Jahrgang 
1864
Seite
358
Einzelbild herunterladen

Sie haben großes Unrecht abzubüßen. Daß Sie nicht mehr in der Armee meines Gatten, daß Sie nicht mehr bei Hofe bleiben können, werden Sie begreiflich finden. Ein Kriegsgericht ſoll Sie Ihrer Würde entkleiden und dann ſagen Sie Ihrem Vaterlande Lebewohl auf Nim⸗ merwiederſehen!

Gramonzſchlich zerſchmettert hinaus. Die Un⸗ gnade der Königin und das Unglück hatten ſeinen Uebermuth gebrochen, ſo ſtolz er im Glücke geweſen, ſo verzweifelt war er nun. Die Worte der Königin gingen ihm in Erfüllung. Er wurde ſeiner Aemter und Wür⸗ den entkleidet und verließ ſein Vaterland.

Doch kehren wir zur Königin und zu Wilhelm zurück.

Ihnen, ſprach die Königin zu Wilhelm, bringe ich des Königs Gnade. Er gibt Ihnen die Freiheit wieder. Die ausgeſtandene Todesangſt ſoll die Strafe ſein für den Frevel, mit welchem Sie ſich ſelbſt anklagten, um ſterben zu können. Zur Beſtreitung der Reiſekoſten nehmen Sie hier dieſe Börſe, ſie wird Sie vor Mangel ſchützen. Gehen Sie mit Gott und vergeſſen Sie niemals, was Sie dieſem braven, tapfern Weibe ſchuldig ſind!

Ohne auf den Dank der Glücklichen zu warten, verſchwand die Königin und mit ihr das Gefolge.

Wer war nun glücklicher als Wilhelm und Elſe. Sie waren frei, ſie hatten ſich wieder gefunden und hatten reichlich Geld, um ihre Heimat ſo bald als möglich zu gewinnen.

Dieſes Glück war die beſte Mediein für Elſens Krankheit. Obwohl ihre Verletzungen ſchwer geweſen waren, half ihr doch die ausgezeichnete Behandlung und ärztliche Pflege, ſo wie die Stimmung ihrer Seele ſehr bald auf die Füße, und ehe acht Tage vergingen, konnte ſie nach der Erklärung des Arztes reiſen. Sie konnte jedoch Dänemark nicht verlaſſen, ohne eine Schuld ab⸗ zutragen, welche, wenn ſie unberichtigt geblieben wäre, ihr ewig auf der Seele gebrannt hätte. Sie miethete einen Wagen und fuhr in Geſellſchaft ihres Gatten zu ihrem Vetter dem Fiſcher Frieb hinaus.

Die Ankunft eines Lohnkutſchers machte in der ſtillen Umgebung der Fiſcherhütte ungeheures Aufſehen. Wo es einen Kopf und ein Paar Füße gab, wurden er⸗ ſtere zum Fenſter hinausgeſteckt und letztere eilten der ungewohnten Erſcheinung zu. Vetter Frieb eilte zum Schlage und riß ihn, das Käppchen in der Hand, auf, um dem noblen Beſuch herauszuhelfen. Er machte ein äußerſt dummes Geſicht, als er Elſen und ihren Gatten erblickte.

Wilhelm Elſe ſtotterte er.

Ich bin es, entgegnete Elſe,und komme, Euch meine Schuld abzuzahlen, Vetter.

Frieb machte eine äußerſt poſſirliche Figur. Das Käppchen hielt er noch immer in der Hand und dann, als er, Elſen gewahrend, dasſelbe aufſetzen wollte, hatten ihm die WorteSchuld undzahlen neuen Reſpekt eingeflößt und ſeine Hand hielt ſtill.

Ja, Vetter, fuhr Elſe fort.Ich bin Euere große Schuldnerin. Durch meine Schuld verlort Ihr

Julius Roſen.Schleswig⸗Holſtein meerumſchlungen.

Euere zwei Kähne und dieſe will ich Euch erſetzen. Ihr werdet dann nicht mehr böſe auf mich ſein und mir das Leid vergeſſen, welches ich über Euch gebracht habe.

Hm, entgegnete Frieb,wir denken nicht mehr daran, auch iſt mir nur der große Kahn zerſchmet⸗ tert worden, den kleinen haben wir wieder aufgefangen.

Dann will ich Euch nur den großen bezahlen, entgegnete Elſe.Iſt das genug? Sie reichte ihm eine Handvoll Goldſtücke.

Oh oh CEuer Gnaden gute, brave Elſe, wollte ich ſagen, ſtotterte Frieb,genug, übergenug. Mutterl rief er ſeiner eben dazukommenden Frau zu,ſiehſt Du, daß ich Recht hatte, wenn ich er⸗ klärte, Elſe würde uns noch glücklich machen, hier, das gab ſie mir für meinen alten Kahn.

Die beim Anblick des Goldes plötzlich gut gewor⸗ denen Fiſchersleute wollten nun ihre lieben Verwandten durchaus nicht fortlaſſen und baten dieſelben, doch nur einen Tag bei ihnen zu bleiben. Wilhelm und Elſe aber eilten der Heimat zu und ſo fuhren ſie denn ſo⸗ gleich zurück und beſtiegen das Schiff, welches ſie in kurzer Zeit all ihren Lieben wiedergeben ſollte.

8.

Wir wollen nun zu der Hochzeitstafel auf Schloß Kronwerda zurückkehren und berichten, auf welche Weiſe auch die letzten Wünſche aller Anweſenden in Erfüllung gegangen ſind.

Die allgemeine Fröhlichkeit wurde, wie wir ſchon erwähnt haben, nur dadurch beeinträchtigt, daß man ſich des guten Wilhelm und ſeiner Gattin erinnert hatte, ohne daß irgend Jemand aus der Geſellſchaft über die Schickſale der Beiden hätte Näheres angeben können.

Berger wußte, daß Elſe nach Kopenhagen ge⸗ gangen, um ihren Mann zu befreien, und der alte Graf wußte, daß Wilhelm ſich hatte verhaften laſſen, um ihn zu retten. Was weiter mit ihnen geſchehen ſei, konnte Nie⸗ mand ſagen. Nachdem einmal ſich die Erinnerung der Theilnehmer des frohen Mahles der beiden Abweſenden bemächtigt hat, bildeten dieſe den Stoff des Geſpräches. Alles war guter Hoffnung, Alles bemühte ſich den alten Vater Wilhelms zu tröſten und eine baldige Rück⸗ kehr des Sohnes in Ausſicht zu ſtellen, ja man trank ſogar einen vollen Becher auf dies freudige Ereigniß.

Dieſer vom Grafen Brander ausgebrachte Toaſt fand freundigen Wiederhall in der am Hofe verſammel⸗ ten Menge. Als der Jubel der Leute und ihr Vivat⸗ ſchreien kein Ende nehmen wollte, trat die Geſellſchaft an das Fenſter und wurde auf die angenehmſte Weiſe überraſcht. Arm in Arm kamen die heiß Erſehnten ge⸗ rade zur rechten Zeit dem Schloſſe zu. Die ihnen ent⸗ gegen flatternden Tücher beſchleunigten ihre Schritte und wenige Minuten ſpäter lagen die Kinder in den Armen des Vaters.

Nun ging es an ein Erzählen und Ausfragen.