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organ der
epangelischen Voltsgemeinschaft
Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.
Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert.
Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)
Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck⸗ und Ausgabestelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M.
Verlag: Evangelische Volksgemeinschaft.
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Vergünstigung.
1. Jahrgang.
Auszug aus den Nichflimen der Evangelischen Boltsgemelnfcha
Der Crist muß sich wie kein anderer für das Schick⸗ sal seines Volkes und das Wohl aller Volksgenossen verantwortlich fühlen. Dieses Verantwortungsgefühl gibt uns das Recht und legt uns die Pflicht auf zur Gründung der Evangelischen Volksgemeinschaft, umso⸗ mehr als keine der bestehenden Parteien die evangeli⸗ schen Belange wirksam vertreten und die überragende Bedeutung christlicher und sozialer Gedanken für die Gesundung unseres kranken Volkslörpers in den Par⸗ lamenten bisher ins Licht gestellt hat.
Von dem Mutterboden evangelischen Christentums aus muß unserem Volk die innere Kraft zugeführt wer⸗ den, die es zur Wiedergesundung braucht. Das gesamte Kultur⸗ und Geistesleben des Staates ist mit den Kräf⸗ ten des Evangeliums zu durchdringen. Evangelisch⸗ sozialer Anschauung muß auf dem großen Gebiet der Volkswirtschaft zum Sieg verholfen werden.— Nach diesen Grundsätzen formen wir unser Programm.
1. Kultur.
Alle feine Kultur und Lebensfreude wächst nur
auf dem Mutterboden der religiosen Ehrfurcht, und
die Menschen sind auf allen Gebieten nur dann produl⸗ tiv, wenn ihr Geist vom Hauch der Religion befruchtet ist.
In Fragen der Weltanschauung gilt darum unser Kampf dem Atheismus und Materialismus— nicht inder dem Altramontanismus, der im neuzeitlichen Staat weit mehr als früher in der Macht sitzend das Evangelium und das deutsche Volkstum bedroht. Wir
wollen gütige Verständigung und gerechten Ausgleich
zwischen Staat und Kirche.
tes sind.
Das gegenseitige Verständnis der Konsessionen zu fördern, liegt im Wesen des Evangeliums. Der Einfluß der evangelischen Kirche dungswesen, Kunst und Literatur ist zu wah bei der Jugendpflege.
5 ebenso Wir wollen Naum schafsen fi haf
volle Auswirkung christlicher Geisteskräfte im öffent⸗ ge
lichen Leben.
Der Eckpfeiler aller Kutur ist die Schule. Sie soll zu den lebensnotwendigen Keuntnissen, zur Sitten⸗ und Charakterbildung verhelfen. Rechte christliche Er⸗ ziehung muß durch die Schule gesichert sein, weil sie für Familie und Gemeinde, für Volk und Staat von grund⸗ legender Bedeutung ist. Der Religionsunterricht, der
— nn——.—— r Lolensongtag. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Offenbarung Johannes 14,13.
Heute gehen wir hinaus auf den Gottesacler, wo die Reihen der Gräber liegen. Dort liegen Grab au Grab die Exwachsenen, hier liegen die Kinder, Hügel an Hügel. Es ist ein ernster Gang zu diesen Gräbern. Ach, sie haben alle einmal gelebt, haben alle anderen Menschen etwas gegolten. Dann sind unsere Lieben, die kleinen und die großen, dahingegangen. Wir ha⸗ ben ihnen hier auf dem Gottesacker eine Stätte berei⸗ tet, haben die Erde zur Erde, die Asche zur Asche, den Staub zum Staube gelegt. Einen Erdhügel haben wir darüber aufgeworfen, ein Kreuz haben wir darauf gestellt. Da ruhen sie alle so still, so brüderlich neben einander.
Was soll aber das Kreuz auf diesen Gräbern? Nicht alle haben ja ein Kreuz. Dort steht eine abge⸗ brochene Säule, das Bild der Hoffnungslosigkeit, das
Bild der Zerstörung. Darunter steht:„Unsere Minna
verlorenes Glück“. Wie sieht das Denkmal so trost⸗ los aus, wie klingt aus der Inschrift hervor der dumpfe Ton der Resignation. Schauen wir uns um nach all diesen Grabsteinen mit ihren verschiedenen Aufschrif⸗ ten, dann ist es gerade so, als ob die einzelnen Hinter⸗ bliebenen um die Gräber stünden und ihr Glaubens⸗ bekenntnis ablegten. Was sind das oft farblose, nüch⸗ terne Aufschriften, wenn wir lesen:„Das arme Herz, vom Schmerz bewegt, kommt erst zu Ruh', wenn's nicht mehr schlägt“, oder„wer liebend wirkt, bis ihm die Kraft gebricht, und segnend stirbt, ach den vergißt man nicht“. Weiter als über den Tod sind die Schrei ber dieser Inschriften nicht hinausgekommen. Der Tod ist ihnen das große Halt, das Ende. Slaubst du auch, daß es mit dem Tode zu Ende sei? Du denkst vielleicht, das sei der natürlichste und
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Das ist notwendig, weil
dieselben Menschen Glieder der Kirche und des Staa- dem Grund des Christentums die Sammlung aller
auf das Volksbil⸗
die Inflation schwer gese
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zusbesondere der christlichen Erziehung dient, muß or⸗ dentliches Lehrfach in allen Schulen bleiben. 2. Volkswirtschaft.
Materialismus und Egoismus— Mangel an echt christlichem Geist und Brudersinn— ist es, was zu der unheilvollen Vergiftung des Wirtschaftslebens und der furchtbaren Verschärfung der sozialen Gegensätze geführt hat, welche eine große Gefahr für die deutsche Volks⸗ wirtschaft bedeuten. Aeußere soziale Forderungen und Maßnahmen bauen das wirtschaftliche Leben allein nicht auf. Mahrhaft soziale Gefinnung wüchst nur auf dem Boden des Christentums.
Den Arbeitgebern aller Art legt die größere wirt⸗ schaftliche Macht, die sie in Händen haben, um so größere Verantwortung auf. Ist auch ihre Lage vielfach unter den obwaltenden Verhältnissen schwierig, so ist es doch
Somabend, den 21. November 10.
eine zwingende sittliche Pflicht für sie, sich vor eineß
Ausnützung ihrer Macht gegenüber wirtschaftlich Schwächeren zu hüten, vielmehr bis an die Grenze der Moglichkeit Opfer zu bringen, um nicht ohne Not Ar⸗ beiter brotlos werden zu lassen, um nicht unnötig die Arbeitszeit heraufzusetzen oder den Lohn herabzudrül⸗ den. Die Arbeiter sind nicht eine Masse, die nur abge lohnt zu werden braucht, sondern gleichzuachtende Voltsgenossen, die um ihre Gleichberechtigung ringen und ein Recht auf Anerkennung, Verständnis und Wür⸗
digung ihrer Lage und auf Berücksichtigung ihrer ma⸗ teriellen und seelischen Lage haben und denen auch die
Freiheit zu gewer unterbunden werden darf.
Die Evangelische Volksgemeinschaft erstrebt auf
ichem Zusammenschluß
Vollskreise und Berufe zum Aufbau der Volkswirt⸗ schaft. Sie wendet ihre Fürsorge besonders dem durch Mittelstand und dem zauernstand zu und und Land mit Die Evangelische Volks⸗
hädigten um sein Dasein schwer rin will allen schaffenden E gleicher Freudigkeit dienen. inschaft kämpft gegen alle u n und hen Ein ungen und erbl l Hilfe für die Schäden unf eingerung der Kluft zwi 3. Staat.
Wir achten die Verfassung und lehnen jede gewalt⸗ saine Aenderung ab. Wir würdigen das Vergangene in Ehrfurcht und achten das Bestehende verständnisvoll. e 66 einfachste Glaube. Aber wenn du einmal ruhig da⸗ rüber nachdenkst, so wirst du merken, wie ungeheuer schwer es ist, so zu glauben. Denn wenn du nur lebst, um zu sterben, dann frage dich, wozu du da bist? Hat denn dein Leben überhaupt einen Zweck? Es gäbe ja gar keine Vollkommenheit in deinem Leben! Wir kommen, lernen einiges, schaffen weniges, dann läuten die Glocken vom Turme unser Leben aus. Sie singen ein Abschiedslied:„Es war einmal“. Wirklich, ist das ein Leben? Wir stehen am Gottesacker! Mehr soll⸗ ten wir von unseren lieben Verstorbenen nicht sagen können?
Wir können, Gott sei dank, mehr sagen. Da sehen wir die Kreuze stehen. Darunter lesen wir:„Anser Heinrich— lasset die Kindlein zu mir kommen“, oder „Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Ge⸗ winn“, oder„aus Gnaden seid ihr selig geworden, nicht durch euch“. Aus diesen Inschriften ist ein anderer Glaube zu lesen. Da kommt einem der Tod nicht vor als das Ende. Nein, er ist ein neuer Anfang. Hinter dem Tode öffnet sich das persönliche Fortleben in der Ewig⸗ keit. Deshalb pflanzen wir auf die Gräber das Kreuz, das Zeigen des Glaubens und der Hoffnung. An sol⸗ chen Gräbern stehen wir nicht voller Verzweiflung und Trostlosigkeit. An diesen Gräbern stehen wir voll Zu⸗ versicht und sprechen wie der Apostel Paulus:„Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch un⸗ seren Herrn Jesum Christum.“
Ueber den Gräbern sprechen wir:„Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“. Nicht alle die To en sind selig, sondern nur die, die in dem Herrn ster⸗ n. Wir haben es also in der Hand, uns ein seliges
sichern.
erben zu Der Tod kann kommen als der d, er kann auch kommen als der sanfte Freund, der einen müden Erde heimholt zu den ewigen Hüt⸗ ten. Die de für den einen ein Schrecken
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Nummer 3.
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Wir erstreben die Einheit des Reiches, aber unter
Berücksichtigung und Erhaltung der Eigenart der deut⸗ schen Stämme. . In der des Vaterlandes betrachten wir die Schaffung einer wirklichen Volls⸗ und Schiasalsgemein⸗ schaft als unsere vornehmste Aufgabe. In Deutschlands größter Not muß bei allseitigem gutem Willen und trotz Meinungsverschiedenheiten im einzelnen eine gemein⸗ same Arbeit aller Berufsstände erreicht werden können. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.
Wir erwarten die Rettung und den Aufstieg von Volk und Vaterland in erster Linie durch christliche Perfoönlichleiten.
Die Reichstagung der Evang. Volksgemeinschaft in Gießen beschloß von der Fertigstellung eines ausführ⸗ lichen Programmes abzusehen. e war der Meinung, daß die kommende Machtverteilung im Reichstag und in den Landtagen sich weniger bestimmt nach Pro⸗ grammsätzen, die von den Wellen des Zeitstromes über⸗ lutet werden, als vielmehr nach der Haltung der Par leien zu dent Tagesfragen. Diese treten unabhängig von Programmen auf. Deshalb verzichtet die Evang. Volksgemeinschaft auf ein ausführliches Programm und wird von ihrer Grundeinstellung aus zu den jeweilig die Lage beherrschenden Einzelproblemen Stellung neh men.
Die Leitsätze der Evang. Volksgemeinschaft können von der Geschaäftsstelle(Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais)
en; 500 Stück kosten 10.— Mark.
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Was sich katholische Lehrer Seen ad Ieraben N an Offenbacher Simulanschulen leiten.
Man schreibt aus Offenbach a. M.:„Im benach⸗ barten Seligenstadt fand in der zweiten Augustwoche die Elfhundertjahrfseier zu Ehren der Schutzheiligen Marzellinus und Petrus statt. Die Festlichkeiten hat⸗ ten, wie sich die„Offenbacher Zeitung“! von ihrem ei genen Berichterstatter in Nr. 192 melden ließ, den aus⸗ gesprochenen Hauptzweck, die Glaubens⸗ und Ueberzeu gungstreue der Katholiken zu betätigen und die Er⸗ neuerung und Wiederbelebung der alljährlichen großen Wallfahrt zu den Schutzheiligen zu sichern. Die„Of⸗ fenbacher Zeitung“ wußte weiter unterm 14. August (Freitag) zu melden, daß man unter den Fremden zahl⸗ reiche Schultinder, worunter ganze Offenbacher Klas⸗
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sen, sah, die sich köstlich über das Geschaute freuten.
Sänger so getröstet spricht:„Jerusalem, du hochge⸗ baute Stadt, wollt Gott, ich wär in dir!“ Es muß nach dem Tode einen Flug in die Gottesferne geben ein Eingehen in die Kälte der ewigen Lieblosigkeit. Wer sich aber in seinem Leben an Gott gehalten und unseren Heiland Jesus Christus liebgewonnen hat der wird dem wärmenden Lichte des ewigen Leben- entgegeneilen. Darum sind selig die Toten, die in dem Herrn sterben.
Wir stehen am Gottesacker, zwar trauernd um un⸗ sere Lieben hier und in der Ferne, wenn wir besonders noch unserer im Weltkriege Gefallenen gedenken. Aber über der Trauer grüßt uns ein Himmelsglanz. Die Seligkeitshoffnung aus der Offenbarung des Johannes versöhnt uns mit dem Sterben. Die alten Märtyrer des Urchristentums sahen den Himmel für sich geöffnet und lebten ganz in dem Gedanken der einstigen Selig keit. Wir wollen heute am Totensonntag uns zu die sen Kämpfern und Siegern setzen und von ihnen ler⸗ nen, wie das ewige Leben den zeitlichen Tod über⸗ windet. Denn während wir auf dem Gottesacker an den Gräbern derer stehen, die uns voraus gegangen sind, müssen wir an die Stunde unserer eignen Heim⸗ rufung denken. Wir wissen diese Stunde nicht, ob sie frühe oder spät kommt. Wir wissen nur eines: Sie kommt bestimmt. Dann müssen wir bereitet sein, dem Jammertal dieser Erde lebewohl zu sagen. Dann müssen wir die ewige Heimat wissen. Dann laßt uns n dem Herrn sterben zur ewigen Seligkeit.
Ein Tag der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit:
o Ewigkeit so schöne,
mein Herz an dich gewöhne, 5
mein Heim ist nicht in dieser Zeit.
Br.
Amen.


