Jahrgang 
1864
Seite
379
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Feuilleton. 379

aus,glückliche Penelope, umringt von Freiern, die ſich um Deinen Beſitz ſtreiten, ſcharenweis! von Ladeſtock ein Lieutenant bald vielleicht Kammerherr und an⸗ tichambrirend vor Majeſtäten ja, Du haſt Recht! Fort mit dieſem Baron, der es nie werth war, eine ſolche Blume zu knicken. O Glückliche, könnteſt Du auf mich doch von Deinem Glück nur das übertragen, was Du zu viel haſt.

Liebend drückte Adelgunde Adalgiſa an ihr Herz. Dann eilte ſie hinauf in ihr Zimmer und griff zur Feder:

Herr Baron!

Ich kann nicht! Dringen Sie nicht länger in mich, eine Verbindung einzugehen, die mich unglücklich macht. Längſt ſchon wollte ich Ihnen das Geheimniß meiner Seele mittheilen, doch jungfräuliche Scheu hielt mich zurück. So wiſſen Sie denn: Ich kann Sie nimmer lieben, denn mein Herz gehört einem Andern, der mich bald aus der drängenden Schar meiner Freier heimführen wird als ſein liebendes Weib. Laſſen Sie mich den Namen des Glücklichen verſchweigen, denn ich will kein Blut⸗ vergießen.

Armer Jüngling, ich ehre Ihren Schmerz. Legen Sie nicht Hand an ſich, ich würde Ihnen das nie ver⸗ zeihen. Sollten Sie aber langſam dahin welken in Liebesgram, ſo ſeien Sie verſichert, daß eine Thräne auf Ihr Grab weinen wird

Adelgunde von Buſenflach. Herrn

Baron Peter von Pinſel⸗Ohnewas.

Baron Peter empfing dieſes Schreiben und der Schmerz ſeines Herzens ſtrömte ſtumm aus ſeinem Munde heraus, den er zu dieſem Zwecke offen ſtehen ließ.

Die Hofräthin von Dürr ſtand verſteinert. Dann aber faßte ſie ſich ſchnell und fuhr nach Nauen, wo ihr in der Perſon des Gütermaklers Itzig Moſes Roſenſtock ein lieber Freund weilte.

Zwölf ſchlug es vom Kirchthurm von Treuenbrietzen und im Wohnzimmer des Vorwerkes dampfte das frugale Mittagsmahl, da trat Adolar herein und ſtand in ſeiner ganzen Schlankheit vor den beiden Frauen und ihrem Mahl.

Stattlich war er anzuſehen und ſeine Tallle ſtrahlte in faſt unbegreiflicher Enge. Krampfhaft ſchnappte er nach Luft, denn ſein Herz war ihm wie zuſammengeſchnürt von banger Erwartung und dem Riemen ſeines Burſchen Euſebius.

Doch er faßte ſich und Adelgunde's Hand. In weni⸗ gen begeiſterten Worten ſtrömte der Wunſch ſeines Herzens von ſeinen ſchlanken Lippen.

Fräulein Adalgiſa von Kinkerlink, ſagte er,ich liebe Adelgunden geben Sie mich Ihrer Nichte zum Gatten.

Adalgiſa war tief gerührt. Der Löffel, der eben einen Theil der lieblichen Suppe zu ihrem Munde geführt hatte, verhinderte ſie am Sprechen, aber ſie nickte drei⸗ mal Ja.

Adelgunde, rief Adolar entzückt,willſt Du?

Adelgunde ſchwieg und begoß ſich mit Purpur.

Adolar las das Jawort aus ihren Augen und drückte ſie an ſeine Bruſt. Eine lange Umarmung folgte, der auch Adalgiſa ſich lievend anſchloß und die Drei waren

glücklich.

Nach dem frugalen Mahl aber, an welchem der glückliche Adolar gern Theil nahm, eilte man hinaus und erfreute Adolars Augen an den Vorzügen des lieblichen Vorwerks.

VI.

Ach, daß die Welt rund iſt und ſich drehen muß! Abermals waren drei Tage wie eben ſo viele Para⸗ dieſe über die Liebenden hingegangen, da ſaß Adelgunde in der traulichen Einſamkeit ihres Zimmers und betrachtete aus dem Schatten ihrer vier ſchwarzen Locken hervor

einen glänzenden Gegenſtand, den ſie in den Händen hielt. Es war eine kleine ſilberne Kapſel, die eine auf⸗ fallende Aehnlichkeit mit einem Kugelſiebe zum Theeauf⸗ brühen hatte. Aber dieſe Kapſel enthielt ihres Adolars ſchlankes Bild, um das ſich ein blauſeidenes, nicht zu breites Band als Symbol der Treue ſchlang.

Unten im Garten aber wandelten Fräulein Adalgiſa v. Kinkerlink und Adolar, im ernſten Geſpräch vertieft. Adalgiſa hatte es in weiſer Fürſorge für an der Zeit ge⸗ halten, Adolar nach ſeinen näheren Verhältniſſen zu fragen.

Adolar erzählte ihr ohne Prunkſucht von dem Ver⸗ mögen, das ſeine Vorfahren einſt beſeſſen und von dem er als herrliches Erbe ſeinen ehrenvollen Namen über⸗ kommen habe. Auch von ſeinen Gütern verſchwieg er keins und ſchlug mit Stolz an ſeinen Degen, als er ihn den Inbegriff ſeines Beſitzthums nannte.

Adalgiſa war befriedigt und Alles ſchien bereit, den Glückstempel des jungen Paares zu erbauen. Nur ein Punkt war noch zu erledigen und leicht warf ihn Adal⸗ giſa hin.

Wie viel Ahnen haben Sie denn, mein theurer Ladeſtock? fragte ſie obenhin, denn faſt ſchien ihr dieſe Frage bei einem Adolar überflüſſig. Konnte etwa ein Maun von der Taille Adolars nicht altes Vollblut ſein? Gewiß nicht, und nur, um ihm Gelegenheit zu geben, ſeinen Stammbaum in voller Größe vor ihr aufſchießen zu laſſen, fragte ſie zuvorkommend:Wie viel Ahnen haben Sie?

O, wäre Adalgiſa nie geboren worden!

Adolar erbleichte bei ihrer Frage und unter dem Weiß, das ahnungsvoll auf ſein Geſicht zog, wurde es ſchwarz vor ſeinen Augen.

Adolar, der Mann ſo vieler Vorzüge, der Beſitzer einer Taille, die allein ihn zu einem Rieſen an Werth machte, hatte eine ſchwache Seite, die Achillesferſe des unbeſiegbaren Helden und dies war ſein Adelsſtand. Denn erſt ſeit zwei Generationen hatte das feengleiche Wörtchen von ſich vor die Ladeſtöocke geſetzt und ſie aus dem Sande des Bürgerthums auf die grüne Wieſe der Rage erhoben. Krampfhaft kuiff er die ſchlanken Lippen zu⸗ ſammen und kein Wort ſchritt über ihre roſige Schwelle, um ſeine Schande kund zu thun.

Aber Adalgiſa wiederholte unbarmherzig ihre Frage. Wie viel Ahnen, ſagten Sie, zählt die gegenwartige Geueration derer von Ladeſtock? fragte ſie etwas ſcharf.

Es mußte heraus! Adolar öffnete das kühne Thor ſeiner Lippen, und wie ein zu lange gefangen gehaltener Löwe ſtürmte ingrimmig das ſchreckliche Wort hervor.

Zwei! ſtöhnte er dumpf heraus und griff inſtinkt⸗ mäßig nach dem Riemen ſeiner Taille, denn es war ihm, als müſſe er erſticken.

Adalgiſa prallte entſetzt zurück! Sprachlos ſtarrte ſie ihn einige Augenblicke an, dann abeyr öffneten ſich auch die Schleuſen ihrer Beredſamkeit und donnernd ſtürmten die entfeſſelten Elemente daraus hervor.

Wie, rief ſie,zwei Ahnen ein Menſch alſo von neuem Adel, ſo neu faſt, wie die Knöpfe, die in tha⸗ tenloſem Paradeglanz auf ſeinem Rocke flunkern?! Ha zwei Ahnen und Du wagſt es, einer von Buſenflach, einer von Kinkerlink zu nahen Du wagſt es, einen Baron von Pinſel⸗Ohnewas zu verdrängen, der 18 Ahnen zählt und der würdige Sprößling iſt eines Walter Sansavoir? Hinweg, Verwegener, hebe Dich von mir, denn wiſſe, eher wird der Stamm der geſammten Lade⸗ ſtöcke verroſten und als altes Eiſen in den Trödel⸗ buden der Neuzeit vergehen, ehe Adelgunde von Buſenflach ſich ſo weit vergeſſen wird, mit Dir zwei elende Ahnen zu ehelichen, nachdem ſie 18 als zu wenig verworfen! Hinweg, ſage ich, und meide hinfort dies Vorwerk, denn nie wird ſein Kohl Dir grünen, nie ſein duftendes Heu Dein Lager füllen! 3

Und im heiligen Zorn eilte ſie von dannen, dem Hauſe zu.

Adolar aber ſtand zerſchmettert.

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