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. Jahrgang.

Sonnabend, den 10. dezember 1025.

Sthul⸗Volschewismus.

Unter dieser Ueberschrift finden wir in denLeip⸗ ziger Neuest. Nachr. einen Aufsatz über die Tagung, die kürzlich von denFreien Schulgesellschaften Deutsch⸗ lands in Dortmund abgehalten wurde. Dieser Aufsatz enthält weniger einen Bericht über den Verlauf der Ver⸗ handlungen, als vielmehr eine Charakteristik, auf die es sich lohnt, eben jetzt die Aufmerksamkeit zu lenken. Es zeigt sich, wie Schul- und Erziehungsfragen im Lichte einer unverfälschten sozialdemokratischen Weltanschau⸗ ung aussehen. Daher soll nachstehend einiges aus dieser Schilderung hervorgehoben werden. Es heißt da:

Schon Namen und Person der beiden Hauptred⸗ er waren charakteristisch genug. Der eine war der so⸗ zialistische Universitätsprofessor Dr. Adler aus Wien, für den die Begriffe Soziologie und Marxismus ein⸗ und dasselbe sind, der andere der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Löwenstein, der vielumstrittene Berliner Schulrat in Neukölln, der ein glühender Hasser jeglicher Art von Autorität ist.

Professor Adler bezeichnete dieweltliche Schule als dieSchule des Klassenkampfes. Der Lehrer soll die Schüler zu brauchbaren Klassenkämpfern machen. Beinahe noch schöner aber ist, was von Dr. wen⸗ stein gesagt wird:

Dr. Löwenstein hat sich in seine marxistische

Kleinwelt so eingebissen, daß er überhaupt nichts an⸗

deres mehr zu sehen scheint, was außerhalb des sozial⸗ demokratischen Ghetto vor sich geht. Für ihn gibt es Ghratte Werte mehr, die gesellschaftsgestaltenden Eharakters sind, nicht kirchliche, nicht re⸗ ligiöse, nicht solche auf dem Gebiete des Ge⸗ schlechtswesens. Er erklärt sich gegen das spießbürger⸗ liche Familienleben und verlangt eine bewußte Er⸗ ziehung zum Sozialismus.Wir haben nicht nötig, in Spekulation zu machen, ob Religion sein soll. Des⸗ halb ist es auch richtig, daß aus dem sozialdemokra⸗ tischen Programm der Satz: Religion ist Privatsache, gestrichen worden ist. Religion ist Privatsache. (Beifall.) Nach Dr. Löwenstein ist es eine Tatsache, daß die gesamte kirchlichen Formen heute aus dem Wirtschaftsleben ganz verschwunden sind.Was aber gesellschaftlich nichts mehr bedeutet, bedeutet auch er⸗ zieherisch nichts mehr für die werdende Gesellschaft, für unsere Jugend. Auch die Autorität der Eltern läßt Dr. Löwenstein im sozialdemokratischen Schul⸗ ghetto nicht gelten: Die ganze Einstellung vom Standpunkt der Erziehungsberechtigten ist falsch. Nicht der Erziehungsberechtigte ist der entscheidende Faktor; denn das Wachstum der Kinder geht nicht vom n Erztehungsberecht 405 aus. Heute, wo wir

Ansprathe bei Einweihung des 1106er Jenmals in Gießen.

Von Divisionspfarrer Haupt. Ueber Joh. 15,3.

Es ist nicht bloß Erinnerung, Kameraden, die mich heute förmlich hierher treibt, Erinnerung, die wie ein gewaltiger Geist größer als alles andere heute vor uns steht. Erinnerung an die Toten, derer, denen dies Denkmal gilt und die ich selbst in Frankreich und in Polen, in den Karpathen und in Galizien gesehen habe. Es ist auch nicht bloß Dankbarkeit, die ja garnicht groß genug sein kann. Es ist vor allem die große religiöfe Idee, die heute fest, körperhaft greifbar vor uns steht, die Idee, welche das Johannesevangelium mit den Worten beschreibt:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässe für seine Freunde.

Man kann gewiß nicht sagen, daß diese Tat in ihrer Größe und Wahrheit allgemein ergriffen wäre. Mit unseren Regimen⸗ tern zog ein junger hessischer Geistlicher ins Feld, den diese Idee trieb. Er wollte sein Leben geben für seine Freunde. Mit Tränen ließ ihn seine Gemeinde scheiden, denn er war sehr be⸗ liebt. Bei Inowlodz in der Nähe vor Tomasvar ist er in der Ne wacht 1916 gefallen. Sein Tod wirkte auf seine Ge⸗ meinde, wie ein furchtbarer nicht zu begreifender Schlag. Eine Frau trat aus der Kirche aus, weil sie sich sagte: Es gibt leinen Gott, wenn so twas geschehen kann, es gibt nur rohes, Menschen nichtachtendes Schicksal. So denken Viele. Ganz fremd ist ih⸗ ven die Wahrheit des Wortes:

Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.

Religion ist ihnen Lebenserleichterung, Befreiung von Sor⸗ ge, Poesie fürs Dasein, Lebens⸗ und Unfallversicherung.

Eigentlich unbegreiflich! Unser Heiland war doch kein schön geistiger Professor, der in einer Villa am See Genezareth schöne Reden schrieb fürs Publikum. Sein Leben war doch nicht ein

fentliche Menschen geworden sind, kann der Erzie⸗ hungsberechtigte diese Frage nicht mehr lösen. El⸗ ternwerte nehmen wir wie andere Tatsachen des bürgerlichen Lebens hin, um sie zu über⸗ winden.

Man kann nur zustimmen, wenn es in den Schluß⸗ bemerkungen des hier zitierten Aufsatzes heißt:Das parlamentarisch⸗politische Leben der Gegenwart trägt viel zur Verschleierung des wahren Charakters der So⸗ zialdemokratie bei. In dieser Genossenversammlung ha⸗ ben wir das alte, echte, wesenswahre Gesicht der Sozial⸗ demokratie wiedergefunden. Hier stand der erklärte Feind jeglicher Autorität, der kirchlichen, der staatlichen, der gesellschaftlichen, auch der elterlichen, unverhüllt vor uns. Er verlangt nicht nur die Sozialisierung der Pro⸗ duktion ittel, sondern auch die Sozialisierung der Fa⸗ milie, die Sazialisierung des Kindes das losgelöst von Vater und Mutter, losgelöst von Kirche und Glaube, zwangsmäßig geformt wer rden soll, zum willenlosen Werkjeug des Klassenkampfes.

Evangelischer Volksgenosse merke dir das und wahre deine Rechte. Mache deine evangischen Mit⸗ brüder auf das Unwetter, das dir hier droht, auf⸗ merksam

Die wichliaften heuligen Arbeitsfelder der deulschen evangelischen Miffion.

Von Missionar Lauk in Frankfurt a. M.

Die Frage, welche Arbeitsfelder die deutsche evangelische Mission heut noch hat oder inwieweit sie Zugang zu ihren alten Arbeitsfeldern wieder erlangt hat, beschäftigt heute viele Ge⸗ müter. Auf die Zeit der Ermattung und Erlahmung nach den über uns hereingebrochenen Schicksalsschlägen, macht sich ein ge⸗ sunder Zug zur Betätigung bemerkbar.

Die Erkenntnis, daß es sich bei dem deutschen Anteil an der Weltmission um einen wertvollen Besitz der deutschen Christen⸗ heit handelt, den wir zu wahren haben, ringt sich durch. Der Ansturm der feindlichen Mächte gegen die deutsche Mission wäre sicher nicht so hestig gewesen, man hätte sich nicht so schmutziger und gewaltiger Mittel gegen die Arbeit der deutschen Missionen bedient, wenn sie eine belanglose Erscheinung wäre. Aber ge⸗ rade in diesen Prüfungen hat sich die Gediegenheit des deutschen Missionswerkes erwiesen. Wie die eingeborenen Christen Treue und Festigkeit, Liebe und Anhänglichkeit und damit auch Dank⸗ barkeit gezeigt haben, dafür haben wir viele herrliche Beweise. Keine Feindesmacht konnte dies zerstören, was unter so großen Liebesopfern gebaut worden ist. Es bedarf keines Beweises mehr, daß die deutschen Missionsgebiete uns gehören und uns damit ein hei 8 Erbe anvertraut ist

Befreitsein von. und Not. Gethsemane zeigt doch, wie groß er des Lebens Last und Hitze zu tragen hatte. Als der Tod zu ihm kam, kam er doch nicht zu einem Alten, der müd und satt von des Lebens Tafel schied. Er kam doch nicht zu einem Reichen, der im goldenen Sarge lag. Er kam doch zu einem Jungen, zu einem 33jährigen ans Kreuz auf Golgatha. Ge⸗ rade das Leben des Gottessohnes ist doch die Predigt von dem Wort:

Niemand hat größere Liebe denn die,

daß er sein Leben lässet für seine Freunde.

Aber Tausende, die sich nach ihm nennen, verstehen diese Predigt einfach nicht.

Aber Tausende von Euch haben sie verstanden, Ihr toten Kameraden! Ich sage das nicht, weil es so üblich ist, weil's Glorienschein wäre, der Entsetzliches verklärt. Ich sage das, weil ich es erlebt habe. Wie mancher sterbende Soldat hat mich gebeten:Sagen Sie es der Mutter nicht, daß wir so tollkühn drauf gegangen sind. Wir ließen alles dahinten, wir dachten nur ans Vaterland.

Das war der Geist von Anloy und Quesnoy, der Geist, von dem der Armeebefehl am 20. März 1916, der ja gerade dem Re⸗ giment 116 gilt, spricht:Wo Hessen schlagen, hält kein Franz⸗ mann stand. Und wenn sie es nicht gesagt hätten, wenn man's nicht geschrieben hätte, man hätte es gefühlt. Wo sopfel Liebe ist, schafft sie um sich eine Atmosphäre von Liebe. Regimenter waren doch Familien, von denen man mit Kummer im Her⸗ zen schied. In den Anterständen ging's doch traulicher zu, als vielfach daheim, wo nur zu schnell der Egoismus die Gemüter verdarb. Es war auch nicht Begeisterungsrausch, der nicht ge⸗ fühlt hätte, daß er in Blut und Eisen starb. Wie oft ist gesagt

worden: Es eigentlich furchtbar. Was hat mir der Franz⸗ mann, was der Russe getan, daß ich auf ihn schießen muß? Aber es t nicht anders, es muß sein, die be be⸗ fiehlt's. Wenn wir hier nicht stehen, müssen Frauen un, Kinder kämpfen. Es war wirklich ein Ergriffensein von der heiligen Idee:

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In nich mißverständlicher Weise hat uns aber auch Golt gezeigt, daß er unsere Mitarbeit an der Weltmission haben will. Das offenbart sich ganz besonders in der Art und Weise, wie uns der Zugang zu unsern alten Missionsgebieten wieder geschenkt worden ist. Nicht diplomatische Verhandlungen oder menschliche Bemühungen haben uns den Weg neu eröffnet, sondern Gottes Führung. Dadurch erhöht sich das Maß der Verantwortung der deutschen evangelischen Mission.

Wohl sind es viele deutsche Missionsgesellschaften, ungefähr 30, die dieser großen Aufgabe gegenüber stehen und doch dürfen

wir von einer deutschen evangelischen Mission reden. Sie ist nicht in viele Lager geteilt oder durch unüberbrückbare Klüfte

der Meinungsverschiedenheit und des Bekenntnisses getrennt, sondern sie ist einesMission, die imit besonderen Gaben u. Kräften ausgestattet ist und sich als eine Einheit in Christi bekennt und erweist. Die deutsche Mission ist durch das gemeinsame Erleben noch enger zusammengeführt worden und sieht sich nun vor ge⸗ meinsame große Aufgaben und Schwierigkeiten gestellt. In welcher Weise sie diese zu lösen sucht, erwies die Zusammenkunft der Vertreter der meisten deutschen Missionsgesellschaften in Herrnhut im Oktober letzten Jahres, als über die Gabe der deut⸗ schen Mission und den Dienst mit der ihr anvertrauten Gabe ge⸗ redet wurde.

So erfreulich die Tatsachen des Bestandes der evangelischen deutschen Mission sind, müssen wir uns doch vergegenwärtigen, wie gering unser Anteil an der Weltmission im Vergleich mit anderen Völkern geworden ist. Man zählt heute 29 188 prote⸗ stantische Missionskräfte, davon entfallen auf Deutschland sämtliche Missionsarbeiter auf den Missionsgebieten gerechnet nur 580. Noch geringer ist unser Anteil, wenn wir die für die Mission aufgebrachten Mittel heranziehen. Während Amerika 180 Millionen und England 60 Millionen für die Mission sammelt, wurden bei uns in Deutschland nur ca. 3 Millionen für die Mission aufgebracht.

Bei diesem Stand der Dinge gilt es, daß, was wir haben, mit ganzer Treue und völliger Hingabe zu halten und zu vermehren.

Mit diesen Gedanken wollen wir den Rundgang auf die uns verbliebenen Arbeitsfelder antreten. Wir wollen dabei nicht etwa eine Einteilung machen von wichtig und weniger wichtig, denn unsere Missionsgebiete sind uns, wo sie sich auch befinden mögen, alle gleich wertvoll; mögen sie in ihrer ganzen Wichtig⸗ keit uns vor Augen treten.

Beginnen wir unsere Reise im fernen Osten auf dem großen stillen Ozean. Dort finden wir außer einem kleineren Missions⸗ posten die Liebenzeellr Mission auf den Admiralitätsinseln, auf Neuguinea die Rheinische und die Neudettelsauer Mission seit Ende der sber Jahre in Arbeit. Was für schwere Anfänge wa⸗ ren es doch, die die Mission unter den Papuas nahm, die einen ermordet, die anderen vom Klima dahingerafft, die übrig Ge⸗ bliebenen in zäher Arbeit und heißem Kampf stehend. In den verflossenen 30 Jahren konnten 11508 Christen bei einer Ge⸗ samtzahl von 90 000 3 1 werden. Welch er⸗

Niemand 5 hat 1 Liebe denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.

Drum schaut nicht auf zu diesem Denkmal, wie zu einem Totenmal. Es ist nicht Friedhofstein, es ist Heldenmal. Denkt nicht an Tode, die ein roher Sturm hilflos wie Blüten riß von den Bäumen des Lebens. Denkt an Männer, die heimgekehrt sind in die himmlischen Standquartiere, weil sie das höchste Ziel erreicht haben, das man erreichen kann. Denkt an dies hohe Ziel und an Menschen, die es errungen. Wir sind ja garnicht auf der Welt, um unseres Lebensschifflein klug und einträglich zu bugsieren durch die Wogen dieses Lebens. Wir sind nicht Maschinen, die einen vorgeschriebenen Gang zu laufen haben. Wir sind Menschen, Geister, die nach dem Ewigen greifen. Wir sind nicht dazu da 70 oder 80 Jahre zu leben, wir sind da, für heilige Pflichten, und die haben unsere Toten erfüllt.

Freilich dazu bedarf es keiner Kriege. Diese Pflichten gibt es auch im Frieden, gerade heute sind sie da, um erfüllt zu wer⸗ den. Tausende wohnen unter entsetzlichen Verhältnissen. Wa⸗ rum? Weil der Kompagniegeist des großen Krieges fehlt. Wir sind Einzelne, nicht Kompagnien von Brüdern. Tausende hun⸗ gern und darben, tragen entsetzliche Lasten. Denken wir an die Brüder im Osten und Süden, an unsere Brüder am Rhein. Mir sagten doch drei marokkanische Soldaten:Ihr Deutsche tut uns leid, Ihr seid jetzt gerade so Sklaven wie wir. Aber bei Euch ist es schlimm, Ihr seid ein Kulturvolk. Aber warum ist das so? Die französischen Polizeibeamten, die mich in Mainz verhafteten, gaben die Antwort:Deutschland Kadaver.

Herrgott, wir wollen kein Kadaver sein! Gib uns endlich wieder die Kraft lebensmutig, zusammenzustehen, wie ein großes Regiment. Gibt, daß die Ratenfängermelodien einer hysterisch gewordenen Politik bald verstummen. Laß deutsche Männer⸗ herzen wieder singen:Deutschland, Deutschland über Alles, Nicht mit dem Mund, mit deutschem Herz und deutscher Tat die sich aufreckt zu dem Sternen won:

Niemand hat größere Liebe denn die,

daß er sein Leben lässet für seine Freunde! Amen!