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wunderſchön ſie Manchen bedünken mögen, ſind doch zu ſehr überladen. Je einfacher ein Wappen deſto ſchöner!
Das Wiſchehrader Kapitel der alten Königsſtadt Prag führt noch heutzutage in ſeinem Siegel einen Mann, welchen St. Petrus züchtigt, und ſolches gründet ſich, wie uns Hormayr erzählk, auf folgende Begebenheit. Es war im Jahre 1187, als Herzog Friedrich ein Dorf, welches der Kirche St. Petri und Pauli gehörte, an den Ritter Hrabowek um 300 Mark Silber verpfändete, da kam es ihm in der Nacht vor, als trete ein ehr⸗ würdiger Greis mit weißen Haaren und einer Glatze, mit einem Mantel bekleidet, vor das Lager und fragte ihn:„Warum haſt Du ein Dorf von meiner Kirche verpfändet, welches Dein Vorfahr König Wratiſlaw er⸗ kauft und derſelben geſchenkt hat?“— Der Herzog ſchwieg, und als der Heilige wieder verſchwunden war, achtete er ſolcher Erſcheinung nur als eines leeren Traumbildes und erzählte ſelbe bei der Tafel, wo leicht⸗ ſinnige Hofjunker ihr Geſpött darüber trieben; aber ſein Hofkaplan führte ihm nach Tiſche zu Gemüthe, daß er des Heiligen Warnung nicht alſo in den Wind ſchlagen ſolle, und der Herzog entgegnete:„Wahrſcheinlich hoffſt Du auf dem Wiſchehrad Dechant zu werden, weil Du Dich des verpfändeten Dorfes ſo lebhaft annimmſt, und wenn das geſchieht, will ich ſolches auslöſen und dem Kapitel zurückſtellen; bis dahin mag es der Hra⸗ bowek behalten.“— In der folgenden Nacht, wie der Herzog ſchlief, trat St. Petrus wieder vor ſein Bett, erweckte ihn und ſprach.„Stehe auf, du unbußfertiger Mann!“ Erſchrocken erhob ſich der Fürſt und St. Petrus befahl ihm, nachdem er ihn mit Geißelhieben beahndet hatte, das Dorf der Kirche zurückzugeben, worauf er verſchwand, und als Friedrich ſeine Kämmerlinge her⸗ beirief, um ihnen die blutigen Striemen von St. Peters Geißel zu zeigen, fragen ſie ihn ganz verwundert, warum er ihnen nicht gerufen habe; doch er verſicherte, nicht im Stande geweſen zu ſein, einen Ton von ſich zu geben. Bei Tagesanbruch ließ der Herzog den Ritter Hrabowek vor ſeinen Thron entbieten, ihm die 300 Mark auszahlen und befahl ihm, das Gut der Kirche alsbald wieder abzutreten. Auch der Dechant und das Kapitel von St. Petri und Pauli mußten ſich bei Friedrich einfinden, welchen er ſeinen gegeißelten Rücken zeigte und ihnen auftrug, nicht nur alſogleich das verpfändete
Dorf in Beſitz zu nehmen, ſondern zum Gedächtniß ſzu rühmen und ſelbſt dem Könige kam dies zu Ohren.
Winnicki, der Narr Johann Sobieski's. 333
dieſer Begebenheit ein Abbild derſelben in ihr Siegel aufzunehmen. Dann beichtete er bei ſeinem frommen Hofkaplan, welcher in der Folge zum Dechant auf dem Wiſchehrad erwählt wurde.
Winnicki, der Narr Johann Sobieski's.
Mitgetheilt von Dr. T. v. W.
on dem berühmten Hofnarren Johanns III., Winnicki, wollen wir ein luſtiges Stückchen erzählen, wie ſolches der Dichter Vincenz Pol ein höchſt gemüthlicher Weiſe zum Beſten gibt. 89 An König Johann Sobieskis Hofe be⸗ fand ſich ein Mann, den man vor Tiſche einen Ritter, nach Tiſche aber einen Edelmann nannte. Einem Herrn, der zum erſten Mal das königliche Vorzimmer betrat, gab er, auf die Frage, wer er ſei, zur Antwort: „Der Hofbarbier.“
„Wie alſo, Du nimmſt des Königs Bart ab?“
„Nein,“ entgegnete er,„ich nehme nur Jene bei der Naſe, die ſie hoch tragen, und ſeife unkönigliches Hofgezüchte ein.“
„Ich glaube gar, Dir beliebt es, mich zu foppen,“ unterbrach ihn unmuthig der Fremde.
„Das müſſen Sie nicht ſo nehmen,“ beſchwichtigt ihn der Schalk,„meine Abſicht war, Sie mit unſeres Hofes Sitten bekannt zu machen, denn hier gibt es nur zwei Menſchen, denen Alles erlaubt iſt, den König und ſeinen Schalksnarren; nur der König allein darf zürnen und nur ſein Narr allein närriſch ſein, und da Niemand dieſes Recht mitbringt, ſondern eben hier erſt zu Rechte kommt, ſo wird es Ihnen wohl einleuchten, daß jeder Verſuch, zu zürnen, ein Eingriff in die Rechte des Königs wäre; mein Prärogativ aber, närriſch zur ſein, ſteh' ich keinen Augenblick an, Jedwedem abzutreten.“
„Ich hätte es auch gleich merken können, daß ich es mit einem Narren zu thun habe,“ rief der Fremde, ſeinen Unmuth verbergend, zu dem ihn begleitenden Genoſſen.
„Wahrhaftig ein Schnitzer, der nicht zu vergeben,“ fügte der Schalk hinzu,„und Sie werden mir gerne zugeſtehen, daß ich meine Leute beſſer kenne.“
Dem König gefiel ſeines Narren Scherz, er nannte ihn nur ſeinen lieben Winnis, und ging ein Tag vorüber, daß er ihn nicht geſehen, ſo ward es ihm ordentlich bange nach ihm. Winnicki war aber auch immer und überall des Königs Gefährte. Als So⸗ bieski, nur erſt Hetman, in die Schlacht von Choczim gezogen, war Winniecki mit dabei und ſeinen Herrn nie verlaſſend, machte er mehrere Feldzüge mit dem⸗ ſelben durch.
Doch war Winnicki keineswegs der Liebling der Königin, weil er ſich beſtändig mit ihren Franzoſen herumbiß. Dies hielt aber den Schalk nicht ab, ſich vor aller Welt der Huld und Gnade der erlauchten Königin


