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Ebangelischen Volksgemelnschaft

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9 25 1 Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag.

Wezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus.

Far Nücsendung ungewünschter Manufkripte wird nicht garankferz.

Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Therh.)

Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Dyuck⸗ und Ausgabestelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8497 Franbfurt⸗M.

Verlag: Evangelische

Sonnabend,

1. Jahrgang.

Wenn wir den Menschen des hinter uns liegenden Zeitalters vergleichen mit dem des nachrevolutionären, dann erkennen wir in beiden ein grundsätzlich vonein⸗ ander verschiedenes Lebensgefühl: dort eine Selbstsicher⸗ heit des Lebens, die jenen Geist der Behaglichkeit und

des Frohsinns groß werden ließ, der oft durch nichts zu erschüttern war, hier ein ängstliches Ausschauen und Fragen nach einem festen Punkt, auf dem man sicher stehen kann, nachdem auch die sicher unerschütterlich fost⸗ siehenden Eckpfeiler einer brüchig gewordenen Kultur ins Wanken gerieten und kläglich zusammenbrachen.

Die Erkenntnis von dem gewaltigen Ausmaß fol⸗ chen Zusammenbrechens ist zwar nur wenigen Menschen unserer Tage ganz offenbar. Vielmehr zeugte davon oft nur ein dumpfes, unklares Gefühl. Wir Menschen sehen zunächst nur die äußere Seite alles Geschehens. Unser

Blick bleibt meist haften an den Dingen, die sich nur mit⸗

telbar beziehen auf die wahre Arsache all der Verände⸗ tungen.Kronen rollen in den Staub, so hört man die Leute sagen, und ach! wie wenig will das doch im Grunde bedeuten, gemessen an all dem andern, das erst eine andere Menschheit heraufzuführen vermochte. Unser Blick muß sich von außen nach innen richten. Ueber dem ganzen großen, weiten Einsturzgebiet Europa, jaErde genannt schwirren ruhelos die W 9 15 55 nach Lebenswerten suchen, welche unver⸗ 1 ich find. 0 ese iunere Unruhe ist das Zeichen, mit dem der Mensch unferer Tage gekennzeichnet ist. Dieses Zeichen ich kein bloßes Kainszeichen! Dieses Zeichen um⸗ schließt zwar die Not, die tiefe Not, in der wir stehen, aber es zeugt doch auch von einem Rufen und Schreien der Seele, das nach des Herrn Worte so große VPerhei⸗

gung hat:Selig sind, die da Hunger und Durst haben

nach der Gerechtigkeit, denn gerade sie sollen satt werden.

Gewiß! Es gab auch vorher in aller Welt viel Fragen nach Gott. Aber in allem lag doch mehr Zuver⸗ sicht und wenn auch diese Zuversicht nur zu oft erschlichen

war, Es durfte oft nur geringere Dinge, und schon fühlte man sichsicher in Jesu Armen. Diese Fröm⸗ migkeit entbehrte oft des tiefen Ernstes, der uns an dem

Der Ruf

Von Studienrat Dr. Hollweg⸗Oldenburg.

jungen Luther so ergreift, der bei der sauren Arbeit um die Befreiung seiner Seele aus Sklavenkettenum des Leibes Gesundheit gekommen wav. Ach, wie oft sonnte man sich in christlichen Feuer.

Diese Zuversicht, von der ich oben sprach, ist vieken verloren gegangen. Gott ist heute die große Not ihres Lebens geworden. Die Menschen leben bewußt oder unbewußt unter der Verborgenheit Gottes. Und wir 1 mit dem Gott nicht rechten, der das zugolassen

at.

Auch in weiten Kreisen der Jugend ist die Selbff⸗ verständlichkeit und Anbefangenheit dahingeschwunden, mit der sie früher nahm, was treue Wohlgemeinheit ihr gab. Wie aus fernen Zeiten klingt es an unser Ohr, wenn wir hören, daß einst bei dem jungen Geschlecht derGlaube der Väter als solcher in hohen Ehren stand. Man glaubt auch letzten persönlichen Entschei⸗ dungen aus dem Wege gehen zu müssen in einer Zeit, wo der junge Mensch seiner selbst noch nicht voll Herr ist, wo er den eigentlichen Auseinandersetzungen mit dem Leben noch entgegengeht. Dazu kommt, daß vie⸗ len das Vertrauen zu dem älteren Geschlecht zerbrochen wurde, das sich oft noch nicht einmal kümmerte um eine Ordnung der natürlichen Grundlagen eines sinnvollen Lebens, das allerlei Gefahren ins Große wachsen ließ. die den Bau unseres Gemeinschaftslebens unterwühlen mußten. Es seien hier nur drei Wirklichkeiten genannt, die zur tiefen Beschämung einer christlich⸗sein⸗wollenden Welt in unsere Zeit hineinragen: Wohnungselend, Alloholelend, Proletarierelend.

Und so erschallt denn der Nuf nach Führung um so lauter! Und merkwürdig! Aus all den scharfen Pro⸗ testen gegen all die bestehenden Autoritäten klingt hin⸗ durch die immer heißer brennende Sehnsucht nach dem Führer.

Mit erfrischender Klarheit trifft uns aus all diesen Kämpfen das deutliche Bewußtsein entgegen von der Unmöglichkeit jeder menschlichen Führung. Das ist ja der bittere Leidensweg, den eineneue Jugend 17 8 tlich

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3. Abhenl.

Da Johannes im Gefängnis die Werke Christi

hörete, sandte er feiner Jünger zweien und ließ ihm sogen: Bist Du, der da kommen soll, oder sollen wir eines andern warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: ihr sehet und höret: Die Blinden sehen, und die Lah⸗ men gehen, die Aussätzigen werden rein, und die Tau⸗ ben hören, die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt; und felig ist, der sich nicht

an mir ärgert. 1 7

Matthäus 11,2 bis 6. Fesus war gekommen und hatte sein Werk begon⸗ nen. Die Frommen im Lande schauten alle gespannt auf ihn. Besonders Johannes, der ja bei der Taufe P22 ein wunderbares Erlebnis hatte, verfolgte die Wege und Werke Jesu mit Aufmerksamkeit. Endlich sollten sich die Hoffnungen Israels erfüllen. Der Thron Davids sollte gewaltig wieder aufgerichtet werden. Das Volk sollte durch einen königlichen Richter gesäubert werden von allen verwerflichen Elementen, das Römer⸗ joch sollte abgeworfen werden. Die Frage lag auf aller Lippen: Wann wird er den Tag für gekommen erach⸗ ten, um sein Reich aufzurichten? 5

Anterdessen ging der Herr saine Wege durch die Ge⸗ meinden seiner Heimat. Wie jammerte ihn da⸗ Volk in seinem Elend. Ja wieviel Elend sah er, worum sich niemand kümmerte. Neben dem Elend sah er die Schein⸗ heiligkeit jener eingebildeten Musterfrommen, der Pha⸗ U risüer. Dazu waren Blutsauger genug im Volke, die 1 teilweise die Freundschaft der Römer, teilweise aber auch die Frömmigkeit benutzten zu ihren lichtscheuen E25 äften. Da mußte er helfen. War er doch in die Welt gekommen, nicht daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele. War er doch in die Welt gekommen, um allen zu ver⸗ künden:In Gottes Welt soll die Liebe herrschen und Gott selbst ist die Liebe. So nahm er sich alles Elends, aller Kranken und Gebrechlichen an. Wo hatte man das

geltet ihr soviel, wie die anderen auch. Gott sieht nicht Gehet hin, und saget Johannes wieder, was

früber gelaunt? Dort, wo Menschen in ihrer Armut] Phaxisäer.

keinen Hoffnungsstern hatten, da verkündete er ihnen die frohe Botschaft von der Gnade Gottes. Ja gerade diese Hungernden und Dürstenden rief er zu sich, um ihnen die aufrichtende Botschaft zu künden: Ihr seid zwar von den Menschen nicht viel geachtet, aber bei Gott

auf den Geldbeutel, Gott sieht das Herz an! Wer hat früher so wohltuend zu den Geringen im Lande geredet?

So aber hatte sich niemand den kommenden Messias vorgestellt. Da wurden die Frommen zu Zwoeiflern. Auch selbst der Täufer im Gefängnis schüttelte den Kopf Sollte das der sein, dem er den Weg bereitet hatte? Deshalb sandte er seine Jünger. Jesus fühlte mit der Not dieses Mannes, den er ja so hoch schätzte. Er wurde ihm seines Zweifels wegen nicht gram. Zweifel sind ja oft heilsam. Wer durch Zweifel sich hindurch hat ringen müssen und glücklich zu einem klaren Glauben ge⸗ langt ist, der hat einen festen Halt im Leben und im Sterben. Nur muß man den richtigen Weg gehen,

um aus den Zweifeln mit all ihren Schlingen und Fall⸗

stricken herauszukommen. Der Herr zeigt hier dem Jo⸗ hannes den richtigen Weg. Er belehrt ihn nicht lange

über seine Aufgabe, die ihm Gott gegeben. An Worten

läßt sich immer herumdeuteln. Jesus sagt ihm: Jo⸗ hannes, mach die Augen auf und beobachte, was du stehst. Da siehst du soviel, was dich überzeugen muß. Selig ist, der nicht an mir irre wird.

Johannes hatte es recht gemacht in seinom Zwer⸗ fel. Er hatte sich direkt an den Herrn gewendet. Dort bekam er geholfen. Auch heute ist unser Volk wieder voller Zweifel. Was soll ihnen Jesus, was soll ihnen das Ehristentum, was soll ihnen die Kirche? Der eine ach⸗ let nur solche Dinge, welche ihm Geld einbringen. Dem anderen sind die Opfer zu hoch, die er zur Pflege seines

Seelenlebens bringen soll. Wieder anderen ist das gö⸗

ren des Evangeliums verpönt worden, weil ihre Füh⸗

rer nur durch die Unzufriedenheit sich die Taschen füllen

können. Dritten ist das Evangelium zu unbequem in seinem Urteil über ihr verfehltes Leben. Ein vierter will etwas besonderes haben und ist hochmütig wie ein

Allen dielen i das Enangellum nicht vecht⸗

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ken, was sie vetsprechen. Ich will nicht alte Wunden aufreißen. Aber gesagt werden mußte es, daß es die Pergangenheit mit erschreckender Klarheit erwiesen hat, daß Menschen mit menschlicher Weisheitblinde I find.

ie latholische Kirche weiß dieser letzten großen Enttäuschung und der daraus nur umso stärker erwach⸗ ten Sehnsucht der Manschen nach Führung entgegenzu⸗ kommen. Auf dem Katholikentag im September 1924 in Hannover stand über der ganzen Tagung mit großen Lettern: Audite ecclesiam! Höret die Kirche! Sie weist darauf hin, eine wie lächerliche Figur der kleine Mensch ausmache, der da meint, in stolzer Ueberheb⸗ lichkeit sich selbst seine Welt⸗ und Lebensanschauung zim⸗ mern zu können.Betrunken von sich selbst so sagt

e find solche Menschen in ihrem Wahnwitz.

Aus der Begrenztheit der menschlichen Natur folge mit zwingender Notwendigkeit, daß der Mensch, den sich isoliert und nur auf sich selbst stelkt, umnach eige⸗ ner Bestimmung, var eigener Verantwortung(pergk die Meißner⸗Fobmel) zu leben, seinen Weg nicht finden Wird.

Sosche Stimmen sind wahrkich des Nachdenkens wert. Und doch kann der Nuf nach dem Führer nicht so verstanden werden, als Jönne uns irgend jemand Ne eigene Entscheidung abnehmen, das kann auch keine noch so altehrwürdige und weit verbreitete organisterte Kirche. Es ist auch nicht möglich, daß wir um zi den Welt evangelischen Glaubens zurückzukehren det Fragen von vornherein die Spitze abbrechen durch eine voreilige Berufung auf die Bibel. l

Was wir können, ist nur eins Wir können eite Welt, von der das Wort gikt,verschmachtet und zel streut wie die Schafe, die keinen Hirten haben, immer wieder sagen: verfucht es mit Jesus von Nazareth, ob Er nicht der Führer sei. Tausende aus allen Zeiten, Völker und Zungen haden es sprechen gelernt, daß Er allein würdig sei, zu nehmenKeaft un Neichtum und Weisheit und Etre und Preis und Lob. 2

Ich kenne schlichte, einfache EChristenmonscheg, die ihr ganzes Tun und Treiben von der Frage beherrscht

mußte, daß auch der jubelnd umstürmte, leiden. 19 8 2 1 geliebte Führer versagte, weilMenschen niemals hal⸗ sein lassen⸗Was würde Jesus dazu agen? Diese S ̃ůĩ

rum, heraus zu kommen aus ihren Zweifeln am Ehri⸗ Die meisten von ihnen bemühen sich auch gar nicht da⸗ stentum. Wer aber nach Klarheit sucht, dem könen wir nur den Weg zeigen, den Jesus soinem Wegbersiter ge⸗ wiesen hat.Cahet hen, unnd saget Johannes, was ihr sehet und höret!

Was sehen wir denn heute Wir sehen auch, wie dle Blinden sehen und die Lahmen gehen. Wir ehen, wie in der Nachfolge des Heikands darch die Werle der Inneren Mißsten für die Netkeidenden gesorgt wird. Wir sehen, wie durch die Boltsmission den Armen das Evangelium gepredigt wird. Wir haben gehört, wie sich die Ehristenheit in Steckholm versammelt hat, um einig und geschlosson Wege zu finden, um durch praf⸗ tisches Ehristentum dem Elend der Welt zu steuern Das Christentum, ist durch den Krieg nicht unterge? gangen. Vielmehr ist es einiger und mächtiger gewor⸗ den. Der err it noch bei soiner Gemeinde und wirkt

durch sie! 5

Welch beseligende Gewißhert it da⸗ doch in unlerer Adventszeit! Johannes war Durch alle Zweifel en als et alles betvachtete, was Jesus an Herr; lichem lehrte und tat. Wir wollen doch auch nicht blind durch unser Leben gehen, wollen sehen, was der Herz lars heute noch an Wohltaten schenkt. Dann schwiflden guch unseren Zeitgenossen alle Zweifel, dann dringen sse durch zur klaren fröhlichen Weihnachtsgewißhen Dann können alle den Geburtstag unseres Heflandes feiern nicht aus Sitte oder gem m Brauch, fonders dus innerer Neberzeu gung, daß wir unserem Seiles gerade heute wieder so wiel zu verdanken haben, der 17 auch uns verheizt: Siehe ich Hin bei euch alke Tage ks an det Welt Ende.

Aller Drost und alle Frede kicht in dir, Herr Jesu Ehrestz dein Erfreuen sst die Welde, da man erst recht fröhlich ist. Leuchte mir, o Freudenlicht, ehe mir mein Herze bricht, laß mich, Herr, an di Jai. Ag Lab Big e

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