Jahrgang 
1864
Seite
372
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372 Das Chriſtenthum in Mähren.

Noth kam ihm der Neffe zu Hilfe. Er hatte von Hans erfahren, ſein Herr habe ſich in London eine ſchöne ſilberne Doſe gekauft und auf dieſe baute er.

Sie haben ſich blamirt, Tante, ſprach er,das fürchterliche Ding iſt eine Doſe, welche Frau Fuchs für ihren Gemal kaufte und die Onkel Rummel zum Scherze zurückhält.

Eine Doſe? dehnte Lukretia.

Dieſe Doſe, ſprach Rummel und zog ſie hervor.Spitzbube, flüſterte er ſeinem Neffen zu, das iſt ja meine Doſe.

Kriegskoſten müſſen ſein, entgegnete dieſer, und Lukretia ſtürzte auf die Doſe zu, um zu unterſu⸗ chen, ob es wirklich eine ihr unbekannte Doſe wäre.

Du zweifelſt doch nicht an mir? fragte Rum⸗ mel mit ſauerem Lächeln ſeine Gattin.Die Gnädige kaufte dieſe Doſe bei demſelben Juwelier, bei dem ich für Dich einen Schmuck beſtellt habe. Er überreichte mit einem Seufzer Marien die Doſe.

Nun glaubte Lukretia, und auch Fuchs, an⸗ genehm überraſcht, glaubte daran, daß man ihn nur habe auf die Probe ſtellen wollen, ob er wirklich eifer⸗ ſüchtig ſei. Sein Glück erreichte aber den Höhepunkt, als er erfuhr, ſein Sohn habe Rummels Tochter mit Gewalt küſſen wollen, woraus er ableiten zu können glaubte, daß er nicht in ſeine Mutter verliebt ſei.

Rummelfolgte die Briefe an Karl aus, der ſie Marien aushändigte, und ſo traten denn, bis auf Rummel, Alle vergnügt die Rückkehr von der Ver⸗ gnügungsreiſe an.

Seit jener Zeit hat Rummel eine Antipathie gegen leichtes Tuch und will ſich beſſern.

Das Chriſtenthum in Mähren.

ie mähriſche Legende berichtet über das Herum⸗ reiſen der heiligen Brüder Cyrill und Methud

⸗oh in Groß⸗Mähren.

de Dort, wo in der Walachei bei Roznau der mächtige Radhost ſein ſtolzes Haupt erhebt, dort verehrten unſere Väter den Gott der Gaſtfreund⸗ ſchaft. Gerade waren dort fromme Scharen verſammelt zur Abhaltung einer lärmenden Feierlichkeit da trat mitten unter die tolle Schar der unerſchrockene Apoſtel Cyrill, und zertrümmerte vor ihren erſtaunten Blicken das Cötzenbild des Radhost. Von jenem Augenblicke an ſtrahlt vom Gipfel des Berges herab das Zeichen unſerer Erlöſung das heilige Kreuz, und ſo mancher Mährer und Chriſt jeder Nation, der da hieher kommt, um an dieſen Stätten die Geneſung ſeines ſiechen Kör⸗ pers zu finden, verweilt bei dieſem Kreuze, und verſenkt ſich dankbar in die Betrachtung jener Tage, in denen die heiligen Chrillus und Methodius unſere Vorfahren geheilt haben von der Blindheit des Heidenthums, in⸗ dem ſie ſelbe geführt haben zur Erkenntniß des allein wahren Gottes, und deſſen, den Er uns geſendet

Feſu Chriſti.

Dort, wo die Burg Spielberg die Hauptſtadt des Landes und die Ebenen gegen Süd weithin beherrſcht, dort beteten unſere Vorfahren den Götzen Perun an von dem ſie glaubten, daß er die Blitze ſchleudere und die Donnerkeile ſchmiede auf die armen Sterblichen. Gerade hielten ſie ihm zu Ehren die Frühlingsfeier ab, bei welcher ſie mit brennenden Fackeln um ſein Stand⸗ bild herumtanzten, da erſchienen unter ihnen als Boten des Himmels unſere heiligen Apoſtel die Erde erdröhnte unter dem Sturze des Götzen; er zerfiel in Trümmern. Sie aber belehrten die Verblendeten, daß der ſtumme Götze kein Gott ſei. Das Volk, ſtumm vor Entſetzen, erwartet, Perun werde ſchreckliche Rache neh⸗ men an dem, der es gewagt, mit verwegener Hand ſein Bild zu zertrümmern. Aber da dem heiligen Cyrillus kein Haar am Haupte gekrümmt worden, da fiel es ihnen wie Schuppen von ihren Geiſtesaugen, ſie er⸗ kannten, daß es nur einen wahren Gott gebe, den in der Dreiheit Einigen, den die heiligen Apoſtel ihnen verkündiget haben; die Feier des Perun aber wurde in eine weſentlich chriſtliche umgewandelt.

Dort, wo gegenüber dem Spielberge die Kathe⸗ drale der heiligen Apoſtelfürſten die Stirn des Fran⸗ zensberges krönt, dort ſtand die Bildſäule der nicht immer keuſchen Liebesgöttin Lada; auch dieſe ſtürzten unſere heiligen Glaubensboten, und lehrten unſere Väter verehren und anrufen die Mutter der wahren, keuſchen Liebe, Maria, die Mutter des Welterlöſers.

Die deutſche Höflichkeitsſprache.

Mn den älteſten Zeiten bedienten ſich die deutſchen Stämme gleich den anderen Germanen zur Anrede des Pronomens der zweiten Perſon, des naturgemäßen Du, das auch im Alterthum allein gebraucht wurde. Im gewöhnlichen Leben, ſo wie bei feierlichen Gelegenheiten ertönte das bezeichnende Du, es mochte wer immer an⸗ geredet werden, wofür uns ein merkwürdiges Beiſpiel in dem Eidſchwur der Könige zu Verdun im Jahre 843 er⸗ halten iſt. Gleichzeitig war indeß auch ſchon namentlich zur Anſprache gewiſſer Stände die Anrede mit dem plu⸗ ralen Pronomen Ihr bekannt, die, wie es ſcheint, kurze Zeit vorher ſich aus dem unter gewiſſen Bedingungen üblichen Gebrauch, von ſich ſelbſt in der erſten Perſon des Plurals zu reden, entwickelt hat. Gebrauchten nämlich die Kaiſer und Könige, die Fürſten und bald auch andere Mächtige der Erde, als Biſchöfe, Aebte u. ſ. w., wenn ſie von ſich ſelbſt redeten, nach Art der römiſchen Imperatoren, um ihre Macht ſymboliſch anzudeuten, Pronomen und Verbum im Plural, re⸗ deten Schriftſteller von ſich ſelbſt im Plural, indem ſie ſich gewiſſermaßen mit den Leſern zu einer Mehrheit vereinen, wie konnte es da fehlen, daß nicht bald auch Andere Könige u. ſ w. mit dem Pronomen und Verbum im Plural anredeten, um dadurch die Macht und das Anſehen, das ſich jene durch die plurale Ausdrucksweiſe beilegten, auch anzuerkennen?., Nicht lange blieb indeß dieſe Anredeweiſe bei ihrer urſprünglichen Tendenz, Macht anzuerkennen und Ab⸗ hängigkeit an den Tag zu legen, ſtehen. Bald verpflanzte ſie ſich auch unter Perſonen desſelben Standes, und nahm, aus ihrer anfänglichen, engbegrenzten Sphäre her⸗ austretend, allmälig den Charakter einer aufmerkſamen