33² Das Stadtwappen Prags.
ſtrengung widmen. Die Reform der während eines halben Jahrhunderts unverändert gebliebenen Bundesakte entſpricht einer der dringendſten Nothwendigkeiten. Um ſie zu Stande zu bringen, zählt das Miniſterium Schmerling⸗Mensdorff auf den aufgeklärten Patriotismus aller Bundesſtaaten, zunächſt auf die loyale, aufrichtige Mitwirkung Preußens. Politiſche Alliancen bewähren ſich heutzutage in der ent⸗ ſcheidenden Probe der Ereigniſſe nur in ſo weit, als ſie durch die gegenſeitigen Intereſſen der Völker zuſammen gekittet ſind. Nur dadurch, daß man die Beziehungen er leichtert, den Austauſch vervielfältigt, den Handelsverkehr neu belebt, verbindet man dort die Völker durch unauf lösliche Bande mit einander. Es iſt deßhalb ein neuer Zolltarif ausgearbeitet worden, in welchem die liberalen Ideen der modernen Volkswirthſchaft vorherrſchen und der die bevorſtehenden Unterhandlungen Behufs des Eintrittes von Oeſterreich in den Zollverein mit dem Berliner Hofe weſentlich fördern wird. Unabhängig von dieſen Unter handlungen wird Graf Mensdorff⸗Pouilly darauf ausge hen, die Handelsbeziehungen Oeſterreichs mit den fremden Ländern im Allgemeinen, mit den Weſtmächten im Be⸗ ſonderen feſter zu knüpfen. Die diplomatiſchen Agenten Sr. apoſtol. Majeſtät haben officielle Mittheilung des neuen Zolltarifs erhalten, und es ſoll derſelbe als Baſis für den Abſchluß von Handelsverträgen mit den betreffen⸗ den Regierungen dienen. Es ſind dieſe Agenten darum auch beauftragt, über die Dispoſitionen der Regierungen, bei welchen ſie beglaubigt ſind ſich Auskunft zu verſchaf⸗ fen und nach Wien zu berichten ſo wie die Zeit es zweck⸗ mäßig erſcheinen läßt, förmliche Unterhandlungen zu er⸗ öffnen.“
Das Stadtwappen Prags.
ch. Weſtermanns Monatheften ſchreibt Hans Wei⸗ ninger über dieſes Wappen wie folgt:
Die ſo wunderſchön gelegene Hauptſtadt Böh⸗
S mens ſoll ihren Namen von dem gleichlautenden
Worte, welches auf böhmiſch„Schwelle“ bedeutet,
erhalten haben. Als nämlich die Seherin Libuſſa auf der Bergzinne, wo jetzt eine kaiſerliche Burg auf dem Hradſchin ſteht, ein Schloß zu bauen be⸗ fohlen hatte und bei ihrem erſten Beſuche auf dem Bauplatz einen Mann fragte, woran er arbeite, dieſer aber ſagte, er arbeite an einer Schwelle(praga), ſo beſtimmte ſie darnach den Namen der neuen, nun im Bau begriffenen Stadt.
Die Altſtadt Prags, deren Gründungszeit ſich nicht beſtimmen läßt, wurde zu Anfang des 9. Jahr⸗ hunderts erweitert, als Wogan, der Nachfolger Herzogs Nezamysl, den fremden Koloniſten hier die Niederlaſſung geſtattete. Das Wappen dieſes Stadttheiles iſt nicht hiſtoriſch nachzuweiſen, doch findet man dasſelbe bereits auf Urkunden im 14. Jahrhundert, wenn auch nicht in ſeiner jetzigen Geſtalt, da es mancherlei Veränderung er⸗ litt. Zuerſt zeigte ſich in Roth eine gezinnte ſilberne Mauer mit einem offenen Thore, deſſen Flügel aus Gold wa⸗ ren. Hinter dieſer Mauer erhoben ſich drei gezinnte ſilberne viereckige Thürme, der mittlere und höhere mit einem Satteldach, alle drei Dächer von Gold und mit eben ſolchen Knöpfen geziert. Als Kaiſer Friedrich III. von den Wienern in ſeiner Burg zu Wien um 1462 be⸗
ſich dieſer Aufgabe auch fernerhin mit verdoppelter An⸗ f lagert, von den Pragern unter König Podiebrad aber
befreit wurde, ließ er aus Dankbarkeit in das Thor des erwähnten Wappens einen gepanzerten Arm ſetzen, der das Schwert nach rechts zückt.
Am rechten Ufer der Moldau, von Kaiſer Karl, der zugleich König von Böhmen war, gegründet erhebt ſich die Neuſtadt, deren Wappen in Blau alſo beſchaffen war, daß eine gezinnte ſilberne Mauer mit offenem Thor und drei Thürmen ſich präſentirte, auf deren mittelſtem man den böhmiſchen Löwen in Roth und hinter den Zinnen zwei abwärts blaſende Wächter ſah. In Folge der glücklich zurückgeſchlagenen Schwedenbelagerung ver⸗ änderte Kaiſer Ferdinand III. am 10. April 1649 dieſes Wappen, indem er den böhmiſchen Löwen unter
das Thor legen ließ, neben dieſem das öſterreichiſche Hauswappen mit dem Namenszuge F. III. Um an Raum zu gewinnen, wurden die ſchildhaltenden Löwen, die drei gekrönten Helme, ſowie jene zwölf Fahnen hinter dieſen weggelaſſen.
Der Sage nach wurde die Kleinſeite von Libuſſa um 713 erbaut, erhielt aber erſt nach 1250 den Namen und die Rechte einer Stadt. Das frühere ganz einfache Wappen vermehrte König Ludwig dadurch, daß er unter das Thor den böhmiſchen Löwen ſtellte, welcher auf ſeinem rothen Schildchen den Namenszug desſelben zur Schau trug. Kaiſer Ferdinand III. ſchmückte den mittleren Helm mit einem Adler, welcher das öſterreichiſche Haus⸗ wappen in ſeinen Klauen hält. Dieſe drei Wappen, ſo


