ſchlechter Hofmann und ſollten doch wiſſen, daß ich ein guter Fechter bin. Sie kommen mir gerade in den Stich, ich kenne Ihre ſchwache Seite und wer bürgt Ihnen dafür, daß ich Sie fehle.“
„Wie verſtehen Sie das?“ fragte der Franzoſe.
„Noch habe ich einen vollen Monat hier einge⸗ ſperrt zu ſitzen,“ meinte Winnicki,„und Ihr Fran⸗ zoſen ſeid die längſte Zeit bei Hofe geweſen, die Königin, ſelbſt ſchickt Euch fort. Doch nicht den Muth verloren, ich ſehe vielleicht ſchlimmer aus, als ich in der That bin. Edler Herr! Eure Hand zur Verſöhnung; denn wahr⸗ haftig, mich freut es, daß Ihr endlich Alle zur Einſicht gekommen, daß ein Hof, der Franzoſen beherbergt, ohne Narren nun einmal nicht fortbeſtehen kann. Nun, laßt hören, was wollt Ihr eigentlich von mir?“
„Um Gotteswillen,“ flehte inſtändigſt der Franz⸗ mann,„um Gotteswillen beſchwöre ich Dich, komm wieder an den Hof und erheitere uns den König!“
„Unmöglich,“ entgegnete Winnicki raſch, dann leiſe für ſich an den Fingern zählend, ſagte er:„Vor ſieben bis acht Tagen kann ich Eurem Wunſche nicht willfahren.“
„Ich bin des Todes!“ ſchrie der Franzoſe.
„Mein Herr,“ hub Winnicki an,„wir haben ein Sprichwort: ‚Eine Schwalbe macht keinen Som⸗ mer'. An Ihnen hat dieſes Sprichwort ſich bewährt, denn, als wir in die Choczimer Schlacht zogen, dachten Sie auch: Auch ohne mich wird die Schlacht geſchlagen werden, und doch gilt ein Ritter mehr als ein Schalk. Nun, wenn die Schlacht ohne Sie geliefert worden, wird doch ein Hof nicht gleich zu Grunde gehen, wenn der Narr fehlt.“
„Wem ſoll das gelten?“ rief der Höfling und griff wieder an den Degen.
„Nur ſachte! Hübſch ſachte! Ihnen gewiß nicht!“ ſchmunzelte Winnicki,„laſſen Sie allen Zorn und den Degen in der Scheide, wie würde die Welt ſchauen, wenn ſie erführe, daß ein navarriſcher Ritter mit einem Schalksnarren ohne Handſchuh und Viſir ſich geſchlagen habe. Darum wohlgemuth und den Spieß ſtecken ge⸗ laſſen; lieber ein Wörtchen im Vertrauen. Wiſſen Sie alſo, Monſieur, daß unſere Königin die Hühner liebt?“
„Ich weiß es.“
„Wiſſen Sie auch, daß die gnädige Königin den Hofnarren nicht liebt?“
„Auch das weiß ich, was folgt aber daraus?“
„Wiſſen Sie auch, daß es jetzt Winter in Polen iſt?“
„Das fühle ich.“
„Wiſſen Sie ferner, daß ſelbſt eine Königin keine Hühner im Winter haben kann?“
„Ja! jal aber weiter, was folgt daraus?“
„Daraus folgt,“ fuhr der Schalk fort,„daß mit Hilfe deſſen, was die Königin liebt, ſich jener in ihre Gunſt einſchmuggeln will, den ſie nicht liebt, kurz, durch Hühner will der Hofnarr. 5
„Ich verſtehe Dich nicht,“ rief der Franzoſe und warf ſich von Neuem in den Armſtuhl.
„Und doch geltet Ihr für ſcharfſinnig. Alſo hören Sie: Weil jetzt keine Henne in ganz Polen auf den
Winnicki, der Narr Johann Sobieskiss. 33⁵
Eiern ſitzen will, hat der Hofnarr dies Geſchäft über⸗ nommen.“
Bei dieſen Worten ſchob Winnicki die Decke, welche ihn umhüllte, zurück und wies dem Franzoſen
ein Neſt voll Hühnereiern, auf welchen er brütend ſaß.
„Daraus, edler Ritter, könnt Ihr entnehmen, wie hoch mir die Gunſt unſerer Gebieterin gilt, da ich bereits durch zwei volle Wochen auf dieſen Eiern hocke. Mais figurez vous. Dieſe Hühnchen ſetze ich ſodann auf die königliche Tafel, erſtaunt fragt die gnädige Frau Königin, woher die Hühner in dieſer Jahreszeit? Man räth hin und her, zuletzt ſtellt es ſich heraus, Winnicki war es, der die Hühner ausgebrütet. Welch ein Triumph, welche Ehre, etwas zu Stande gebracht zu haben, was noch Keinem gelungen!“
„Poſſen, wie man ſie von Euch gewohnt, Herr von Winnicki,“ unterbrach ihn mißtrauiſch der Franzoſe.
„Beim Himmel, keine Poſſen!“ rief Winnicki, und betheuerte bei Leib und Seele.„SIch las dieſes Geheimniß in einem gelehrten Werke, und habe noch mindeſtens ſieben Tage zu ſitzen, denn erſt nach ein⸗ undzwanzig Tagen kriechen die Hühner aus den Eiern.“
„Doch nur auf ein Stündlein zeige Dich beim Könige. Ich ſchenke Dir eine Börſe voll Gold und ver⸗ ſpreche Dir meine Verwendung bei der Königin.“
„Für das Gold danke ich Dir,“ entgegnete Win⸗ nicki,„denn Philoſophen und Narren brauchen kein Gold, aber wenn Du ein gutes Wörtlein für mich bei der Königin einlegen wollteſt, dann, edler Ritter, daan...
„Nun was dann?“ fiel ihm raſch der Franzoſe in die Rede.
„Dann... könnte ich mich vielleicht herbei⸗ laſſen, zum Könige zu gehen, doch auch nur unter einer Bedingung.
„Und dieſe wäre?“
„Wenn Monſieur meinen Platz hier einnimmt, und ſich mit dem Ehrenworte verpflichtet, ſo lange zu ſitzen, bis ich zurückgekehrt, da ſonſt meine Eier aus⸗ kühlten und alle meine Mühe umſonſt wäre. Doch muß ich Sie noch warnen, wenn Sie ſich auf die Eier ſetzen, ja recht vorſichtig es zu thun. Sie müſſen ſich leicht auf Ihre Aeme ſpreizen, dann laſſen Sie ſich nach und nach hinunter, aber nur langſam, verſtehen Sie mich, recht langſam.“
Lange ging der Franzoſe nachdenkend auf und ab. Da: die Lächerlichkeit des Geſchäftes, welche er mehr als Pulver und Blei fürchtete, dort: die Un⸗ gnade ſeiner Königin, die ihm ſchrecklicher als der Tod dünkte. Endlich hatte er einen Entſchluß gefaßt;„da,“ rief er aus,„haſt Du mein Ehrenwort, nun aber eile, denn ich höre eben zu Tiſche läuten.“ Gab ihm die Hand, legte Degen und Schärpe ab, entkleidete ſich, ſetzte ſich behutſam auf die Eier und hüllte ſich in die Decke.*
Der Franzoſe hatte Platz auf den Eiern genom⸗ men. Winnicki aber flüſterte ſeinem Burſchen etliche Worte leiſe in's Ohr, kleidete ſich an, und indem er mit


