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Erinnoerungen.
Band 88.— 1864. on
Heft X.
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„Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen.“
Roman in zwei Büchern von Julius Roſen. Zweites Buch. 1.
ir haben Elſe, die Gattin Wilhelms, ganz aus den Augen verloren und wollen nun unſer Unrecht gegen dieſelbe wieder gut machen und ſie aufſuchen. Sie war in ihre Heimat gezogen und hatte ihre Verwandten aufgeſucht. Der ihr zu Theil gewordene Em⸗ pfang war nicht beſonders freundlich, denn ihre Ange⸗ hörigen waren arme Leute, die ſich von Fiſcherei nähr⸗ ten, und nur dann gute Zeiten hatten, wenn ihnen das Erinnerungen. 88. Bd. 1864.
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NX. A. M. MULLEBR A.R ungeſtüme Meer Strandgut zuwarf, das ſie hoch will⸗ kommen hießen, ohne daran zu denken, daß demſelben ein Schiffbruch vorangegangen ſein mußte. Chriſtian Frieb, ſo hieß der Vetter, bei welchem Elſe wohnte, war ein eifriger Däne. Er haßte alles, was deutſch war, und nur höchſtens deutſches Geld wünſchte er nicht zu vernichten. Er bewohnte mit Frau und Sohn eine kleine ärmliche Fiſcherhütte am Ufer des Meeres und behielt Elſen nur deßhalb bei ſich, weil ſie ihren deutſchen Gatten verlaſſen und ihre deutſche Familie dem Elende Preis gegeben hatte.„Du kannſt bei uns bleiben,“ hatte er zu ihr geſagt,„und wirſt uns helfen, unſer kärgliches Brod zu verdienen. Meine Frau hat mit den Kindern vollauf zu thun, ich bin den ganzen Tag draußen auf der See, ich habe Niemand, der mir in der nächſten Stadt meine Fiſche verkauft. Das mußt Du nun thun, vorausgeſetzt, daß Du dabei ehrlich zu
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