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Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Aufbewahrung oder Rücksendung nicht verlangter Manufkripte wird nicht garantiert.

Druck und Ausgabestelle: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M. Verlag: Evangelische Volksgemeinschaft. Schriftleitung: Pfarrer Hamburger in Staden(Oberh.)

Anzeigenpreise: die 3mm breite Kleinzeile auswärts 30 Pfg., am Ort 15 Pfg., die gomm breite Kleinzeile im Text 120 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit.

Vergünstigung.

Bei Wiederholungen

Samalan, den 7 Nobember 105

Gebt die

Sie muß in den weilesten evangellj

Evungelijche Warte

von haus zu Haus! chen Kreisen in Stadt und Land bekannt werden.

Evangelische Volksgenossen!

Der evangelischen Sache drohen ernste Gefahren! In fast allen Ländern des Reiches zeigen die Erfah⸗ rungen der letzten Jahre, daß wir die Unterdrückten sind. Ueberall zeigt sich der außerordentliche Einfluß die rücksichtslose Herrschaft des Zentrums. Es ist schlech⸗ lerdings unmöglich, in einem Aufruf die diesbezüglichen Fälle landauf, landab aufzuführen. In Bayern vollends räumt das Konkordat der katholischen Kirche im Staat eine Vormachtstellung ein, die diesen Vertrag gu einem Arsenal der Gegenreformation macht.

Kennst du, lieber evangelischer Glaubensgenosse, die wichtigsten Bestimmungen dieses Konkordats? Sicherlich nicht. Darum höre und staune!

1. Das bayerische Konkordat bringt durch eine grund⸗ stürzende Umgestaltung des Schulwesens die Schule völlig unter die Herrschaft der römischen Kirche.

2. Es macht in seinem ersten Artikel den Staat zum Diener der römischen Kirche.

3. Es stellt eine gröbliche Verletzung der Gleichberechtigung der Konfessionen dar(die staatlichen Zuschüsse für die katho⸗ liche Kirche sind 3⸗ bis amal höher als es dem zahlen⸗ mäßigen Verhältnis der beiden Bekenntnisse entspricht) und gefährdet so auf das schwerste den konfessionellen Frieden.

Das Konkordat räumt schon mit diesen wenigen Bestimmungen der römischen Kirche die angeblich leichmäßige Behandlung der evangelischen und katho⸗ 10 schen Kirche ist nur trügerischer Schein im bayeri⸗ schen Staat durch nichts begründete Vorrechte ein.

Nach Abschluß des Konkordats, das ein weiterer Schritt auf dem Siegeszug Roms über das evangelische Deutschland ist, ist es unsere heilige Pflicht, wachsam zu sein und zusammenzuhalten, damit das Land Luthers vor dem drohenden Reichskonkordat bewahrt bleibt. Das Verhältnis von Staat und Kirche ist nicht durch Konkordat und Staatsvertrag zu regeln, sondern durch Staatsgesetz.

Reformationsfest.

Ziehet an den Harnisch Gottes, daß ihr bestehen könnt gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herrn der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Epheser 6, 11 12.

Wir denken heute an die wuchtigen Hammerschläge, mit denen Dr. Martin Luther seine 95 Sätze an die Kirchenpforte zu Wittenberg heftete. Es war eine mutige Tat, die ganz Deutschland aufhorchen ließ. Ein Mönch wagte allein, gegen Lehren der alleinselig⸗ machenden Kirche anzukämpfen. Was wollte denn eigentlich dieser Luther? Wollte er an die Stelle der Wahrheit die Lüge setzen? Wollte er das Göttliche durch Menschliches ersetzen? Wollte er ein Neues schaffen, das sein Menschengeist sich zurecht gedacht hatte? »Nein, und abermals Neinf Solches lag diesem ernsten, nach Wahrheit suchenden Manne gänzlich fern. Nie⸗ mand hat ja wohl mehr nach Klarheit gerungen, als

unser Luther. Aber bei dem Studium der Bibel und der christlichen Geschichte hatte er einen deutlichen Unterschied kennen gelernt zwischen dem Archristentum und der römischen Papstkirche. In Kultus und Glau⸗ ben waren von außenher fremde Bestandteile hineinge⸗ ragen worden, die nicht im Sinne Jesu sein können. Da war Luthers Folgerung logisch und einfach. Was nicht im Sinne Jesu ist, das ist auch nicht göttlich. Was aber nicht göttlich ist, das ist teuflisch.

Wie nun der Apostel seine Epheser rüstet gegen die listigen Anläufe des Teufels, so war zu seiner Zeit auch Luther der Herold des deutschen Volkes, der zum Kampfe gegen alles Widergöttliche und Unchristliche aufrief. Sein Schutz war der Schild des Glaubens und der Helm des Heils, seine Angriffswaffe war das Schwert des Geistes, das Wort Gottes.Mit Fürsten und Gewaltigen hatte er zu kämpfen. Welche Macht

Auch der Hirtenbrief, den die katholischen Bischöfe Deutschlands zu Beginn des Jahres 1925 erlassen haben, verdient ernsteste Beachtung. Ganz offen wird hier der Rückkehr der Evangelischen zur katholischen Kirche das Wort geredet. Jedem Katholiken wird hier ans Herz gelegt, für diese Zurückführung zu beten!

Die Bemerkung des Zentrumsabgeordneten Wil⸗ dermann hat vollends allem Erlebten die Krone aufgesetzt. Dieser wagte am 30. April im preußischen Landtag in seinen Ausführungen anläßlich der Reichs⸗ präsidentenwahl folgenden geradezu unglaublichen Aus⸗ spruch:Der Papst und die katholische Kirche haben wiederholt den Sozialismus wie den Protestantismus als Irrlehren bezeichnet. Von uns zweifelt kein Mensch daran.

Warum ist das alles im evangelischen Deutschland möglich?

Weil die Evangelischen keine politische Organi⸗ sation und darum keine freien, unabhängigen evangeli⸗ schen Persönlichkeiten in den Parlamenten haben, die für die evangelischen Interessen mit aller Entschieden⸗ heit eintreten. Es hat sich gezeigt und zeigt sich immer wieder, daß es keine Partei gibt, die mit vollem Ernst sich geschlossen für die Vertretung der evangelischen

eltanschauung im öffentlichen Leben einsetzt. Des⸗ halb tut uns Evangelischen eine politische Einigung bitter not.

Entschließungen und Proteste, wie viele sind aller⸗ orts in den letzten Jahres gefaßt worden, sind völlig nutzlos und bringen uns keinen Schritt weiter.

Auch die Not der Zeit erfordert die aktive Mit⸗ arbeit jedes Christen an der Gestaltung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Staat und Gemeinde. Die Meinung, Politik habe mit Religion nichts zu tun, ist durchaus falsch. Diese irrige Meinung hat uns Evangelische zu der jetzt offenkundigen politi⸗ schen Machtlosigkeit geführt.

hatte er gegen sich stehen! Luther war furchtlos und treu. So steht er uns und den künftigen Zeiten als ein Vorbild des gottesfürchtigen Glaubenskämpfers.

Heute sehen wir das Erbe Luthers, des größten Wohltäters Deutschlands, wieder bedroht. Das Frei⸗ denkertum auf der einen Seite, die amerikanischen Sek⸗ ten auf der anderen Seite, suchen der Kirche der Re⸗ formation Abbruch zu tun. Dazu blähet sich Rom und sucht wie zur Reformationszeit, so auch heute, nicht mit den Waffen des Geistes, sondern mit weltlicher Gewalt, Luthers Werk zu vernichten. Mit dem Ende des Jah⸗ res 1546, dem Todesjahre des großen Reformators, be⸗ ginnt die Abwehr kriegerischer Anläufe Roms. Seit dieser Zeit haben die Bekenner des Evangeliums immer wieder weltliche Machtmittel zu spüren bekommen, wie Kriege, gewaltsame Austreibungen aus der Heimat, ge⸗ waltsame Bekehrungen zur römischen Kirche und dergl. Heute hat man andere Mittel, humanere wohl, aber deshalb nicht weniger gefährliche. Was man mit der rohen Gewalt nicht erreicht, das kann man heute auf dem Wege der Gesetzgebung erreichen. Darum suchen alle Feinde der Reformation, das Freidenkertum eben⸗ so wie Rom, Einfluß auf die Gesetzgebung in ganz Deutschland zu gewinnen. Da heißt es für die Erben der Reformation am Platze sein, zu wachen, zu beten, aber auch zu handeln! Die geistige Waffenrüstung müssen wir anlegen und Christi Sache überall da führen, wo man ihr gefährlich wird. Leben heißt ja kämpfen.

Es ist Zeit, daß wir Evangelische wach werden und uns den Kämpfer⸗ und Bekennergeist der Reformations⸗ zeit wieder erwerben. Jesu Jünger müssen ja das Kreuz nehmen und Jesu nachfolgen. So wollte es der Herr. Christ sein, heißt ein Bekenner sein. Die ersten Christen haben als Blutzeugen bekennen müssen. In der Reformationszeit sind die Feuer der Scheiterhaufen über den Bekennern zusammengeschlagen. In dem Baltenland trafen die Kugeln manches Bekennerherz.

Auch heute heißt es in Deutschland, sich zu Jesus beken-

Es ist hocherfreulich, daß in der großen Botschaft der Weltkonferenz für praktisches Christentum in Stock⸗ holm sich folgender Satz findet:

Die Konferenz hat die Pflicht anerkannt, das Evangelium auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu machen im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben.

Ohne die obersten Grundsätze des Christen⸗ tums, der Gerechtigkeit und der Liebe, können wir die moralischen und sozialen Fragen, die Fragen des wirtschaftlichen Lebens, nicht lösen. Ohne die Grundsätze und Lebenskräfte des Evangeliums lösen wir die großen innen⸗ und außenpolitischen Aufgaben in unserem deutschen Vaterland nicht!

Wie das Eintreten für unsere evangelischen Be⸗ lange und das Vertreten der obengenannten Anschau⸗ ungen im öffentlichen Leben, in Staat und Gemeinde, so fehlt auch bei den Parteien das soziale Verständnis für die Nöte der schaffenden Stände. Im Blick auf diese Nöte dürfen lebendige Christen nicht mehr länger un⸗ tätig zusehen, sie müssen sich für die berechtigten Forde⸗ rungen des schaffenden Volkes, vor allem auch für eine durchgreifende Wohnungsfürsorge, mit aller Kraft ein⸗ setzen. Im Streit um Dinge, die für den Augenblick ganz belanglos sind, vergessen selbst namhafte evange⸗ lische Persönlichkeiten ihre nächsten Pflichten gegen ihre Volksgenossen.

Das muß anders werden. Wir müssen heraus aus unserer politischen Machtlosigkeit, um nicht noch weiter unterdrückt zu werden. Wir müssen evangelische Grund⸗ sätze in der Politik d. h. in Gemeinde-, Staats⸗ und Völkerleben zur Geltung zu bringen suchen zur Rettung des deutschen Volkes und der gesamten Menschheit.

Das alles soll erreicht werden durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft. Durch sie soll die Fackel des Evangeliums in das öffentliche Leben hineingeworfen werden. Im Vertrauen auf Gott und das gute Recht

nen und die Segenskräfte des Evangeliums nutzbar machen für die Heilung unseres kranken und irregeleite⸗ ten Volkes. Das erfordert Selbstverleugnung und Kampf. Wir werden auf einen besonderen Platz ge⸗ rufen. Wenn wir glauben, daß das Gesetz durch die Religion gekommen ist, dann müssen wir dafür kämp⸗ fen, daß in unserem Volke die Gesetze nicht wider die Religion, nicht widergöttlich gemacht werden.

Daß wir da ja auch recht handeln! Gott hat uns durch die Stürme der letzten Jahre hindurch unser teures Evangelium erhalten. Heute fordert er Pflichten von uns. Da wollen wir den Wächterruf hören in aller Demut, aber auch in der Gewißheit, in der unser Martin Luther einst sang:

Mit uns'rer Macht ist nichts getan, Wir find gar bald verloren.

Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer er ist:

Er heißt Jesus Christ,

Der Herr Zebaoth,

Und ist kein andrer Gott;

Das Feld muß er behalten. Hr.

Aus den 95 Thesen.

D. E. K. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße! hat er gewollt, daß alles Leben der Gläubigen Buße sein soll. Jeglicher Christ hat, wenn er in aufrichtiger Reue steht, vollkommenen Erlaß von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablaßbrief gebührt. Der wahre Schatz der Kirche ist das aller⸗ heiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Got⸗ tes. Man ermahne die Christen, daß sie ihrem Haupte Christus durch Strafen, Tod und Hölle nachzu⸗ folgen sich befleißigen, und also mehr ihr Vertrauen darauf setzen, durch viel Trübsal ins Himmelreich ein⸗ zugehen, als auf die Vertröstung:es hat keine Gefahr.

Martin Luther.