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chluß
Erinnerungen.
Band 88.* 1864. y
Heft IX.
„Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen.“ Roman in zwei Büchern von Zulius Roſen.
(Fortſetzung.) 10.
er ſchreckliche Ausgang des Proceſſes hatte
Bertha ohnmächtig gemacht. Dem armen
Vater war nicht vergönnt, Abſchied von ſeinem
Kinde zu nehmen, die wohlthätige Bewußtloſig⸗
— keit hatte ſie in die Arme genommen und ihr
den ſchrecklichſten Moment ihres Lebens erſpart.
Wall ſchaffte Bertha nach dem Gaſthauſe zurück.
Er war in einer unbeſchreiblichen Stimmung. Schrecken
um die Geliebte, Abſcheu vor dem Blutgerichte, dem er
beigewohnt, Angſt um des Grafen Leben und Verwun⸗ Erinnerungen. 88, Bd. 1864.
derung über das Benehmen Bergers, alle dieſe Stimmungen bildeten ein ſonderbares Konglomerat, das mit ſeinen Gedanken und Gefühlen Fangball ſpielte und das ſich nach und nach in Haß, wilden feurigen Haß gegen Gramonz verwandelte. Dieſer Elende mußte die Urſache des Unglücks ſeiner Lieben ſein, er triumphirte, während Bertha und ihr edler Vater verzweifelten. Wall ſchwor ihm Rache und beſchloß, dieſe ſogleich in's Werk zu ſetzen. In ſeiner Hitze be⸗ dachte er nicht, daß er der einzige Schützer Berthas ſei und daß ein ihm betroffener Unfall das arme Mäd⸗ chen mit treffen müßte. Als es ihm mit Hilfe Mariens gelungen war, das Mädchen zum Bewußtſein zurückzu⸗ bringen, verließ er das Hötel, um Gramonz aufzu⸗ ſuchen. Er traf ihn nicht zu Hauſe, erfuhr jedoch, daß der Major ſich um dieſe Zeit immer im Officierskaſino befinde. Dahin leitete er ſeine Schritte. Er fand Gra⸗
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