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Feuilleton.
durch ſein Talent zu entzücken. Bivier antwortete und verlangte 1000 Fres.; man ſchien das zu theuer zu finden und Bivier be⸗ kam keine weitere Antwort. Einige Zeit darauf befand er ſich in einem andern Salon, blättert in einem auf dem Tiſche ausgelegten Autographen⸗Album und findet darin ſeinen Brief an die Gräfin. Der Künſtler lachte über die ſchlaue Art, ſich Autographen zu verſchaffen und ſagte zur Hausfrau:„Es thut mir leid, daß die Gräfin mir nicht geſagt hat ſie wünſche einen Autographen von mir zu beſitzen,— denn da ich dies nicht wußte, ließ ich dieſe Antwort von meinem Concierge ſchreiben, der gern eine Gelegenheit findet, ſeine ſchöne Handſchrift zu zeigen.“
Der berühmte Teller wurde einſt von dem Prinzen Paver von Sachſen gefragt, ob er Familie habe.„O ja.“ antwortete Teller,„das wäre eine ſchlechte Wirthſchaft, in der ſich nicht wenigſtens ein halb Dutzend Tellerchen vorfänden.“
Der Methodiſtenprediger Whitefield verglich in ſeinem Eifer bein Predigen die arge im Sündenpfuhle ſich wälzende Welt mit einem Schiffe, das der Hölle geradezu entgegenſegle.„Mein Gott!“ ſagte ein anweſender Matroſe ganz treuherzig,„kann man denn nicht geſchwind das lange Bot ausſetzen, um doch wenigſtens die Mannſchaft zu retten.“
Man fragte einſt Crebillon, weshalb er das Schreck⸗ liche zum Stoffe ſeiner Tragödien gewählt habe.—„Mir blieb keine Wahl übrig,“ antwortete er;„Corneille hat mir den Himmel und Racine die Erde weggenommen; mithin mußte ich meine Zuflucht zu der Hölle nehmen!“
Eiin komiſcher Zwiſchenfall ereignete ſich während einer Vorſtellung der„Adrienne“ im Wiener Burgtheater. Man erinnert ſich der Scene, in welcher Michonnet vom Foyer des Theaters aus ſeiner die Ropane deklamirenden Schülerin Adrienne in höchſter Spannung zuhorcht; nach einer glänzend geſprochenen Stelle zögert das Publikum des Theatre Francais mit dem Beifall, und der verletzte und entzückte Lehrer ruft gegen die Zuſchauer gerichtet: „Nun, ſo applaudirt doch, ihr Tröpfe!“ Ein Jüngling, der im vierten Stock des Theaters ſaß, ſchien von dieſem ſchmeichelhaften Stichwort betroffen zu ſein und fing nun — er allein im ganzen Hauſe— nach Leibeskräften zu
klatſchen an.
Der Schriftſteller B. bekam einige derbe Ohr⸗ feigen.„Ich hoffe doch, daß die Sache nicht ohne Folgen bleiben wird!“ ſagte †.—„Gott behüte,“ erwiederte B.,
„den Schmerzen nach zu urtheilen, bekomme ich eine dicke Backe.“
Die Familiengruft.„Sambo,“ ſagte ein Planta⸗ genbeſitzer zu einem ſeiner Negerſklaven,„Du biſt ein braver Burſche und ſoll deßhalb dermaleinſt Deine Leiche auch in meiner Familiengruft beigeſetzt werden.“
„O nein, Maſſa,“ rief der Neger,„lieber Freiheit geben, oder Geld, denn wenn Teufel kommen, will Maſſa
holen, kann im Finſtern leicht mich mit Maſſa ver wechſeln.“
Ein Mediciner wurde über Verletzungen durch Exploſionen eexaminirt.—„Was würden Sie thun,“ fragte ihn der Examinator,„wenn Jemand durch Pulver in die Luft geſprengt worden wäre?“—„Ich würde zunächſt warten, bis er wieder herunter kommt!“ antwortete der Examinirte.
Ein Geiſtlicher nahm ſich eine Frau aus einer an⸗ ſehnlichen Reſidenz. Das junge Weidchen kam auf dem Dörſchen an und wurde am nächſten Sonntag von einer Bauernfrau auf ihren Feldern herumgeführt. Sie kamen
an einen Acker, der halb mit Flachs und halb mit Wick⸗ futter beſäet war, welches letztere beſonders hoch und fett ſtand.„Sehen Sie, Frau Paſtorin,“ fing die Bäuerin an,„dieſer Flachs iſt auch Ihre, er ſteht recht gut.“„Ja,“ erwiederte die Pfarrfrau mit einer ſehr wichtigen Miene, „aber das Werg da(auf das Wickfutter zeigend) ſteht doch noch beſſer.“
Unter den Schützen, welche am Tiroler Landes⸗ freiſchießen Theil genommen haben, befinden ſich nicht weniger als 102 Mayr, abgeſehen von den häufig vor⸗ kommenden Namen: Obermayr, Niedermayr, Oberniedee⸗ mayr, Untermayr, Ebenmayr, Amayr, Mayrkircher, Mayr⸗ egger, Mayrhofer ꝛc. Fin ausſchließliches Mayrſchießen läge alſo durchaus nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit.
Ein ungeduldiger Patient klagte ſeinem Arzte, daß er weder liegen, noch ſtehen, noch ſitzen könne.
„Dann weiß ich nur noch ein Mittel,“ antwortete mürriſch der Arzt,—„hängen Sie ſich!“
In einem der größern Theater Deutſchlands ſaß einmal ein ſtattlicher Mann in der erſten Logenreihe, der fragte vor Beginn der Vorſtellung des„Wallenſtein“ einen ſeiner Nachbarn:„Sagen Sie mir doch, wer war denn der General Wallenſtein? Ich habe ſeinen Namen ja nie in den Rangliſten der Armee gefunden.“
Ein Ungar war auf dem Wege der Geneſung; der Doktor ſagte ihm:„Fahren Sie nur mit dem Recepte fort, ſo werden Sie ganz geſund.“ Der Ungar nahm das Recept, und fuhr damit nach Preßburg; dort ließ er wie⸗ der einen Doktor holen— dieſer las das Recept von Wien, und ſagte:„Ich weiß kein beſſeres Recept, fahren Sie mit dieſem nur fort.“ Der Ungar fuhr nach Peſt, und ſo fort bis nach Ketskemet, ſeinem Wohnort, wo ihm ſein Doktor das:„Fahren Sie fort“ erklärte.
Ein Spieler war über einer Betrügerei eertappt, und von dem Betrogenen aus einem Fenſter des zweiten Stockes geworfen worden. Er beklagte ſich darüber bei Foote, und fragte ihn um Rath, wie er ſich benehmen ſolle, um ſeine gekränkte Ehre zu retten.„Alles, was ich Ihnen rathen kann,“ ſprach Foote,„iſt, daß Sie künf⸗ tig Parterre ſpielen.“
Die„Europa“ geißelt in einem pikanten Artikel die kindiſche Ausgeburt unſerer Tage, die Briefmarken⸗ Sammel⸗Narrheit. Sie hat dafür das glückliche Witzwort: „Epiſtolofrankomarkomania“ gefunden, eine gelungene Nachbildung der homeriſchen Batrachomyomachie, des Froſch⸗Mäuſekrieges.
Eine junge Dame meldete ſich als Sängerin bei einem Theater⸗Direktor.—„Singen Sie vom Blatte?“ fragte dieſer.—„O ja,“ antwortete ſie,„was ich ſo auswendig kann!“
Ein Berliner Bummler ſah einen Herrn mit einem Bärenpelze an ſich vorübergehen und rief ihm nach: „Allens iſt jetzt verkehrt. Sonſt ſaßen die Affen uf die Bären, jetzt ſitzen die Bären uf die Affen!“
In einer Geſellſchaft ſtellte Jemand die Behauptung auf, daß ſo viel Wein wüchſe, daß auf jeden Menſchen⸗ durchſchnittlich eine halbe Flaſche käme.—„Denn möchte ick blos den Kerl wiſſen, der mir meine halbe alle Tage ausſäuft!“ rief der Bediente des Hauſes, der gerade zu⸗ gegen war.


