Jahrgang 
1864
Seite
376
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Literatur und Kunſt.

Literatur und Kunſt.

Der rumäniſche Kulturverein zu Arad in Ungarn hat einen Preis von 1000 Dukaten für ein die rumäniſche Geſchichte behandelndes Werk ausgeſetzt. Die Geſchichte der öſterreichiſchen Rumänen und beſonders der Periode ihrer nationalen Wiedergeburt in den letzten Jahrzehenden unter der Regierung des Kaiſers Franz Joſef ſoll eine vor⸗ züglich ausführliche Berückſichtigung finden. Das ganze Werk ſoll einen mäßigen Band bilden und binnen Jahres friſt, vom 1. Dec. 1864 an gerechnet, abgeliefert werden.

Die deutſche Shakeſpeare⸗Geſellſchaft hat beſchloſ⸗ ſen, einen Preis von 100 Friedrichsd'or für eine neue Ueberſetzung und bühnengerechte Bearbeitung derCym⸗ beline auszuſetzen. Als Preisrichter werden drei Vorſtands⸗ mitglieder, welche nicht Mitbewerber ſein dürfen, und zwei von dieſen gewählte deutſche Bühnenvorſtände be⸗ ſtellt werden.

Franzöſiſche Blätter erwähnen jetzt wieder mehr⸗ fach die vor einigen Jahren von Paul Balze gemachte Erfindung im Gebiete der Emailmalerei, die ſich vorzüglich zur Ausführung von Fresken eignet. Ein in dieſer Weiſe vollendetes Gemälde:Die Viſion Ezechiels, erregte im diesjährigen Pariſer Salon Aufmerkſamkeit. Der Seine⸗ präfekt hat Paul Balze in Folge deſſen mit der maleri⸗ ſchen Ausſchmückung der drei Giebelfeder in der Vorhalle der Dreifaltigkeitskirche in Paris beauftragt, zu welcher Arbeit er die Kartons in Rom gleichzeitig mit einer Kopie der Raphael'ſchenGalanthea anfertigte, die der fran⸗ zöſiſche Miniſter des Innern beſtellt hatte. Das Verfahren des Künſtlers ſoll den Farbenſchmelz und die Dauerbar⸗ keit der Moſaik mit einer großen Erſparniß von Zeit und Koſten vereinigen; es hat ſich wenigſtens bei den Fresken im Hofe der Pariſer Schule der ſchönen Künſte und an der Kirche von Puyſeaux im Orleanais ſeit zwei Jahren

bald Er, bald Ihr, bald Sie zu ſagen. Ja Deutſche und noch ganz neuerlich ein ſehr guter Kopf geben ihnen darin recht. Letzterer ſagt: die Engländer, indem ſie alles mit you anredeten, gingen in der Thorheit(nämlich der, eine Perſon in der mehreren Zahl anzureden) doch nur halb ſo weit als Wir. Ich muß geſtehen, daß ich dieſes nicht glaube, und ich hoffe, der Leſer wird mir am Ende Recht geben. Es iſt allemahl hart und unbillig, ver⸗ jährten Sprachgebrauch, den der Weiſeſte nicht mehr ändern kann, eine Thorheit zu ſchelten, und faſt unverzeihlich, wenn eben in dieſem Sprachgebrauche ſehr viel mehr verborgen läge, als ſich manche Tadler vielleicht vorſtellen. Der Tadel kann ſich nicht darauf beziehen, daß wir eine Perſon ſo anreden, als wären es mehrere, denn das thun jene Na⸗ tionen ſelbſt, er bezieht ſich alſo entweder auf unſere größere Mannigfaltigkeit hierin, oder darauf, daß wir, um dieſe Mannigfaltigkeit zu erhalten, die Perſonen, die wir anreden, auch als dritte betrachten, indem wir Er und Sie fagen. Erſteres iſt ſicherlich kein Fehler, ſo lange mit der Mannigfaltigkeit der Zeichen auch Man⸗ nigfaltigkeit der Begriffe verbunden iſt, und dieſes iſt hier gewiß der Fall. Wir unterſcheiden in Verhältniſſen zwiſchen Menſchen gegen Menſchen ſehr viel feiner als andere Völker, und dieſes, der Grund davon liege nun in Deutſchem Familien⸗Stolz oder Deutſcher Philoſophie, iſt alle Mahl ein großer Gewinn für die Sprache über⸗ haupt, wie wir gleich ſehen werden. Letzteres, wenn es Tadel verdient, verdient ihn nicht mehr als jede Viel⸗ deutigkeit der Wörter, wovon es in allen Sprachen wimmelt; denn kein Deutſcher, der mit Jemanden durch Er und Sie ſpricht, denket ſich dabei jetzt noch dritte Perſonen. Dieſe Wörter ſind alſo weiter nichts als alte Zeichen, auch für neue Begriffe beibehalten, welches frei⸗ lich zuweilen Zweideutigkeit verurſachen kann, ſo wie tauſend Wörter in allen Sprachen der Welt es können;

bewährt. Der Künſtler hat in Gemeinſchaft mit Amadée Pichot, dem Direktor derRevue Britannique, in dieſer Angelegenheit eine Reiſe durch England, Belgien und Deutſchland unternommen, um ſeinen Fachgenoſſen Proben ſeines Verfahrens zu zeigen und die Ergebniſſe desſelben zugleich mit der Manier der Silikatmalerei zu vergleichen. Auch die deutſchen Bühnen beginnen jetzt ſich um die Partitur derAfrikanerin zu bewerben. Meyerbeer ſelbſt ſcheint gewünſcht zu haben, daß die Oper zuerſt in Berlin in Scene gehen ſolle, doch iſt ſicherem Vernehmen nach die Direktion des Theaters zu Nürnberg dieſerhalb mit den Meyherbeer'ſchen Erben in Unterhandlung getreten.

Im Hamburger Thaliatheater iſt kürzlich eine Görner'ſche Novität aufgeführt worden. Das Stück führt den TitelErziehung macht den Menſchen und ſoll in ſeine Vorwurf Aehnlichkeit mitLieschen Wildermuth haben.

Die Gemäldeſammlung des Muſeums in Köln hat wieder einen neuen Zuwachs durch die Erwerbung desSpaziergangs aus dem Fauſt von Schwerdtgeburth. in Weimar erhallen. Der Muſeums Verein hat 1800 Thlr. dafür gegeben. Das Nictenblatt des kölniſchen Kunſt⸗ vereins für die Jahre 1864 und 1865 iſt ein von Prof. E. E. Schäffer in Frankfurt a. M. ausgeführter Stich nach Leſſings gelungenem BildeCzzelin im Gefängniß. Das Original befindet ſich im Frankfurter Städel'ſchen Inſtitut und behandelt die Scene, wie zwei Mönche dem wilden Ghibellinenführer von ſeinem Vorſatz abzubringen ſuchen, ſich durch Hunger zu tödten.

In der Londoner Weſtminſter Abtei ſind die nöthigen Vorbereitungen zur Errichtung eines Denkmals für Thackeray getroffen. Das Domkapitel hat für die Büſte des großen Schriftſtellers, deren Ausführung dem Baron Marochetti übertragen iſt, einen Standort ge⸗ wählt, wo ſie dem Auge in Gemeinſchaft mit den Bruſt⸗ bildern Addiſon's und Macaulay's erſcheinen wird.

ſo wie ſie auch bei Vons und You und bei dem A ſiatt⸗ finden, das bei uns allerſeits, bald 1000 bald Monſieur und bald Magiſter bedeutet. Das iſt eine Kleinigkeit. Hierüber geht aber auch der Spott nicht her, ſondern über jene Mannigfaltigkeit, und die Subtilität in der Unter⸗ ſcheidung, und mich dünkt, einen ſolchen Tadel kann ſich ein philoſophiſches Volk wohl gefallen laſſen. Dafür können wir nun aber auch mit unſerem Du, Er, Sie, Ihr mit einer einzigen Sylbe Verhältniſſe von Menſchen aus⸗ drücken, wovon der Engländer und Franzoſe gar keinen Begriff hat oder wenigſtens keinen beſtimmten, weil ihm das Zeichen dazu fehlt. Sie ſehen es auch alle ein, ſo⸗ bald ſie die Sprache vollkommen verſtehen, zum ſichern Beweis, daß der Tadel ſich auf Unwiſſenheit gründete oder auf Trägheit eine Schwierigkeit zu überwinden. Echt⸗Deutſche Romane ſind daher dieſen Nationen un⸗ überſetzbar. Ich möchte wohl wiſſen, wie ſich der Engländer die Verachtung ausdrücken wollte, die das Er mit ſich führt, wenn ein Vorgeſetzter zu Jemanden, zu dem er ſonſt im Dienſte Sie zu ſagen pflegte, nun da er ihn auf einem Betruge ertappt, mit Er anredet, das kaum vor der völligen Ueberführung angeht und ſchon zur Strafe gehört. Oder wenn Leute vom Stande in Streit gerathen, und einer den andern fragt: hörerwas er will? oder von der anderen Seite das liebereiche ſcherzende Er zwiſchen Perſonen, die ſich gewöhnlich Duzen, ſerner die mannigfaltige Treuherzigkeit in unſerem Ihr? Ja ſelbſt das ſeelenverbindende Du, wenn es zumahl zwiſchen Perſonen von verſchiedenem Geſchlechte aus dem Sie er⸗ wächſt, iſt für ihn verloren, ſein Thou iſt entweder feier⸗ lich wie im Gebet, oder dichteriſch, oder drollig oder quäckerhaft. Er muß ſich mit Umſchreibungen helfen, aber das Umſchreiben haben wir alsdann entweder zu gut, over können es im Fall der Noth auch, ſo gut als die Ausländer und die Wilden.