sie es laut in

Gewiß hatte seither der Evangelische Bund treu auf Posten gestanden. Wir danken ihm die Samm⸗ lung des evangelischen Volkes und schätzen hoch seine aufklärende Tätigkeit über konfessionelle Fragen. Wir

tet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles zufallen. Wie es damals war, so geht es uns heute in un⸗ serem Vaterlande auch. Im großen Weltkrieg litten wir unter der Hungerblockade erbarmungsloser Feinde, wir waren machtlos gegenüber dem Lügenfeldzug, der uns verächtlich machte in der ganzen Welt. Die vie⸗ len Opfer, die wir zu beklagen hatten, pflanzte die Trauer in Stadt und Land. Da kam ich auf dem We⸗

ge in ein Filial des Vogelsberges an einem Acker vor⸗

über, auf dem ein Bauersmann sein Feld pflügte. Wir kamen in ein Gespräch. Er hatte in Frankreich in Tou⸗ louse einen gefangenen Sohn.Wenn wir nur erst einmal Frieden hätten, dann wollen wir gerne alle Kriegskosten bezahlen, dann werden wir aber wieder in geordnete Wirtschaftsverhältnisse kommen. Das war im Oktober des Jahres 1918. Im nächsten Monat wurde der Wunsch nach Frieden erfüllt. Was sich der Mann ersehnte, erhielten wir, Frieden, Kriegskosten und Neuaufbau unserer Wirtschaftsverhältnisse. Ha⸗ ben wir damit wirklich die Erfüllung aller Sehnsucht erhalten? Wir ächtzen unter den Kriegskosten, wir brachen bereits wirtschaftlich zusammen bis auf die dunklen Existenzen der Inflationsgewinnler. Heute neuerdings sehen wir Zusammenbruch auf Zusammen⸗ bruch in der Industrie. Fast jeden Tag liest man in den Zeitungen, daß so und soviele Arbeiter brotlos ge⸗ worden sind. Was helfen da alle wirtschaftlichen Or⸗ ganisationen? Nichts! Garnichts helfen sie! Sie bringen unsere Arbeiter zur Verzweiflung, weil sie sie mit ihren Hoffnungen ans Ende gebracht haben. Genau so ähnlich ist es in der Landwirtschaft. Heute war ein Kleinbauer meiner Gemeinde bei mir und erzählte, wie es um die Landwirtschaft steht. Wenn er seine