Jahrgang 
1864
Seite
377
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Adelgunde und Adolar. Eine traurige Geſchichte von E. C.

I.

Adelgunde von Buſenflach war eine reife Jungfrau, die als letzte Blüthe einem alten adeligen Stamm ent⸗ ſproſſen war.

Der Stamm derer von Buſenflach hatte ſchon vor Jahrhunderten in der Mark geblüht. Gegenwärtig war er aber abgeblüht bis auf eine Tulpe, und dies war Adelgunde.

Hoch aufgeſchoſſen von Geſtalt und keuſch von Ge⸗ müth, hatte ſie ſtets den verlockenden Eheſtand gemieden, denn noch war ihr kein Freier genaht. Dreimal erſt hatte ſie in der Zahl ihrer Sommer die beſcheidene Null wieder⸗ kehren ſehen, und das dritte Mal war erſt ſieben Jahre her.

Erlaſſe uns der Leſer die Schilderung ihrer ſchlanken Reize. Wie eine wohlverwahrte Pflanze im Herbarium des Gelehrten, war ihre Schönheit zuſammengetrockuet zu einer Beſtändigkeit der Reize. Wäre ſie grün geweſen, ſo hätte man ſie mit der duftenden Pomeranze im Glas⸗ ſchrank des Naturfreundes vergleichen können. Aber ſie war ſchwarz, und wie auf jeder Seite ihres Hauptes zwei lange Locken melancholiſch herabhingen, ſo können wir ſie nur mit der dunkeln Cypreſſe vergleichen, welche über ihr Daſein trauert.

Es wäre Verleumdung geweſen, hätte man behaupten wollen, daß Adelgunde reich ſei. Aber ſüdlich von Treuen⸗ brietzen, dort, wo der märkiſche Sand ſeine Wolken am höchſten im Wind erhebt, ſtand in idylliſcher Abgelegen heit ein beſcheidenes Vorwerk, dem ein fleißiger Landmann mit zwei Kühen die Früchte des Feldes entlockte, und das Adelgunde ihr Eigen nannte. Und hier lebte ſie mit der treuen Beſchützerin ihrer Jugend, Fräulein Adelgiſa, vom Stamme derer von Kinkerlink.

Adalgiſa von Kinkerlink war Adelgunde's Tante, und ſie war reich genug an Würde, Ahnen und Jahren, um ihre Mutter zu ſein. Auch ſie hatte ſtets der Erbſünde des Cheſtandes entſagt, und ſich ganz einem würdevollen, beſchaulichen Wandel zum Wohle Adelgunde's und ihrer ſelbſt hingegeben. Friedli floſſen die Monde dahin, während ſie ihre jugendliche Gefährtin mit dem reichen Schatz ihrer Erfahrungen erbaute, und man ſich in einem beſcheidenen Kreiſe treuer Freundinnen dreimal wöchentlich der holden Geſelligkeit, gewürzt mit dem lieblich duftenden Getränk des Mocca, erfreute.

Aber alles auf Erden iſt vergänglich, und auch dies ſtille Glück ſollte geſtört werden.

Kounte denn eine ſo reife Frucht, wie Adelgunde, noch verſchönt durch die Schale eines traulichen Vor⸗ werkes, hier einſam vergehen, ohne gepflückt zu werden?

Nein, ſie konnte nicht.

Peter, Baron von Pinſel⸗Ohnewas, der blonde Spröß⸗ ling eines alten, weitverbreiteten Stammes deſſen Wurzeln bis zu Walter Sansavoir hinaufreichten und der noch jetzt in voller Blüthe ſtand, an Zweigen reicher, denn an Frucht für ſie, Peter, Baron von Pinſel⸗Ohnewas er⸗

ſchien, und Adelgunde ſchien beſtimmt, von ihm gepflückt

zu werden. Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

Der ſchlaue Zufall, der diesmal die Geſtalt der würdigen Hofräthin von Dürr, der Tante Peters, annahm, führte ihn auf das Vorwerk und zeigte ihm mit über⸗ wältigender Klarheit die Reize des einfachen Landſitzes und ſeiner Herrin. Der blonde Sprößling, der Pinſel⸗Ohne⸗ was, ſah ſie, und erſchloß Beiden ſein Herz. Sehnſüchtige Blicke warf er auf Adelgunden und ihr Vorwerk, ſein Auge wäſſerte ihm bei dem Anblick des dampfenden Schornſteins und des Bauers mit ſeinen zwei Kühen; ſeine vollen Wangen erglühten vor dem Grün des ſaftigen Kohls, ſein Mund ſchmatzte vor den nahrhaften Früchten des Feldes, Alles durchwebt von dem reizenden Bilde Adelgunde's, der es gehörte. Seiner Hand wurde es plötzlich einſam und im Gedauken legte er ſie ihr zu Füßen.

Sollte ſie darauf treten? Nein!

Peter war wohlgenährt, man wußte nicht wovon. Auf dem runden Geſicht thronte Ruhe und Einfachheit. In weiſer Mäßigung hatte ihm die Natur zu der Wucht ſeiner Standesehre von 18 Ahnen nicht noch die Laſt zu vieler Geiſteskräfte aufgebürdet. Auf ſeinem ganzen Selbſt ſpiegelte ſich weiter Nichts, als die Einfalt ſeines Herzens.

Adelgunde ſah ihn, und auch ſie ſchloß das Bild des ſchwärmeriſchen Jünglings an den warmen Buſen ihres innern Seins.

Das Feuer ſeiner Gefühle, das. diesmal die Geſtalt der verwitweten Hofräthin Dürr annahm, unternahm es, ſie mit der Wunde ſeines Herzens bekannt zu machen. Sie nannte ſeinen Namen.

Adelgunde erröthete. Zum erſten Male, ſeit ſie ſieb⸗ zehn Sommer weniger zählte, mußte ſie bei dem Namen eines Mannes das keuſche Roth auf ihre Wangen rufen.

Die würdige Hofräthin von Dürr zögerte nicht länger. Zärtlich umarmte ſie Adelgunden und ſchüttete ihr Herz, zugleich mit dem blonden Herzen ihres Neffen vor ihr aus.

Adelgunde begoß ſich mit Purpur.

Sprechen Sie mit meiner Tante! flüſterte ſie ver⸗ ſchämt und floh aus dem Zimmer, um in der Einſamkeit des Gartens unter dem lieblichen Grün des Kohls ſich den freudigen Träumen einer nie geahnten Seligkeit hinzugeben.

Glücklicher Pinſel!

II.

Die Jahre kommen und gehen, aber auch die Tage ſtehen nicht ſtil. Drei derſelben hatten ſich zu den andern geſellt, die ſchon über Adelgunde's Locken dahin gegangen waren, und die jungfräuliche Scheu war überwunden, Adelgunde war die Verlobte des glücklichen Peter v. Pinſel⸗Ohnewas.

Weſtlich von Treuenbrietzen, nur durch eine kurze Strecke heimatlichen Sandes von dem ländlichen Vor⸗ werk getrennt, erblüht ein kleiner Hain, den die einfachen Bewohner der Stadt mit dem Namen derKuſcheln be⸗ legt hatten. Hier wandelten am Abend des dritten Tages die jungen Liebenden im traulichen Geſpräch.

Adelgunde war glücklich. Zwar hatte ſie in ſchönen Stunden früher wohl geträumt, daß einſt ein Krieger in ſtolzer Uniform ſie heimführen ſolle! und mit hohen Er⸗ wartungen hatte ſie noch kaum vor 18 Jahren ihre Blicke auf die ſchlanken Officiere der Garniſon gerichtet. Doch das war vorbei. Sollte ſie jetzt noch durch wähleriſche

Ungenügſamkeit as hätin verſuchen? 8 f 48