die bei⸗ dmelhen
delgunde die ein
ch lang
vor und
1 hinein,
3 8 5 8 8 4 3
Feuilleton. 381
um mit der Kraft der Beredſamkeit ſeines Herzens und ſeiner Taille zu verſuchen, Adelgunden und ihr Vorwerk zu erringen. In tollkühner Entſchloſſenheit hatte er des Guten zu viel gethan und ſich zu Tode geſchnürt.
Adelgunde war zeitig genug erwacht, um die traurige Erzählung Euſebius Striegels mit anzuhören.
Als ſeine einfachen Worte herausgeſchluchzt waren, drückte ſie krampfhaft die Hände an ihre Stirn und murmelte etwas, das wie„alte Jungfer“ und„Adolar“ klang. Dann ſtürzte ſie ſtumm von dannen, Adolar's Bild in dem ſilbernen Kugelſiebe an dem blauen Bande hoch in die Luft ſchwingend.
Eine Stunde nachher fand man ſie auf dem Raſen⸗ platz, wo ſie Adolar zuerſt erblickt hatte, liegend,— todt.
Zwiſchen ihren Lippen hervor flatterte ein blaues Band und zeigte nur zu deutlich die Urſache ihres Todes.
Sie hatte Adolars Bild verſchluckt und ſo ihrem grauenvollen Daſein ein Ende gemacht.
X
Drei Tage ſpäter vereinigte ein Grab unter dem kühlen Sande von Treuenbrietzen die Liebenden. An ihrem Grabe ſtanden Adalgiſa v. Kinkerlink und Euſebius Striegel und weinten. 4 Sanft ruhe ihre Aſche! h (Aus dem:„Luſtigen Volkskalender für 1864“ von Ad. Brennglas.)
Engliſches Opernweſen.
In der letzten Woche ſind gleichzeitig zwei Werke er⸗ ſchienen, die zuſammen eine Geſchichte der engliſchen Oper in dieſem Jahrhundert geben. Das eine Buch iſt Henry Philipps' Musical and personal Recollections during Half a Century, das andere Benjamin Lumley's Remi- niscences of the Opera. Wir beginnen mit dem erſten, da es am weiteſtemzurückgeht. Henry Philipps war ein Sänger, der ſich von Provinzialbühnen nach London durcharbeitete. In den letzten Jahren der großen Kriege, in die ſein erſtes Auftreten fällt, waren die Bühnen in der Provinz weit beſſer, als ſie jetzt ſind. Bork und Bath' waren Pflanzſchulen für London. Es herrſchte auch mehr Ehrlichkeit als jetzt, wo das„Durchbrennen“ von Sän⸗ gern und Sängerinnen zu haufig vorkommt, um noch auffallen zu können. Bezahlt wurde freilich nicht beſon⸗ ders, und um nur nothdürftig leben zu können, mußte man Sänger für Alles ſein, in der Oper, im Oratorium mitwirken und in Geſellſchaften Balladen ſingen. Als Philipps zum erſten Male in Händels Meſſias mitſang, fehlte ihm der unerläßliche ſchwarze Anzug. Geld hatte er nicht und an Kredit für ihn war in Bath nicht zu denken. Ein Freund führte ihn nach Frome, fünfzehn engliſche Meilen von Bath entfernt, wo ſchwarzes Tuch auf Borg genommen wurde. Beinkleider und Weſte ſchnei⸗ derte Philipps ſich ſelbſt. Er trennte alte Kleidungsſtücke auf und hatte in den einzelnen Stücken Muſter, nach denen er Weſte und Beinkleid zuſchnitt. Bei dem Frack erwies ſich aber der innere Bau als zu verwickelt, als daß der junge Sänger mit ſeiner Geſchicklichkeit ausge⸗ kommen wäre. Ein Schneider wurde zu Hilfe gerufen
und fertigte das Kleidungsſtück gegen Verpfändung der
Gage ſeines Kunden. Philipps ſah in ſeinem ſchwarzen Anzug ſtattlich aus und ſang ſeine Partie mit der Sicher⸗ heit eines Gentleman. In ſeinem Eifer ſprengte er ſich aber einen Knopf von der Weſte, und dieſem einen folg⸗ ten alle andern. Er hatte alle Knöpfe an demſelben lan⸗ gen Faden befeſtigt..
In London gab es einige gute Sängerinnen, unter denen Miſtreß Bland hervorragte, und drei gute Baſſiſten. Die Tenoriſten waren dicke und fette Falſtaffs, die nicht ſangen, ſondern piepten. Ein Wort Text von ihnen zu verſtehen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Bei den Baſ⸗ ſiſten ſchätzte man nicht die Qualität, ſondern die Quan⸗
tität der Stimme. Kam der Ton, in der Sprache der Bühne zu reden, ſo dick wie ein Seil aus dem Munde, ſo mochte alles Andere ſo ſchlecht ſein, als es wollte— der Sänger war groß. Die drei berühmteſten Baſſiſten waren George Smith, Tinney und Higman. Das Publi⸗ kum ſchätzte ihre Verdienſte nach der Tiefe, welche ſie er⸗ reichten. Tinney hatte das tiefe E rein, aber George Smith galt für beſſer, weil er das tiefe Dbrummte, und als nun Higman erſchien und ein volles rundes Kontra⸗C ertönen ließ, da waren ſeine beiden Nebenbuhler geſchlagen. Viel beſſer war es übrigens bei uns auch nicht. Fiſcher, der große zubenannt, wurde über alle andern Baſſiſten geſtellt, weil er„eine Oktave tiefer ſang, als die Mög⸗ lichkeit iſt“. Was die drei Baſſiſten bei allen und jeden Gelegenheiten ſangen, war„der Wolf“, ein Räuberlied aus Schield's Oper: Das Schloß in Andaluſien. Wozu Higman auch beſtellt ſein mochte, zu einem großen Mit⸗ tageſſen, zu einem Ball, zu einer Hochzeit, zu einem Be⸗ gräbniſſe, ſtets ſang er den Wolf. Alle Baſſiſten des Thea⸗ ters jener Zeit waren Räuber und trugen gewöhnlich eine Art ſpaniſcher Tracht, aber ſo gemiſchten Charakters, daß es außerordentlich ſchwer geweſen ſein würde, mit irgend einem Grad von Gewißheit zu ſagen, welchem Lande und welcher Zeit dieſe Tracht angehöre. Sie waren Räuber, das war genug, ſie ſangen den Wolf und mehr konnte von ihnen nicht verlangt werden. Philipps ſang zuerſt bei Mittageſſen und gelangte nach und nach auf die Bühne. Der jetzige Zuſtand derſelben iſt unbefriedigend genug, aber ſie hat im Vergleich zu dem frühern bleiernen Zeitalter ein goldenes erreicht. Von Kunſt hatte man eine ſchwache Ahnung, vom Drama gar feine. Die Ballade mußte Alles allein thun. Der Chor konnte nicht ſingen und machte niemals einen Verſuch zu ſpielen. Die eng⸗ liſchen Opern: Das Mädchen aus der Mühle; der Schloß⸗ herr; Roſina u. a. m. waren platt und armſelig. Gab man fremde Opern, ſo naturaliſirte man ſie, d. h. man ließ die beſten Stellen weg und überarbeitete das Werk bis zur Unkenntlichkeit. Im Orcheſter ſaß wenigſtens ein wahrhafter Künſtler, der Baßgeiger Dragonetti. Er war ein gutmüthiger, mit Wunderlichkeiten überladener Mann, ein Bewunderer der ſchönen Künſte und auf ſeinem In⸗ ſtrument vollendet. Die Kraft und die Geſchwindigkeit, die er auf ſeinem ungefügigen Inſtrument entwickelte, waren ebenſo wunderbar wie die Töne, die er ihm ent⸗ lockte. Seine Fingerſpitzen waren durch langes Spiel breit, hornig und faſt unförmlich geworden. Saß er nicht bei ſeinem Baß, ſo war er ein Kind und trieb unbegreif⸗ liche Kindereien. Er war Junggeſelle und wechſelte lange Jahre nicht mit der Wohnung. Dieſe beſtand aus einem Wohnzimmer, einer Schlafkammer und einem Raum ohne Möbeln, in dem Dragonetti nichts aufbewahrte, als Ge⸗ mälde, Kupferſtiche und— Puppen. Die letztern hatte er in allen Größen und Farben, ſchwarze, weiße, braune, zolllange, fußhohe, lebensgroße. Eine große ſchwarze Puppe nannte er ſeine Frau und nahm ſie mit ſich, wenn er zu Muſikfeſten reiſte. Er und Lindley reiſten gewöhnlich zuſammen, und wenn in einem Dorfe die Pferde gewech⸗ ſelt wurden, ſo ließ Dragonetti ſeine Puppe am Wagen⸗ fenſter vor der verſammelten Dorfjugend tanzte
Eine Blüthezeit für die engliſche Oper ffitee Lumley als Leiter von Ihrer Majeſtät Theater herbete Etwa der dritte Theil der dreißig Jahre, in deneit er die Londoner mit Opernmuſik verſorgte, war glücklich. In dieſen Tagen des Glanzes ſangen die Griſi und Perſiani mit Rubini, Lablache, Mario und Tamburint. Das war Lumley's „alte Garde“, die nicht wieder hat erſetzt werden können. Der hereinbrechende Verfall wurde durch zwei„Sterne“ aufgehalten, durch Jenny Lind und die Gräfin Roſſi. Abgeſehen von dieſen beiden Damen folgte ein unvollſtän⸗ diger Erfolg auf den andern und vollſtändige Niederlagen waren nicht ſelten. Lumley geſteht jetzt ſelbſt, daß er mit der Anſtellung von Paſſini, Felix, Lola Montes, Signora Favanti und der„ſchwarzen Malibran“ lauter Fehlgriffe that. Nicht viel höher als dieſe ſtanden die Parodi, eine


