370 Julius Roſen: Eine Vergnügungsreiſe.
diskret ſein und nichts verrathen. In Zukunft aber knüpfen Sie Ihre geheimen Verbindungen geheimer an, damit nicht ein einfaches Weib ſie durchſchaut.“
Wühler machte ein Schafsgeſicht und beſtärkte damit die Angabe Karls, der nicht wußt e, wie ihm geſchah.
„Nun glaube ich Dir,“ flüſterte Lukretia Karl in's Ohr,„den hat ſein Geſicht verrathen.“ Lachend entfernte ſie ſich in ihr Zimmer.
„Wahre Teufel, dieſe Weiber,“ murrte Wühler, dann wandte er ſich an Karl und bat ihn, er möge ihn nicht verrathen.
Dies konnte Karl verſprechen, denn er wußte ja nichts, erfuhr aber gleich das Mißverſtändniß, welches ihn und ſeinen Plan gerettet hatte.
„Wenn man erführe,“ ſprach Wühler,„daß ich kein politiſch Kompromittirter bin, daß ich mich nur dafür ausgebe, um unterſtützt zu werden, daß meine geheimen Verbindungen und Komplotte pure Erfin⸗ dungen ſind, mein Erwerb wäre vernichtet.“
Nun wußte Karl, woran er war und verſicherte, er werde nichts verrathen, wofür er das Verſprechen erhielt, niemals von Wühler angebettelt zu werden.
Nun galt es, den Herrn Fuchs in ähnlicher Weiſe zu bearbeiten, wie es bei der ſanften Lukretia geſchehen war. Gelegenheit hiezu bot ſich ſehr bald, denn der eiferſüchtige Ehemann folgte Karl augen⸗ blicklich auf deſſen Zimmer, als er ihm ein Komplott, das ihn und ſeine Frau betreffe, zu enthüllen verſprach.
Während dies geſchah, ſchlich ſich Rummel in's Zimmer, rief ſeinen treuen Diener, ſtellte ihn zur Aus⸗ gangsthür, um ſich vor Ueberraſchungen zu ſchützen, und klopfte an die Thür, die zu Mariens Zimmer führte.
„Haben Sie Eduard,— haben Sie meinen Sohn geſehen?“ rief ihm dieſe entgegen.
„Ich habe ihn geſehen,“ antwortete Rummel, „aber er will von einer Herausgabe der Briefe nichts wiſſen. Sagen Sie ihr, ſo ſprach er, und drückte beide Hände an's Herz, daß dieſe Briefe das Einzige ſind, was mich an die ſchöne, leider verlorne Jugendzeit erinnert, daß ich ſie niemals, auch nach dem Tode nicht herausgeben werde.“
„Der arme Eduard““ ſeufzte Marie.
„Der bockbeinige Menſch,“ ſetzte Kummel hinzu, „ich habe ihm zugeredet, wie einem Polen, der ſich nicht amneſtiren laſſen will, aber er that, wie Dänemark, er deklamirte und— gab nichts!“
„Und doch muß ich die Briefe haben,“ entgegnete Marie.„Liebſter, beſter Herr Rummel, Sie müſſen es möglich machen, daß ich mit Ed uard ſpreche, mir wird er die Briefe gewiß nicht verſagen, meine mütter⸗ liche Autorität—“
„Na, na, auf dieſe dürfen Sie ſich nicht verlaſſen,“ fiel ihr Rummel in's Wort,„er ſcheint mehr Don Carlos als Fuchs zu ſein. Ja, wenn ich es wäre, ich könnte Ihnen freilich nichts verſagen, denn bei einer ſolchen Mutter möchte ich ſchon Säugling ſein.“
Aber Marie ließ nicht nach, ſie bat ſo lange bis Rummel verſprach, ihrem Fuchs und ſeinem
Drachen zum Trotze eine Zuſammenkunft mit ihrem Sohne möglich zu machen. Dankbar reichte ihm Marie ihre Hand, die er mit ſtürmiſchen Küſſen bedeckte.
Während er noch mit dieſer angenehmen Ver⸗ richtung beſchäftigt war, traten Lukretia und Herr Fuchs, jedes aus ſeinem Zimmer, und ſtürzten auf die Verletzer der ehelichen Händedrücke zu.
Dieſe fuhren erſchrocken aus einander, und Rum⸗ mel, zitternd vor dem Gewichte des Zornes ſeines zweiten Ich, jammerte kläglich:„Erbarmen, Lukretia, dieſer Händedruck war ein Druckfehler. Ich korrigire ihn.“ Er wollte zu ihren Füßen ſinken.
Marie aber ſah ängſtlich in die Augen ihres Gatten und betheuerte:„Ich bin unſchuldig!“
Die beiden Wütheriche hatten ſich beſonnen. Karls Reden hatten gewirkt, ſie beſchloſſen, keine Eiferſucht merken zu laſſen.
Mit geballten Fäuſten lächelte Lukretia ihrem Rummel zu und flüſterte:„Recht gut haſt Du es gemacht, nur etwas mehr Feuer ſollteſt Du entwickeln.“
Rummel wollte etwas erwiedern, aber die Verwunderung hatte ihn ſtumm gemacht. Mit einem dummen Geſicht und offenem Mund ſtand er da und ſtarrte ſeine ſanfte Lukretia an.
Eben ſo verwundert war Marie, als ihr Fuchs leiſe zuflüſterte:„Sei nicht ſo ſpröde, ich erlaube Dir ſchon ein bischen Zärtlichkeit.“
Die Verwunderung der Beiden ſollte aber noch größer werden.
Sowohl Lukretia als Fuchs wollten ihr Müthchen an einander kühlen. Jedes ſollte merken, daß ſein Plan errathen war und ſollte ſich ſchämen.
„Nun, Herr Nachbar,“ hub Lukretia an,„Sie ſtehen ja ganz niedergedonnert da, hüten Sie ſich, mein Gatte iſt ein gar gefährlicher Mann.“ Sie lachte Herrn Fuchs ins Geſicht.
Aber dieſer ließ ſich nicht in Verlegenheit bringen. „Sie haben ſich zu fürchten, liebe Frau Nachbarin,“ entgegnete er,„denn meine Frau iſt eine entſetzliche Kokette, ſie hat es ihm angethan!“
„Treten Sie doch zwiſchen die Verliebten,“ lachte Lukretia,„damit kein Unglück geſchieht. Sehen Sie nur, mein Gatte glüht ſchon! ha ha ha!“
„Und meine Gemalin iſt außer ſich,“ lachte Fuchs.
„Sie haben Beide das Liebesfieber,“ entgegnete ſie,„es iſt am beſten, wir laſſen es austoben. Nicht wahr?“
„Das denke ich auch,“ antwortete er,„und will Ihnen einen Vorſchlag machen. Gehen wir in Gemein⸗ ſchaft in die Weltausſtellung, da werden die Verliebten Gelegenheit genug haben, ſich auszuſprechen.
„Vortrefflich,“ lachte ſie.„Wollen Sie mir nicht Ihren Arm reichen?“
„Laſſen wir die jungen Leute vorausgehen. So gib doch dem Herrn Deinen Arm, Marie,“ ſagte Fuchs.
„Sie ſind verrückt,“ jammerte Rummel und ſah Marien ängſtlich an. Er wagte es nicht, dieſer


