Jahrgang 
1864
Seite
329
Einzelbild herunterladen

B 5

mit eten, inem ihn rüder

alte den) uanten

Ff

Mehrere junge Leute verſchaffen ſich den Kopf von einem todten Pferde, ſtecken ihn auf eine ungefähr vier Fuß lange Stange, und binden an der untern Kinnlade eine Schnur feſt. Dann hängen ſie eine Pferdedecke über die Stange, einige Burſche ſtellen ſich darunter, und bringen, indem ſie an der Schnur ziehen, eine Art ſchnappenden Geräuſches hervor. Die Uebrigen, ſeltſam aufgeputzt und mit Schellen klingelnd, begleiten das Pferd, ſingen Carols vor den Thüren, und erhalten dafür Bier und Kuchen, hier und da auch Geld.

Auf der Inſel Thanet findet am heiligen Abend dieſelbe Ceremonie Statt, welche mit dem Namen hode- ning bezeichnet wird.

Anſtatt des Weihnachtsbaumes, der erſt in neuerer Zeit in England Eingang gefunden hat, brennt, beſon⸗ ders in den nördlichen Diſtrikten, ein großer Holzklotz, der Weihnachtsblock oder Christmas-block, welcher auch Yule-block, Juleclog oder Yu-block heißt, und überall pflegt man Häuſer und Kirchen mit immergrünen Zweigen von Epheu und Stechpalme zu ſchmücken. Letztere wen⸗ det man vorzugsweiſe im Innern der Häuſer an, ob⸗ gleich auch Epheu, Lorbeer und ſelbſt Cypreſſen zum Schmuck der Wände und Thüren benutzt werden, und in den Küchen oder den Bedientenſtuben wird an der Decke der verhängnißvolle Miſtelzweig, mistle toe oder mis- letoe, befeſtigt, welcher aus den Kirchen als heidniſch verbannt iſt, und früher in keinem Hauſe fehlen durfte. Er gewährt, wie bekannt, den Männern das Recht, jedes weibliche Weſen zu küſſen, das ſich unter dieſem Zweige erhaſchen läßt, und der Volksglaube ſagt, daß ein Mäd⸗ chen, welches nicht unter ihm geküßt worden iſt, im Laufe des Jahres nicht heiraten werde.

Ebenſo allgemein verbreitet iſt die Gewohnheit, zu Weihnachten in den Familien eine beſtimmte Gat⸗ tung Fleiſchpaſtetchen zu backen, welche minced pyes oder Christmas pyes genannt werden, und aus Rinds⸗ zunge, Hühner⸗ oder Gänſefleiſch, Eiern, Zucker, Roſinen, Citronenſchale und verſchiedenen Gewürzen beſtehen. Ihre äußere Geſtalt ſoll die Krippe verſinnlichen, in der das Chriſtkind lag, und die vielen Gewürze, die ſie ent⸗ halten, an die Gaben der Weiſen aus dem Morgenlande erinnern. Auch die ſogenannten Weihnachtskuchen(yule- dough, yule-cake oder Christmas-batch), welche die Bäcker ihren Kunden zuſchicken, ahmen die Form eines Wickelkindes nach, und in den Konfiſeurläden werden zur Weihnachtszeit hauptſächlich kleine Figuren aus Teig oder Zucker feilgeboten.

Das jetzige Weihnachtsmahl iſt zwar kaum noch ein Schatten von den ehemaligen glänzenden Banketten, welche alle Klaſſen der Geſellſchaft in der ungezwungen⸗ ſten Heiterkeit vereinigten, und bei denen nicht nur der Arme ſeinen reichen Antheil erhielt, ſondern auch jeder Fremde ſtets ſeinen Platz am Weihnachtsklotze offen fand, aber dennoch haben ſich noch manche frühere Bräuche dabei bewahrt, ſelbſt der ſchöngeſchmückte Ebers⸗ kopf(bore's-head), der feierlich aufgetragen wird, die Suppe mit Roſinen, Kapaunen, Puten und Gänſen, plumb porridge genannt, ſowie der mächtig große Pudding und der rieſige Ochſenlendenbraten ſind Haupt⸗

Erinnerungen. 88. Bd. 1864.

Weihnachten in England. 329

gerichte geblieben, und während der ganzen Weihnachts⸗ zeit werden noch immer wie ſonſt die Tiſche faſt nie leer.

Auch die althergebrachte Sitte, ſich gegenſeitig Ge⸗ ſchenke und Glückwünſche zu ſchicken, hat ſich bis zum heutigen Tag erhalten, und aus Norwich allein wurden an einem Weihnachtsabend nicht weniger als 1700 Truthühner nach London geſchafft. Noch unter Karl I. ward an jedem Weihnachtsfeiertag dem König und der Königin in feierlicher Prozeſſion ein Zweig vom Glaston- bury-thorn, dein berühmten Weißdorn von Glaſton⸗ bury, als Gabe überreicht, der beim Volke in dem Rufe ſteht, in der Chriſtnacht auszuſchlagen und am Chriſttag über und über zu blühen.

Die Legende erzählt nämlich, dieſer Dornſtrauch, welcher auf einer Anhöhe im Kirchhof der Abtei von Glaſtonbury ſtand, aber zur Zeit der Bürgerkriege ab⸗ gehauen wurde, und einer orientaliſchen Weißdorngat⸗ tung angehörte, die ſehr früh ausſchlägt, ſei ein Spröß⸗ ling des Stabes geweſen, welchen Joſef von Arimathias eigenhändig am Chriſtabend in die Erde ſteckte, und der ſogleich Wurzeln ſchlug, Blätter trieb und am nächſten Tage mit milchweißen Blüthen bedeckt war. Eine lange Reihe von Jahren fuhr er fort, in jeder Chriſtnacht zu blühen, alle ſeine Abſenker thaten dasſelbe und zahl⸗ reiche Menſchen begaben ſich jedesmal überall hin, wo welche ſtanden, um dieſes Wunder mit anzuſehen. Als aber 1753 in Quainton in Buckinghamſhire ein Ableger des Glaſtonburhydornſtrauches nicht ausſchlug, obgleich ſich Tauſende von Zuſchauern mit Lichtern und Laternen wie immer an Ort und Stelle eingefunden hatten, be⸗ hauptete das Volk, der 25. December neuen Styls wäre nicht der wirkliche Chriſttag, und weigerte ſich, ihn als Feſt zu begehen, um ſo mehr, da der Weißdorn am 5. Januar wie gewöhnlich blühte. Es bedurfte einer Verordnung der Geiſtlichen der benachbarten Städte, daß der Old-Christmas-day, alte Chriſttag, gleich dem neuen gefeiert werden ſollte, um die Streitigkeit beizu⸗ legen, und noch jetzt finden manche Gebräuche am Drei⸗ königsabend Statt, welche urſprünglich dem Chriſtabend galten, wie das Anzünden von Feuern und Lichtern auf dem Felde, und das Heilwünſchen der Apfelbäume im Obſtgarten, das in ähnlicher Weiſe auch außer England üblich iſt. Nur werden die Bäume, damit ſie gut tragen ſollen, in Schwaben und Schweden mit Stroh umwun⸗ den, im Aargau mit Strohbändern umwickelt, die man zur Zeit des Oſtertaufläutens geflochten hat, in Tirol tüchtig geſchlagen und in Böhmen ſtark geſchüttelt, wäh⸗ rend man zur Chriſtmette läutet. Auch ging man ſonſt in Pillerſee des Nachts in den Obſtanger und klopfte mit gebogenem Finger an jeden Fruchtbaum, indem man ihm zurief:Auf, Baum! Heut iſt heilige Nacht, bring' wieder viel Aepfel und Birnen, oder ließ in Alpach jeden Baum von der Dirne umfaſſen, welche den Teig zum Weihnachtzelten geknetet und die Arme noch voller Teig hatte; in Reichenberg in Böhmen werden die Obſtbäume mit den Ueberreſten des Abendeſſens beſchüttet, zu dem ſie vorher höflich eingeladen worden ſind; am Rhein pflegte man früher Epheu, Miſtelkränze

42