Jahrgang 
1864
Seite
382
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382 Feuilleton.

Nachahmerin der Paſta, die Cruvelli, welche die Wirkung ihrer ſchönen Naturgaben durch Flüchtigkeit und Uebertrei⸗ bungen beeinträchtigte, und die Piccolomini, die gar keine Sängerin war, aber ſich durch Koquetterien und Imper⸗ tinenzen ihres öffentlichen Lebens zu dem Schoßkind alter und junger Herren machte. In dieſer Periode des Ver⸗ falls waren das Athenäum und eine wenig geleſene Mor⸗ genzeitung die einzigen Blätter, die über Ihrer Majeſtät Theater die Wahrheit ſagten. Alle übrigen Zeitungen und das geſammte Publikum hatten die Augen noch voll von dem alten Glauz und konuten oder wollten die Verände⸗ rung nicht ſehen, die vorgegangen war. Die Spalten jeder Zeitung regiſtrirten Triumph auf Triumph, Erobe⸗ rung auf Eroberung, während Lumley längſt die Haare zu Berge ſtiegen, wenn er ſeine Kaſſenbillanz machte. Noch immer von der öffentlichen Meinung unterſtützt, mußte er zuletzt abtreten und verſchwand in die Dunkelheit. Sein Buch hat wieder an ihn erinnert. Auch einer ſeiner Vorgänger, Ebers, hat unter dem TitelSieben Jahre von Ihrer Majeſtät Theater eine Geſchichte ſeiner Theater⸗ leitung geſchrieben.

Bonbons.

Zu Hamburg, ſo wie überhaupt in allen Orten, die an einem großen Fluſſe oder nahe am Meere liegen, ſind im Herbſt meiſtentheils ſehr ſtarke Nebel. Ein Mädchen, das noch nicht lange in Hamburg war und vorher in einer ſehr trockenen Gegend gelebt hatte, diente nun bei einem Kaufmann, deſſen Haus einer Kirche gerade gegenüber gelegen war. Eines Sonnabends Morgens, wie ſie an's Fenſter trat, ſah ſie die Thurmſpitze nicht mehr, die ſie vorher ſchon oft mit Verwunderung und Vergnügen betrachtet hatte. Voll Erſtaunen lief ſie in den Laden hinunter, um ihre Entdeckung einem Laden⸗ diener mitzutheilen.Närriſches Mädchen! ſagte dieſer, weiß Sie denn noch nicht, daß hier die Thurmſpitzen des Sonnabends immer abgenommen und geſcheuert werden?Ne! wahrhaftig! erwiederte das Mädchen, das hab' ich noch nicht gewußt.

Schöne Gegenden aus Offenbach'sRhein⸗Nixen: Seht der Arme, da iſt er! Sein Antlitz iſt düſter. Gewiß! doch ziemt der Tod ihm nicht nur, Mit dem Wicht erſt auf die Tortur. Treu Gottfried mich ſteis geliebt, Ach, mein Franz, außer Dir keine Hoffnung es gibt.

Ein Herr machte beim Schachſpiel verſchiedene falſche Züge und nannte ſich deshalb ein Mal über das andere einen Eſel, einen Dummkopf. Plößlich verſetzte ihm der Andere eine Ohrfeige und rief:Du biſt mein Freund, und wer memen Freund beleidigt, der kriegt Maulſchellen von mir!

Ein Buchhändler, welcher mit allen ſeinen Kräften gegen die Verbreitung des Nachdrucks eiferte und deshalb mit vielen ſeiner Kollegen proceſſirte, beſchwerte ſich ſehr bitter, aus er in der Zeitung las, daß zur Erhaltung der Ordnung und Ruhe es der Polizei erlaubt ſei, mit Nachdruck zu handeln.

Puff: Eindapperer Landſoldat hat alle ſeine Muniton verſchoſſen. Die getödteten Feinde bilden einen haushohen Wall um ihn, der ihn leicht geſchützt hätte, wenn er ſich nur ein Wenig hätte bücken wollen. Aber lieber will er den Tod. Da ſprengt ein feindlicher Uhlanen⸗ officier auf ihn ein, hoch den Säbel ſchwingend. Um un⸗ jerndapperen Landſoldaten iſt's geſchehen. Seine letzte Kugel iſt, wie geſagt, verſchoſſen. Verzweifelnd blickt er unter der ſauſenden Klinge circa ſieben bis acht Minuten

rathlos umher. Keine Hilfe. Da nimmt er kurz beſonnen ſeine linke Fauſt in den Mund, beißt ſich den Daumen glatt von der Hand, ſtößt ihn in die Flinte und jagt ihn krach! dem verwegenen Reiter mitten durchs

Herz.

Ein junges Mädchen, das manche Liebesabenteuer gehabt, wurde wegen einer ahnlichen Angelegenheit in einen Proceß verwickelt. Sie wählte ſich einen geſchickten Advokaten als ihren Vertheidiger. Er verſtand ſich dazu und es gelang ihm durch ſeine Beredſamkeit und ſeinen Scharfſinn, daß das Mödchen freigeſprochen wurde. Sie bezeigte ihrem Vertheioiger auf's Lebhafteſte ihre Erkenntlichkeit, ſetzte aber hinzu:Ich kann Ihnen nichts anbieten als mein Herz!Das ſind Nevenſporteln und die überlaſſe ich meinem Schreiber, antwortete der Advokat.

Der humoriſtiſche Schriftſteller J. v. V. hatte den Buchhandler X. einenBetruger genannt und ward verurtheilt zu einer öffentuichen Chrenerklärung, die er folgendermaßen ertheilte:

Ich habe Sie einen Betrüger genannt, das iſt wahr. Ich ⸗ſoll Sie um Verzeihung bitten, das thut mir leid. Sie ſind ein ehrlicher Mann, ich habe gelogen.

Aber, Kinderchen, ſtellt Euch doch nicht ſo nah an's Fenſter, ſagte ein Kindermädchen,wenn eines herun ter fallt und bricht ein Bein, dann will es keines gewe⸗ ſen ſein.

Die neue Gouvernaute. Baronin:Beſonders er⸗ ſuche ich Sie, darauf zu ſehen, daß meine Töchter keine ſchlechten Bücher in die Hand bekommen.

Gouvernante:Da können ſich Frau Baronin ganz auf mich verlaſſen. Seit fünfzehn Jahren beſchäftige ich mich deßhalb ausſchließlich mit der Lektüre der ſittenver⸗ derblichſten Bücher und der liederlichſten Romane.

Ein Wirth fragte einen ſeiner Kellner, ob er den Gäſten außer den Speiſen und dem Weine auch das Bier angeſchrieben habe. Dieſer beſann ſich eine Weile; endlich antwortete er mitJa.

Wenn Du es nicht ganz gewiß weißt, ſagte darauf der Wirth,ſo ſchreib' es lieber noch einmal an!

Ei, ſieh doch einmal, rief die Köchin Hortenſia, als ſie ihre Freundin Emmeline, mit welcher ſie fruͤher als Kindermädchen in kollegialiſchen Verhältniſſen geſtan⸗ den hatte, auf dem Fiſchmarkte begegnete:wie haſt Du Dich herausgeputzt! Du trägſt einen Hut und ein großes Shawltuch! Du biſt wohl gar eine reiche Frau geworden?

Verſteht ſich, entgegnete Emmeline.Meiner iſt vom Militär abgegangen und hat mich geheiratet.

Was treibt er denn jetzt?

Er iſt Mitarbeiter.

An welcher Zeitſchrift?

Na, das fehlte noch! zürnte die junge Frau,mein Gemal iſt Mitarbeiter beim Gerbermeiſter F.

Ein armes Bauerumädchen wollte gern heiraten. Die Gutsbeſitzerin ſchenkte ihr zehn Thaler zur Ausſteuer. Nun wollte die gnädige Frau doch auch den Bräutigam ſehen. Das Mädchen führte ihn vor. Es war ein kleiner und ſehr unanſehnlicher Bauernkerl.

Ach, meine Tochter, was haſt Du Dir für einen ſchlechten Mann ausgeſucht!

Ja, gnädige Frau, antwortete das Mädchen,was kann man für zehn Thaler Großes haben?

Die Redensart:er hört das Gras wachſen ſteht in Gefahr als veraltet außer Gebrauch zu kommen. Nach dem Bericht eines ungariſchen Müuchhauſen hat ein pen⸗

ſionirter Jägerobriſt in Voslau ein noch ſchärferes Gehök.