Jahrgang 
1864
Seite
361
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Ein Nachtſtück.

es zuweilen den Abgeſchiedenen geſtattet iſt, ſich wieder um das umzuſehen, ‚was ihnen auf Erden am liebſten geweſen. Und das war wohl das Vaterland, er⸗ wiederte der Andere. Sind letzthin wohl allerhand blutige Schatten da unten an mir vorbei geſchwebt, ich frug ſie wohl, wie es im theuren Vaterland ausſehe, der Hauch der Ewigkeit trieb ſie aber ſo ſchnell vorüber, daß wir kaum einige Gedanken(Worte haben wir unten ja nicht, oder ſprechen ſie nicht aus) aus⸗ tauſchten. Das Wenige, was ich entnahm, war mir aber ganz unverſtändlich. Muß ſich viel Oben verändert haben.

Man kann denken, mit welchem Staunen ich dieſem ſonderbaren Geſpräch zuhörte, welches mir ſehr unheimlich wurde. Ich drückte die Augen zu und wen⸗ dete mich in die Ecke. Da hörte ich deutlich, wie der Eine meiner ſonderbaren Reiſegefährten zum Andern ſagte: das iſt vielleicht ein Naderer(Polizeiſpion), wie es auch zu unſerer Zeit Legionen gab. Sollen jetzt noch viel mehr ſein. Das war mir zu arg, ich raffte mich empor, aber wer beſchreibt meinen Schreck, als ich bemerkte, daß die beiden Herren jeder ſeinen Kopf in den Händen auf den Knien liegend hielt. Liebwertheſte und verehrteſte Herren, wollen Sie nicht gütigſt, wenigſtens einer von Ihnen, ſeinen hochgeachte ten Schädel en place ſetzen, damit derſelbe kapabel ſei, meine devoteſte aber auch ſehr beſtimmte Erklärung zu hören, daß Sie in mir jedenfalls keinen ſogenannten Spitzel in Ihrer Geſellſchaft zu befürchten haben, welche mir aber, aufrichtig geſtanden, nicht eben beſonders zu⸗ ſagt. Ich bin ein Edelmann und ein ehrlicher Mann und Sie können ohne Scheu vor mir konverſiren. Ob zwar ich einer anderen Zeit angehöre und nicht die Ehre habe, wie Sie, geköpft worden zu ſein, glaube ich dennoch, daß man auch jetzt noch zugleich den Kopf auf den Schultern und das Herz in der Bruſt am rechten Fleck haben könne! Der Eine der Herren ſetzte nun gravitätiſch ſeinen Kopf mit beiden Händen auf den Rumpf, wendete ſein ſchönes, ernſtes, bleiches Geſicht mir zu und frug mich um meinen Namen, als ich dieſen genanut, ſchien eine Erinnerung in ihm aufzu⸗ wachen. Ein Schurke ſind Sie dann wohl nicht, oder der Apfel fiele weit vom Stamm. Habe von Ihrem Ahnherrn gehört. Kämpfte mit dem Meinigen gegen den Erzfeind und war mit ſeinen Wallonen ein Waffen⸗ bruder der edlen Palffy von Raab. Richtig, ſtam⸗ melte ich, erſt nach und nach meine Scheu überwindend und mich an meine ſonderbare Situation gewöhnend, und wenn es mir vergönnt ſein ſollte, Ihnen, meine Herren, die wohl ſehr weit herkommen und ſchon längere Zeit abweſend zu ſein ſcheinen, auf irgend eine Weiſe dienen zu können, wär' es mir ein wahres Vergnügen! Das kann leicht der Fall ſein, da, wie Sie ſagen, wir bereits hier durch unſere lange Abweſenheit, d. h. wir waren wohl immer anweſend, aber freilich nicht auf, ſondern unter der Erde, gleich dort neben dem ehemaligen Zeughaus an der Pfarrkirche war unſere Wohnung, ſomit mit dem Treiben ober derſelben ziemlich unbekannt. Ich bin, oder vielmehr war der

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

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Ban von Kroatien, Graf Peter Zrinyi,*) und dieſer hier, der andere Herr hatte mittlerweile auch ſeinen Kopf wieder aufgeſetzt iſt mein Schwager, Graf Fran⸗ gipanyi. Wir haben die Vergünſtigung erhalten, unſern Freund, Graf Nadasdy, aufzuſuchen, der zu Wien in der Bürgerſtube in der Wipplingergaſſe geköpft wurde und in Lockenhaus liegt, müſſen aber in Wien an dem Orte, wo er ſtarb, mit ihm zufammen⸗ kommen, da nur da, wo das Blut den Boden getränkt, das materielle Leben und der Körper ſich mit dem Geiſt verbinden kann. Wollen Sie uns alſo wohl in Wien an dieſen Ort begleiten? Halb bewußtlos vor Angſt ſagte ich zu. Wir waren auf den Friedhof vor der Meidlinger Linie gelangt. Zahlloſe Schatten ſchwirrten und ſchwebten zwiſchen den Kreuzen. Es waren Kroaten geiſter. Zrinyi erkannte ſie und frug ſie, wie ſie hier⸗ hergekommenwir haben den Aufruhr in Wien ge züchtigt und gedämpft, viele von uns ſind aber hier gefallen, und haben die Treue an das Kaiſerhaus mit unſerem Blute beſiegelt, wie bereits unſere Vorfahren gegen Türken, Schweden, Franzoſen, Baiern und ſon ſtige Deutſchvölker. Wer war Euer Ban? Der edle Jellachich. Was iſt aus ihm geworden? Er ſtarb mit gebrochenem Herzen, konnte mit den deutſchen Beamten ſo wenig wie früher mit den ungariſchen zu⸗ recht kommen. Sonderbar! brummte Peter Zrinyi und ſchüttelte den Kopf, ſo daß er ihm beinahe herab⸗ gefallen wäre!

Wir waren mittlerweile, ich weiß ſelbſt nicht wie, aus dem Waggon geſtiegen und wandelten über das Leichenfeld der Linie zu. Da geſellte ſich ein dritter Herr zu uns. Er trug ein ſchwarzſammtenes Staatskleid und eine goldene Kette um den Hals. Manſchetten von Brüſſeler Spitzen verſteckten faſt die zierlichen, mit koſtbaren Ringen verzierten, feinen Hände. Ich be⸗ merkte auf ihnen, wie auf der feinen weißen Halskrauſe einige blaßrothe, geſprenkelte Flecken, mochten wohl von Blut herrühren. Ich war bereits ſo an das Freind⸗ artige und Schauerliche gewöhnt, daß es mich gar nicht befremdete, als der Ankömmling als Gruß den Kopf herabnahm, ſich verbeugte und ihn dann ganz unbe⸗ fangen wieder aufſetzte! Seid gegrüßt, Herr Bruder Tattenbach, wir haben uns zwar auf unſerem Todes⸗ wege nicht begegnet, aber doch zuſammen für dieſelbe Sache gelitten. Kommt wohl auch, unſeren Leidens⸗ bruder, den Judex curiae Nadasdy heimzuſuchen? Ja wohl, ich habe von dem uns geſchenkten kurzen Ur⸗ laub Gebrauch gemacht und meine ſtille Klauſe in Gratz für dieſe Nacht verlaſſen dürfen! So laßt uns eilen, bevor der Morgen anbricht, wie mich bedäucht, graut er bereits! Wir näherten uns dem Linienwall, wobei ich mich nicht enthalten konnte zu bemerken, daß derſelbe eigentlich als Schutzwehr gegen die Malkontenten gebaut, ſeitdem aber von Türken und Franzoſen öfters überſprungen worden, letztlich aber von den rebelliſchen

*) Ein Enkel des Niklas Zrinyi von Sigeth. Peter nahm an einer Verſchwörung gegen Oeſterreich Theil und wurde in Neuſtadt enthauptet.

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