Jahrgang 
1864
Seite
351
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Feuilleton. 351

Kleine Prager Chronik.

Virr können unſeren Leſern nicht Wort halten und über den Erfolg des LuſtſpielesMänner von heute be

richten, wie wir es im letzten Hefte verſprochen, da das⸗

ſelbe erſt am 30. November, alſo bereits nach Schluß dieſes Heftes zur Aufführung kam. Im nächſten und lei⸗ der letzten Hefte werden wir das Verſprechen nachholen und einen ausführlichen Bericht darüber bringen. Die wichtigſte Begebenheit der abgelaufenen vierzehn Tage wer die Rücktehr unſerer ſiegreichen Truppen aus Schles wig⸗Holſtein. Sie wurden auch in Prag feſtlich empfangen und auf alle mögliche Weiſe ausgezeichnet. Freilich thaten ſich hierbei die Privaten mehr hervor, als unſere Kommune, welche dieſe Rückkehr gänzlich ignorirte. Die Bevölkerung Prags dagegen ignorirte ſie durchaus nicht. Auf Ver anlaſſung des hier beſtehenden Hilfskomité's wurden un⸗ ſere braven Soldaten in ihren verſchiedenen Kaſernen feſt⸗ lich bewirthet, der Direktor des deutſchen Theaters Herr Rudolf Wirſing gewährte allabendlich hundert Mann freien Eintritt in's Theater und der Direktor der Kunſt⸗ reitergeſellſchaft Suhr that dasſelbe. Es war eine Freude,

die tapferen Soldaten, geſchmückt mit der Erinnerungs⸗-

medaille, harmlos plaudern und über die Späße der Poſſe Doktor Fauſt's Hauskäppchen herzlich lachen zu ſehen. Unter den im Parterre befindlichen Unterofficieren konnte man ſehr viele mit der goldenen und ſilbernen Tapfer⸗ keitsmedaille dekorirte Männer ſehen, an deren Geſichtern keine Spur jener böſen Tage zurückgeblieben war, denen ſie ihre Auszeichnungen dankten. Beſonderes Aufſehen hatte die Rückkehr der Truppen in weiblichen Kreiſen ge macht. In allen Schichten der weiblichen Bevölkerung mag es Viele gegeben haben, denen ein Herz entwendet war, das mit nach Schleswig⸗Holſtein ziehen mußte, zwar nicht um für die deutſche Sache, dennoch aber den Kampf der Treue zu kämpfen, aus welchem weniger Sieger her⸗ vorgehen ſollen, als aus dem Kampf um das Leben. Dieſe vielen weiblichen Herzen jubelten den rückkehrenden Siegern gewiß doppelt laut entgegen, wenn es auch man⸗ ches darunter geben mag, das alle ſeine Liebe begraben hat in den Gräbern bei Veile und Overſee! Wir wollen keine trübe Stimmung erwecken und darum rufen wir allen jenen, welche Verluſte an Verwandten und Freun⸗ den erlitten haben, zu: Ihr werdet dort oben die Tapfern wiederſehen, denen das ſchöne Los geworden ward, auf dem Felde der Ehre zu ſterben!

Im Theater hatten wir ſeit Aufführung von Feulllets Montjoye kein beſonders erwähnenswerthes Ereigniß mit Ausnahme der Aufführung von SpohrsZeſſonda, welche herrliche Oper einen ziemlich günſtigen Erfolg er⸗ rang. Die Jeſſonda der Frau Kainz⸗Prauſe iſt eine an⸗ erkennungswerthe Leiſtung, die auch durch allſeitigen Bei⸗ fall gebührend belohnt wurde. Herr Bernard ſang den jungen Braminen. Herr Bernard iſt ein geſchulter, tüch⸗ tiger Sänger, leider aber ging der Zahn der Zeit nicht ſpurlos an ihm vorüber und ſelbſt die beſte Schule kann

den Abgang oder doch das Schwinden der ſchönen Mittel

nicht gänzlich verdecken. Auch heißt es zu viel zu ver⸗ langen, wenn man ihn einen Jüngling, der eben in's Leben tritt, ſingen läßt, einen jugendlichen Braminen, deſſen wenig kleidſame Tracht nicht geeignet iſt, zu verbergen, was nicht mehr jugendlich iſt. Deſſenungeachtet wurde Herr Bernard, welcher bei der erſten Aufführung der Oper gut disponirt war, wiederholt und verdient ausgezeichnet und kann bei dem gegenwärtigen Stande unſeres Opernperſonales ſeinen Part an Niemand abgeben, welcher für denſelben geeigneter wäre. Fr. Beitl ſang Jeſſonda's Schweſter, ſang ſie ſo gut, als man es von einer Anfängerin ver⸗ langen kann. Wir ſagen dies ohne Scheu, ſelbſt auf die Gefahr hin, einen Drohbrief Papa's Tanne zu erhalten, der ſeiner Tochter den Beifall der Kritik zu ſichern be⸗ müht iſt, indem er Einſchüchterungsverſuche auf ſchriftlichem Wege macht. Leider erzielen ſie nicht immer die gehoffte

günſtige Wirkung, ja haben ſogar das Gegentheil der ſelben zur Folge. Der treffliche Eilers ſang den Braminen wirkſam und mit Aufgebot aller ſeiner ſchönen Mittel, ſo wie ſeiner gediegenen muſikaliſchen Bildung. Die Wahlen in die Stadtrepräſentanz wollen wir übergehen, denn es iſt unſer Zweck nicht zu agitiren, und demnach über laſſen wir die Anſtrebung eines für uns günſtigen Reſul tates den hiezu berufenen Blättern. Der Cirkus Suhr macht in Prag ſchlechte Geſchäfte, obwohl die Geſellſchaft ſelbſt in vielen Stücken wirklich Vorzügliches leiſtet. Dies gilt beſonders von den Akrobaten der Geſellſchaft, ein paar Franzoſen, welche es auf dem Gebiete des Turnens zu einer faſt unglaublichen Kunſtfertigkeit gebracht haben. Ihre haarſträubenden Produktionen wurden ſtets mit un geheurem Jubel aufgenommen, zogen jedoch das Pu blikum nicht, da das Neuſtädter Theater trotz der daſelbſt aufgeſtellten Oefen eiſig kalt und es ein großes Opfer iſt, ſich bei jedesmaligem Beſuch einen Schnupfen zu holen. Mit Schluß dieſes Monates verläßt die Geſellſchaft Prag und zieht weiter nach Peſt. Möge es ihr am Strande der Donau beſſer gehen, als an den Ufern der Moldau.

Auflöſung

der vierſylbigen Charade im X. Hefte derErin⸗ nerungen: Winterkleider. Richtige Auflöſungen haben eingeſendet: Herr Rudolf Berger, Herr A. O. Werner, Herr Karl Groß, Herr Wenzel

Strnad, Herr Sigmund Blumer, Herr Joſef Lang, Herr Gottlieb Eger und Herr Wenzel Mittag.

Auflöſung

des geographiſchen Worträthſels von Konſtantin Man⸗ * droviẽ. Belgrad Epinal Livorno G a p Imor o E ri e N eapel Richtige Auflöſungen haben eingeſendet: Frl. Joſefine Valentini und die Herren A. O. Werner, Anton Thum, Joſef Reiners, Franz Keller, Georg Obernhof und Sig⸗ mund Blumer.

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Vierſylbige Charade von Joh. Mülling. Die Erſte bringet reichen Segen, Wenn ſich ihr Vorbot' gut verhalten; Doch iſt ſie manchmal ſo verwehen Uns Freud' in Waſſer zu umſtalten.

Der Zweiten ſind wir all' ergeben, Die Ewigkeit wird ſie uns lehren,