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Sonnabend, den 5. Dezember 1925.

Offener Brief an S. E.

Ew. 9 haben in den Canisiuspredigten, die nom 18. bis 5. Oktober in München gehalten wurden, Bezug genommen auf die Stockholmer Weltkonferenz

für praktisches Ch ntum. Nach den ub stimmen⸗ f;* 83

den Meldungen der sch⸗katholischen Presse in Zay⸗

ern haben Ew. Eminenz dabei folgendes ausgeführt

Vor kurzem hat dieChristliche Weltkonferen in Stockholm abgeschlossen. Es war ein großer Jort⸗

schritt, daß in der Heimat von Gustav Adolf nicht der

en Kirche den Sammelpunkt bil⸗ wartet, daß eine christlich⸗ ß eine Botschaft über da⸗ Leben in die Welt sende ristliche Konferenz ein legt, dem wesensgleichen es Epheserbriefes. Chr

Gegensatz zur rör dete. Ich hatte aber Weltkonferenz nic

wirtschaftliche und sondern vor alle! kenntnis zu Christ. des Vaters im Ge ist noch nur, was 6

Auch für die volkstoi 2 bensfragen ist kein anderer G ndstein gelegt, als Christus. Das Christentum Ch darf nicht in noch so wichtigen sozialen Fragen unt rgehen.

Diese Ausführungen berühren eine Ar der weiten nicht römisch⸗katholischen Christen Herzensangelegenheit de⸗ Weltprotestantismus. Ehristenheit empfindet die ökumenische Zusammentu in Stockholm als ein Gnadengeschenk, als eine Besin⸗ nung auf ernste Aufgaben, als einen Trost in schwerer Zeit. Wir freuen uns, daß Ew. Eminenz die wahrhaft Skumenische, die Gesamtchristenheit umfassende Gesin⸗ nung der Stockholmer Tagung erkennen. Um die Zu⸗ hörerschaft zu Füßen der Münchener Kanzel und d ber hinaus zutreffend zu unterricht häkte allerd ein Wesentliches und Positive⸗ müssen, nämlich, daß die römisch⸗katholische nicht nur nicht ausgeschlossen war oder ableh handelt wurde, sondern daß sie wiederholt und dr lich, aber ersolg eingeladen worden war, an dieser allgemeinen christlichen Zusammenkunft teilzune

Mit Bedauern und Befremden vernehmen wir Urteil über die Volschaft der Konferenz. Ew. Emi hestätigen damit von einer bedeutsamen Kanzel in ho⸗ her Amtseigenschaft die Ansicht, die das päpstliche Ta⸗ gesorgan, derOsservatore Romano Nr. 212 vom 15. September ds. Is. in so scharfer Form der römisch ka tholischen öffentlichen Meinung zugrunde legte:

In Stockholm sehlte Christus. Der Konferenz des Christentums fehlte ihr Stifter. Man kann nur wieder die alte Formulierung wiederholen, daß die abtrünnigen Kirchen, um nur ein Minimum von Verständigung in praktischen Dingen zu erzielen, zu⸗ erst Christus abschaffen mußten. Das ist die Nache der Geschichte. Man kann sich nicht von Nom tren⸗ nen, ohne sich von Christus zu trennen.

Wir kennen die dogmatischen, kanonischen und hier⸗ archischen Gründe, die Ew. Eminenz wie auch das päpst⸗ liche Mitteilungsblatt zur Ablehnung der Stockholmer Konferenz und ihrer Kundgebung führten. Wir be⸗ dauern, daß die römisch⸗katholische Christenheit es nicht vermocht hat, diese Gründe in Einklang zu bringen mit dem Geiste der Liebe der Evangelien, den di Briefe eines Paulus, Petrus und Johannes so ein i eindringlich als wesentlichen Prüfstein christlicher Ge sinnung fordern. Anbegreiflich aber bleibt uns, wie die oben erwühnten Urteile über die Stockholmer Ta⸗ gung und ihre öffentliche Kundgebung mit sachlicher Wahrheitsachtung zu vereinbaren sind Um es kurz zu

den Herrn Nardinaf und Eri Michael von Faulhaber in Münthen.

1

lich

sagen: Was uns an dem Urteil Ew. Eminenz und des Organs der römischen Kurie befremdet, ist solgendes:

Weder Ew. Eminenz, noch der Wortführer imOsse vatore Romano ha die Botschaft der Stockholmer Konferenz an die Christenheit gelesen mit dem Ernst, den eine solche Glaubens⸗ und Willensäußerung eines so gewaltigen Teiles der Christenheit verdient, mit der Lauterkeit des Blickes, die zum Urteil über fremde Aeberzeugung befähigt, mit der Gerechtigkeit, die das Amt der Ver ing auf so hoher Kanzel verlangt, mit der Herzensrichtung, die unter denen, die sich zu Christus bekennen, sammeln, und icht zerstreuen will. Sonst hätten wirklich nicht Sätze übersehen oder miß⸗ deutet werden können, wie etwa zu Anfang der B 5 N

Wir bekennen vor Gott und der Welt die Sünden und Persäumnisse, derer die Kirche sich durch el an Liebe und mitfühlendem V g gemacht h Mensch i ö

eten, haben sich von ngehalten, weil seine Nachfolger ihn vor so unvollkommen vertreten haben.

Christus der Menschheit

Der Ruf der gegenwärtigen Stunde an die Kirch muß deshalb ein Bußruf sein und doch auch ein f zu einem freudigen Neuanfang aus der unerschöpfs⸗ lichen Kraftquelle Jesus Christus. ö 5 Und weiter:

Es erfüllt uns mit tlefster Dankbarkeit, daß nach Gottes gnädigen Willen und gelenet durch sei⸗ nen Geist die Verkrerer so vieler christlicher Gemein⸗ schaften zusammengeführt worden sind, daß sie in

zemeinschaft ihren Glauben, ihre Hoffnung ihrem Herrn und Heiland Jesus haben. Es erfüllt uns mit tiefer ß wir trotz deutlich vorhandener star⸗ iedenheit des Standpunktes imstande ge⸗ n sind, uns über so viele ere Fragen in heit und Liebe eee und dabei

5 e Nückchtnahme allf den anderen zu

nur der Geist Gottes schenken kann.

wie ö 1 Wir alle zusammen, ein jeder in seiner Mutt che, das Gebet des Herrn beteten, dann würden r unseres gemeinsamen Glaubens froh und erleb⸗ .

e

u wie nie zuvor die wahre Einheit der K isti. Und weiter:

Die Konferenz hat unsere Hingabe an den Her⸗ zog unserer Seelen vertieft und geläutert. Auf sei⸗ nen Ruf hin:Folge mir nach haben wir unter seinem Kreuz die Pflicht anerkannt, sein Evangelium auf allen Eebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu machen im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben.

Und endlich am Schluß: ö

Nur soweit wir, jeder einzelne, durch Inner⸗ lichkeit zur Einheit gelangen, werden wir zur wahr⸗ haften Geistes⸗ und Gesinnungseinheit vordringen. Je näher wir dem gekreuzigten Christus kommen, um so näher kommen wir einander, wie verschieden auch die Farben sein mögen, in denen unser Glaube das Licht widerstrahlen läßt. Unter dem Kreuze Jesus Christi strecken wir einander die Hände entgegen, denn der gute Hirte starb dafür, daß er die zerstreu⸗ ten Kinder Gottes zusammenführe. In dem gekreu⸗ zigten und auferstandenen Herrn allein liegt die

Hoffnung der Menschheit. ö

Vorwärts folgende Notiz:Die freigeistigen Ver⸗

mit allen Zeichen wütender Erregung abstritt, da [Sozialdemokratische Partei irgend etwas mit den frei⸗

...

alles, was wir bitten oder ve die da in uns wirket, ihm sei 5 die in Christus Jesus ist, zu aller

der Gemeinde, eit und von Ewig⸗

keit zu Ewigkeit! Amen! 1

Erb. Eminenz mögen aus den Akt tikanischen Konzils oder aus kunden der letzten Jahre eine l

rein d 5 von hier

lich so ungetrübt

rein a 10 55 ein gl offenes und warmes

enthält, die ein gleich treues Gemeinschaf

alle, die sich zu ihm bekennen und zu ihm hinstreben,

kundet. e In bekannter römisch⸗ en Ew. Eminenz den in Christenbekenntnisses

tholischer Geisteshaltung

in Frage wir nicht mehr und nich

Ner

d Röm. 2:Nichtet n indern Ew. Eminenz, keitsorgan, das Ur⸗ und ihre Botschaft Um so mehr

hristlicher

den 21. Nobember 1925.

Für den Internationalen s zur Verteidigung

des N g Der Vorsitzende: neralsekretä H. G. van Wungaarden. Dr. G. Oßzlemü

Für den Evangelischen Bund zur Wahrung der deut protestantischen Interess

Der Präsident: 5

D. D

D

dehring.

D. *

Wir bringen vorstehenden offenen Brief gerne aus derTägl. Nundschau, damit au ser Leser es sehen, daß selbst Ultramontanismus jede Objektiv gebricht, sobald es sich nicht um 151 d Wie nötig ist es, daß da alle zen und sich nicht täuschen lassen.

Sozialdemokratie und freigelstige Ve

Am 22. August brachte der Anzeigenk

bände der deutschen Republik haben für den 2. und 3. September in Berlin eine Kirchenaustrittspropa⸗ ganda vorbereitet. Aus diesem Grunde werden die Funktionäre der SPD. gebeten, diese beiden Tage von Parteiveranstaltungen möglichst freizuhalten.

bemerkt derBayerische Kurier, Nr. 234, sehr ric Es ist uns noch in der Er 1 erVorwe

die

geistigen Verbänden zu tun habe. Es war das da⸗

mals, als in einer der großen Wahlversammlung, die

der Reichspräsidentschaftskandidat Marx vor der Wahl im Berliner Sportpalast hielt, große Aufrufe unter die Versammlungsteilnehmer verteilt wurden, Kirchenaustritt aufforderten und für die Zeit unmittel⸗ bar nach der Reichspräsidentenwahl eine Kirchenaus⸗ trittsbewegung ankündigten. Die Verteiler der Zettel blieben unbekannt. DerVorwärts wollte sie sogar in rechtsradikalen Kreisen entdeckt haben, aber die Zet⸗ tel waren imVorwärts⸗Verlag gedruckt worden. Jetzt, wo keine Wahl bevorsteht, hat derVorwärts

ä

Hinterlande finden sich Rohhei unter dem Volk weit mehr als in irgendeinem andern Bezirk der älteren Besitzungen des Landgrafen verbreitet. Die größere Entfernung des Hinterlandes von jeder nur etwas beträchtlichen Stadt, die größeren Schwierigkeiten, mit welchen die Volksbilder sich Hilfs⸗ mittel verschaffen können, die Schulstellen, die hier im ganzen Lande am schlechtesten sind, und die un verhältnismäßig ge⸗ ringen Besoldungen der dortigen Prediger samt alle dem, was daraus folgt, muß man deshalb mehr als die Naturgaben der Hinterländer anklagen. Gespenstermärchen werden nirgends so weit ausgesponnen, so andächtig wie hier, und wer sie be⸗ zweifelt, gilt für einen Freigeist, vor dem man sich hüten müsse. Die Geistererscheinungen der Obergrafschaft und noch mehr die, welche ich in eingen Gegenden von Schwaben und Sachsen fand, find zum Teil recht niedliche Schöpfungen der verfeinerten Ein⸗ bildungskraft. Weise, den Feen der Alten ähnliche Weibchen, mehr ein reizendes Blendwerk als Wesen, denen man zerstörende Absichten unterlegt, machen das Lieblingsgebilde des dortigen kultivierteren Volks aus. Das Gespenst des Hinterlandes da⸗ gegen ist ein Polyphem, ein scheußlicher Kakus. Sein verpeste⸗ ser Hauch sprüht Feuerfunken. Sein rollendes Auge ist so groß wie eine Fensterscheibe oder gar wie ein Pflugrad. Die Keule, welche es in der gewaltigen Faust schwingt, ist nichts Geringeres als eine entwurzelte junge Eiche oder eine Schlange, wie sie der nervige Arm des geübten Schmiedes kaum einige Minuten führt, ohne zu ermüden. Kurz, es ist noch ganz ein Ungeheuer, wie uns Homer und der unsterbliche Römer e, der oft an ihn erinnert,

treu nach vorhandenen Sagen der grauen Vorwelt einige schil⸗

dern.

Ein Kalender, der keine Adspekten zeigt, kein Wetter prophe⸗ zeit und kein Aderlaßmännchen 1 hat, kann im Hinterland höch⸗ siens von Obrigkeitswesen aufgedrungen werden. Aber jenen kann er nicht entbehrlich machen, den man durch ihn zu verdrängen die wohlmeinende Absicht hatte. Seine große Anhänglichkeit an medizinische Quacksalber hat der Hinterländer mit allen wohnern unseres ganzen platten Landes gemeinsam.

Jortsetzung folgt.)

4955.

1 1

1

2 24 Wliftenrüt. AusErinnerungen aus Deutsch⸗Süd⸗West, Von Missionar Johs. Jürgens. (Jortsetzung.)

Es sollte so ganz anders kommen, als wir uns das gedacht hatten. Wie es in der Namib aussieht, brauche ich Ihnen ja nicht erst zu erzählen, sie hat auch uns damals bald die Rede ver⸗ schlagen, dazu drückte der kalte feuchte Nebel auf uns. Wir m ten sehr vorsichtig reiten, um das Rivier nicht zu verfehlen. End⸗ lich gegen Mittag klärte es auf, und damit besserte sich auch un⸗ sere Stimmung. Wir sattelten zu einer kurzen Ruhepause ab und legten unsern Pferden die Spannfesseln an. Drei Mann

blieben bei den Pferden und drei Mann suchten Briketts, da⸗

mit wir uns ein wenig Kaffee und Maismehlsuppe kochen könn⸗ ten. Ja so, Sie wissen ja nicht, was Briketts sind, na mit ei⸗ nem guten deutschen Wort gesagt find es von der Sonne aus⸗ gedörrte Ochsenfladen, die man überall finden kann, sie geben ein langsam schwälendes, aber gut hitzendes Feuer.

Als die Sonne eben die Mittagshöhe überschritten hatte, saßen wir wieder im Sattel. Es war jetzt schon mühsam, dem Rivier zu folgen, weil das Sandbett manchmal vollkommen in der Ebene verschwunden war. Dann mußten wir sehr aufmerk⸗ sam nach den kleinen Dornbüschen ausspähen, die seinen Lauf andeuteten.

So mochten zwei Stunden vergangen sein, als auf einmal unser Wachtmeister sein Pferd parierte und scharf nach Nord⸗ westen spähte. Erst nach angestrengtem Suchen fanden wir, was seine scharfen Soldatenaugen entdeckt hatten. Im gelben Sande bewegten sich winzige Schatten in eilender Fahrt nach Nord⸗ westen. Das mußten Reiter sein, und sie mußten uns auch ge⸗ sehen haben, denn wie der Wind stoben die kleinen schwarzen ö Punkte davon. Den Pferden die Sporen einsetzen, war ein Ge⸗ danke, und dann sprengten wir im gestreckten Galopp dahin, daß Sand und Funken stoben. Unsere Pferde waren nicht überan⸗ strengt, sodaß d ischenraum zwischen uns und den Verfolgten bald merklich kleiner wurde, schon konnte man Pferd und Reiter unterscheiden. Zwei von ihnen schienen mehr und mehr zurück⸗ ö

dauert fingen an zu keuchen und die Flanken flogen. waren es, man sah das weiße Stammesabzeichen an den

gang ruhig da, bis auf die Dünen, die stärker flat

zubleiben, ihre Tiere konnten wohl nicht mehr. Da verdoppelten wir die Anstrengung. der Bande in die Hände fiel, die mußten uns den Weg zurüc schon zeigen, und durch sie würden wir auch Stuurmans Höhle finden. Wir holten aus den Pferden heraus, was heraus zu

holen war, der Schaum fleckte ihnen vom Maul herab. Jede

Orientierung, jeder Begriff dafür, wie lange die Jagd wohl ge⸗ hatte, war uns verloren gegangen. Ansere Pferde Wahrhaftig, sie

ten flattern. Noch einen Augenblick, dann war alle Mühe belohnt. Aber ehe wir es uns versahen, setzten die beiden Hottentotten zu rasendem Galopp an. nicht mehr. Zusehends gewannen die beiden Raum bis sie un⸗ nach und nach aus den Augen entschwanden, uns aber gellte noch lange das satanische Hohngelächter nach, mit dem uns Dom Stuurmann gegrüßt hatte.

Als wir endlich zur Besinnung kamen, wußten wir, daß das alles Maske gewesen war, um uns auf falsche Fährte zu bringen. Die List war ihnen prachtvoll gelungen und sie sollie ihnen noch besser gelingen. Auf jeden Fall mußten wir vor

Nacht das Rivier wieder erreichen. Müde folgten unsere Tiere

der alten Spur, die wir im Sande zurückgelassen hatten. Un; zitterte die Wut im Herzen, wenn wir daran dachten, wie wit genarrt worden waren. Mute sein, die zum ersten Mal ein Wild aufgespürt haben und nur blutige Schnauzen nach Hause bringen. Immerhin, die

Sonne stand noch hoch genug am Himmel, nur schien sie eigen artig trübe und nach und nach hüllte sich der ganze Himmel

in bleichen Dunst, in den sich die Sonne mehr und mehr ver Raute, Auf den Wind hatten wir bis jetzt garnicht geachtet, Unangenehm blies er uns aus Osten an. Die Wüste lag noch terten, als ind keine

wir es bisher gesehen hatten, dabei bra Kühlung, im Gegenteil, die Hitze trieb ur allen Poren.

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den Schweiß aus

die zum

Es war ja ganz einerlei, wer uns von

Unsere Tiere konnten]

des Stockhol⸗⸗

15

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Anser Führer sagte kein Wort, er spähte scharf nach links un rechts, und mußte wohl gefunden haben, was er juchte. W

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