Jahrgang 
1864
Seite
366
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366 Julius Roſen: Eine Vergnügungsreiſe.

Wo bin ich? fragte Rummel ſcheinbar aus ſeiner Ohnmacht erwachend.

In England, gnädiger Herr, entgegnete Hans, das ſehen Sie ja doch an dieſer engliſchen Erſcheinung.

Fuchs hatte dieſe Anſpielung auf ſeine Frau nicht bemerkt. Er war von Wühler in Empfang ge⸗ nommen und nach hinten geſchleppt worden, wo ihn dieſer fragte, ob er ein Deutſcher ſei.

Zu dienen, entgegnete Fuchs.

Ja zum Dienen, ſprach mit bitterer Stimme Wühler.Das iſt eben unſer Fluch, mein Herr. Ge⸗ hen wir zurück ich habe Ihnen Etwas zu vertrauen.

Inzwiſchen hatte Rummel ſeiner Geliebten Hand erwiſcht und ſeufzte jämmerlich:Ich liebe Sie!

Mit einem Schrei fuhr Marie, ſo hieß die Frau, zurück und der erſchrockene Gatte, der ſich vergeblich von Wühler loszumachen ſuchte, fragte argwöhniſch, was es gäbe?

Dem Patienten iſt der Geiſt ſtatt in die Naſe in den Mund gekommen, entgegnete Hans,und da iſt die Gnädige erſchrocken.

Der beruhigte Gatte empfahl ſeiner Frau Acht zu geben, damit der Patient ſich den Mund nicht verbrenne.

Dies empfahl auch Hans ſeinem Herrn, aber die⸗ ſer ließ ſich nicht abhalten und verſicherte Marien, er müſſe ſie geheim ſprechen, ſonſt werde er ſich um⸗ bringen.

Während er mit ihr unterhandelte, wurde Herr Fuchs von Wühler bearbeitet.Ich bin ein politiſch Kompromittirter, ſagte Wühler.Mit Garibaldi bin ich in die Schule gegangen, ſollte, als ich erwachſen war, Klapka's Tochter heiraten und wurde ſo mit der polni⸗ ſchen Inſurrektion verwandt.

Was geht das alles mich an? fragte ungedul⸗ dig der Kaufmann.

Ich habe den Faden aller geheimen Verbindun⸗ gen in der Hand, fuhr Wühler fort.Aber mein Herr, man iſt nicht Märtyrer, um zu verhungern. Ich hoffe, daß Ihr Patriotismus

Er machte dabei eine ſo unzweideutige Geberde, daß Fuchs augenblicklich erkannte, er werde angebettelt. Das Geben war nun eine ſehr empfindliche Seite des Herrn Fuchs. Er riß ſich unwillig von Wühler los und donnerte ihm entgegen:Sie glauben doch nicht, daß ich Ihnen Geld geben werde, auf daß Sie Unfug treiben können? Herr, ich bin ein ehrlicher Oeſterreicher und ſage Ihnen ein für allemal: Ich will nicht.

Sie echauffiren ſich unnöthig, entgegnete Wühler.

Und Sie ärgern mich unnöthig, ſprach unwillig Fuchs,laſſen Sie mich in Ruhe.

Aber Wühler gab nicht nach und verfolgte noch immer den hin⸗ und herlaufenden Kaufmann, dem er vergeblich die Vortheile der Emigration klar zu machen verſuchte.

Inzwiſchen hatte Rummel, noch immer den Lei⸗ denden ſpielend, viel und doch vergeblich um ein Rendez⸗ vous gebettelt.

Glauben Sie nicht, mein Herr, ſprach Marie, daß ich Sie nicht kenne, Sie haben Weib und Kind und ſprechen von Liebe.

Eben weil ich Weib und Kind habe, entgegnete Rummel,muß ich die Liebe kennen.

Und doch halte ich Sie für einen Ehrenmann, der mir einen großen Gefallen erweiſen wird, ſagte Marie.

O ſprechen Sie, jubelte Rummel,für Sie laſſe ich mich

Frottiren, ſetzte Hans hinzu und rieb ſeines Herrn Schläfen, der es geduldig litt, da Herr Fuchs in ſeine Nähe gekommen war.

Mein Stiefſohn, der Maler Eduard Fuchs, lebt in London, flüſterte Marie.Er verließ ſeine Vaterſtadt um einer unglücklichen Liebe willen. Dieſer junge überſpannte Menſch hat Briefe von mir, die, falls ſie meinem Manne in die Hände fielen, nur Unglück an⸗ richten würden. Dieſe muß er herausgeben.

Er muß, entgegnete Rummel.Ich will ſie von ihm verlangen, und ſollte er ſich weigern, ſo werde ich ihn

Frottiren, rief Hans, denn abermals machte Herr Fuchs die Gegend unſicher.

Herr Fuchs entfernte ſich wieder.

Nun aber ſtehen Sie auf, flüſterte Hans ſei⸗ nem Herrn zu,damit Sie keinen Argwohn erregen. Sie ſind ja länger ohmnächtig als die Türkei.

Rummel erhob ſich, warf der jungen Frau einen vielbedeutenden Blick zu, dankte Herrn Fuchs für die ihm geleiſtete Hilfe und ließ ſich von Hans auf ſein Zimmer führen. Auch Wühler entfernte ſich, ohne Fuchs zu einem patriotiſchen Geſchenke bewogen zu haben, mit der Drohung, der Kaufmann werde ſeine Hartnäckigkeit bereuen.

Darüber zornig, ſuchte der Kaufmann eine Gelegen⸗ heit, um mit ſeiner Frau zu zanken. Dieſe fand er denn auch gar bald in der dem Tuchmacher geleiſteten Auf⸗ merkſamkeit und hub an:Du warſt ja ziemlich lange mit dem Fremden beſchäftigt?

That ich nicht meine Pflicht? entgegnete Marie ſanft.Ueberdies iſt es kein Fremder, es iſt unſer Nach⸗ bar, der Fabrikant Rummel. Kennſt Du ihn denn nicht?

So, alſo ein Bekannter, entgegnete biſſig der Kaufmann.Was Du alles für Bekanntſchaften haſt. Sie antwortete nicht.Warum kennſt Du ihn? fuhr er ſie zornig an.

Mein Gott, wie ſoll ich darauf antworten?

Du weißt es nicht, fuhr er fort,ich will Dir's ſagen! Weil Du eine Kokette biſt, die alle Männer kennt. Vielleicht iſt es gar nicht Zufall, der uns hier zuſam⸗ menführte, vielleicht iſt es eine Verabredung? Darum alſo haſt Du mit Gewalt reiſen wollen?

Aber, Mann, wo denkſt Du hin? entgegnete Marie ſanft.

An die weibliche Treuloſigkeit! Aber dies ſage ich Dir, komme ich einmal hinter Deine Schliche, ich tödte mich und dann Dich! Nun geh auf Dein